Gemünden

Vor Gericht: Gewälttätiger Streit mit Schwiegereltern der Freundin

45-Jähriger wegen Körperverletzung angeklagt. Er soll die Großmutter der Kinder seiner Freundin geschlagen haben.
Symbolbild Gericht Foto: Arne Dedert

Geschlagen und gewürgt haben soll ein 45-jähriger Mann aus dem Raum Karlstadt im Mai 2018 die Schwiegermutter seiner Lebensgefährtin bei der Übergabe von Kindern. Die Anklage vor dem Amtsgericht Gemünden lautet auf Körperverletzung in Tateinheit mit Freiheitsberaubung, für den Staatsanwalt kommt auch eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung in Betracht. Der Angeschuldigte sagte am ersten Verhandlungstag aus, er habe die Frau nur festgehalten.

Hintergrund des Strafverfahrens ist offenbar eine gescheiterte Ehe und ein Familienrechtsstreit. Die Frau hatte ihren Ehemann verlassen und lebte mit den beiden Töchtern bei ihrem neuen Freund. Doch dann wurden die Kinder dem Vater zugesprochen, den der Angeschuldigte als gefährlichen und gewalttätigen Mann bezeichnete.

Die Kinder mussten zum Vater

Am Anfang seiner Einlassung schilderte der 45-jährige, dass eine Freundin aufgelöst von einem Termin beim Jugendamt kam und ihm erklärte, dass die Kinder dem Vater zu übergeben seien. Er habe daraufhin den Vater seiner Freundin angerufen, der die Kinder noch am gleichen Abend abholen sollte, denn am nächsten Tag wäre er nicht da gewesen. Er gab zu, dabei ins Telefon gebrüllt zu haben, aber auch, sich später aber beim Großvater entschuldigt zu haben.

"Ich wollte verhindern, dass es eskalierte", sagte er vor Gericht. Doch entgegen seiner Bitte sei der Großvater nicht allein gekommen, sondern mit der Großmutter vorgefahren. Zudem habe er den Kindsvater und dessen neue Lebensgefährtin dabei gehabt, doch diese seien vorher ausgestiegen.

Laut seiner Aussage wollten die Kinder damals nicht zum Vater, sie seien regelrecht in die Wohnung geflohen. Irgendwann sei der Kindsvater in die Wohnung gegangen und sei mit einem Mädchen auf dem Arm wieder heraus gekommen. Laut dem Angeschuldigten kam es dabei zu einem Handgemenge, bei dem seine Brille flog. Im Treppenhaus habe er die Großmutter der Mädchen gesehen und sie festhalten wollen, bis die von seiner Freundin (der Kindsmutter) verständigte Polizei käme. Dabei sei er zusammen mit der älteren Frau gestürzt. Danach habe er versucht, sie festzuhalten, später auch draußen vor dem Haus.

Streit im Treppenhaus

Die Annahme war, dass der Kindsvater nicht ohne seine Mutter wegfahren würde, doch der tat genau das und ließ sogar seine damalige Freundin zurück. Weit kam er mit seinem Vater und den Töchtern allerdings nicht, zufällig wurden sie noch im Ort von der Polizei kontrolliert und fuhren danach zurück zum Haus, wo inzwischen auch Polizei eingetroffen war.

Die Großmutter sagte aus, als sie im Treppenhaus stand, sei ihr Sohn mit einer Tochter auf dem Arm aus der Wohnung gekommen und der Angeklagte sei ihr vor die Füße gefallen. Sie habe nicht über ihn steigen wollen, weil sie ein Kleid getragen habe. Plötzlich habe er sie auf den Boden gedrückt, ihren Kopf am Kinn gepackt und mehrfach nach hinten gegen den Treppenabsatz geschlagen. Ihr Haardutt habe sie vor Schlimmerem bewahrt, doch auch so habe sie eine Platzwunde am Hinterkopf befürchtet und auch geblutet. Draußen habe sie der Angeklagte mit dem Gesicht gegen ein Glasseitenteil der Haustüre gedrückt und am Kehlkopf gewürgt. Das habe auch eine Nachbarin gesehen, ohne etwas zu unternehmen. Die Großmutter hat sich der Anklage als Nebenklägerin angeschlossen.

Der Großvater konnte zu den im Raum stehenden Gewalttaten nichts sagen. Er berichtete lediglich,  dass sein Sohn mit den beiden Mädchen aus dem Haus gekommen sei und sie die Kinder gemeinsam ins Auto gesetzt hätten. Er sei dann als Beifahrer eingestiegen und sie seien weggefahren, während seines Schwiegertochter telefonierend neben dem Auto gestanden habe. Den Vorwurf, sie habe sich dem Auto in den Weg gestellt, konnte er nicht bestätigen.

Richterin Laura Paczesny legte am ersten Verhandlungstag fest, dass noch vier weitere Zeugen vernommen werden sollen. Und sie verlas den ärztlichen Untersuchungsbericht des Krankenhauses, das die Großmutter aufgesucht hatte. Darin ist von Kopf-, Schulter-  und Oberschenkelschmerzen sowie einer Schürfwunde an einer Ohrmuschel die Rede, aber nicht von Platzwunden und Blutergüssen, wie sie die Frau geschildert hatte.

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