LOHR

Vor Gericht: Tausche Gutachten gegen Fahrerlaubnis.

Die junge Frau aus Lohr liebt Autos; nur Fahren darf sie nicht. Ihr wurde im Juni der Führerschein entzogen. Nicht, weil sie getrunken hätte oder zu schnell gewesen wäre. „Schuld“ war ein Schmerzmittel, das sie damals nahm. Es bereitete ihr nun auch beim Versuch, die Fahrerlaubnis vorm Würzburger Verwaltungsgericht zurückzuholen, Probleme.

Der Lohrerin ging es gesundheitlich weniger gut in den vergangenen Monaten. Wegen eines Bandscheibenvorfalls verschrieb ihr ein Arzt Anfang 2015 Tramadol.

Dieses Medikament ist mit Vorsicht zu genießen. Einerseits schaltet es bei vielen Patienten im Gehirn das Schmerzempfinden aus. Andererseits kann es als Nebenwirkung müde und benommen machen. Und es lässt das Gehirn optische und akustische Reize langsamer verarbeiten, verzögert die Reaktionszeit. Ab einer bestimmten Dosis kann es abhängig machen.

Das Landratsamt Main-Spessart fährt in der Sache eine harte Linie: Wer Tramadol einnehmen muss, darf wegen der Nebenwirkungen kein Auto fahren.

Auf die Lohrerin aufmerksam wurde die Straßenverkehrsbehörde wegen einer ganz anderen Geschichte. Die Frau kam unfreiwillig ins Bezirkskrankenhaus. Warum und wie lange, klärte sich vor Gericht nicht.

Allerdings wird im Bericht zum Tatbestand von einem ärztlichen Zeugnis gesprochen, in dem eine „drogeninduzierte Psychose“ festgestellt wurde.

Das Landratsamt erfuhr von dem Aufenthalt – und von der Diagnose. Es ordnete ein weiteres ärztliches Gutachten an. Die TÜV Süd Life Service GmbH lieferte es im Juni 2016.

Demnach nehme die Frau weiter Tramadol „und somit einen psychoaktiv wirkenden Stoff, der die Fahreignung (...) infrage stellt“. Es sei von einem Missbrauch des Medikaments auszugehen. Und das, obwohl die junge Frau angegeben habe, Tramadol seit Dezember 2015 nicht mehr zu nehmen.

Mit Bescheid vom 18. Juli wurde ihr die Fahrerlaubnis entzogen. Und ein Zwangsgeld von 500 Euro angedroht, falls sie das Dokument nicht innerhalb einer Woche abgibt.

Das wollte die Lohrerin nicht hinnehmen. Sie klagte noch im Juli gegen den Bescheid.

Wie jetzt ihr Anwalt vor Gericht mitteilte, nehme seine Mandantin aktuell kein Tramadol mehr. Ihre Rückenschmerzen hätten sich nach physiotherapeutischer Behandlung wesentlich gebessert. Zum Beweis legte der Anwalt ein Attest des behandelnden Arztes und Bilder einer radiologischen Praxis vor.

Seine Mandantin stehe vor einem großen Problem: Sie sei arbeitslos und finde in Lohr keine passende Stelle. Um zum Beispiel in Würzburg oder Aschaffenburg aktiv zu werden, brauche sie Auto und Führerschein.

Das Gericht entschied zunächst nicht über die Klage. Aber der berichterstattende Richter deutete an, dass sie abgewiesen worden wäre. Er stellte klar, dass ein neues ärztliches Gutachten nötig sei. Es müsse das erste vom Juni „erschüttern“. Heißt: Im Blut der jungen Frau dürfe sich kein Tramadol mehr nachweisen lassen. Dann könne sie darauf hoffen, ihren Führerschein zurückzubekommen.

Dem stimmten alle Seiten zu. Die Klage wurde zurückgenommen, das Verfahren eingestellt.

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