Lohr

Vortrag in Lohr: "Kühlschrank ist gefährlicher als das Klo"

Bereits in der Bibel stehen Hygienevorschriften, sagt Thomas Schönfeld, Oberarzt des Klinikums. Foto: Thomas Josef Möhler

"Wenn man ein Hygieneproblem zu Hause hat, dann ist es eher in der Küche und nicht in der Toilette." Das hat Thomas Schönfeld, Oberarzt für Anästhesie und Krankenhaus-Hygieniker am Klinikum Main-Spessart, in einem Vortrag im Ulmerhaus deutlich gemacht. Sein Thema war "Hygiene – früher und heute".

Bereits in der Bibel habe es Hygienevorschriften gegeben, erklärte Schönfeld und zitierte aus dem dritten Buch Mose: "Alles, worauf ein totes Tier fiel, soll mit Wasser gewaschen werden." Auch die wohlhabenden Gesellschaften der griechisch-römischen Antike seien sehr reinlich gewesen, sagte der Mediziner im Gespräch mit unserem Medienhaus im Anschluss an den Vortrag.

Im Mittelalter sei dieses Wissen weitgehend verloren gegangen, was auch an den Lebensumständen wie Armut und Bevölkerungswachstum gelegen habe. In der vornehmen höfischen Gesellschaft etwa in Versailles habe man sich selten gewaschen und mit Puder den Körpergeruch überdeckt. Unterwäsche sei viel seltener gewechselt worden.

Der tägliche Austausch der Unterhose habe sich früher oft nicht umsetzen lassen, etwa von armen Leuten. Aber auch heute noch sei es schwierig, Erkenntnisse der Hygieneforschung im Alltag zu verwirklichen, etwa beim Händewaschen (mindestens 20 Sekunden), meinte der Mediziner. Für den Wechsel der Oberbekleidung wollte er keine festen Regeln angeben, das hänge unter anderem von der Tätigkeit ab.

Penizillin 1927 entdeckt

Die Wiederentdeckung der Hygiene verdeutlichte Schönfeld, der nach eigenen Angaben zum 1.April ans Bezirkskrankenhaus Lohr wechseln wird, in seinem Vortrag an einigen Meilensteinen wie der Erforschung der Ursache des Kindbettfiebers durch den "Retter der Mütter" Ignaz Semmelweis (1819 bis 1865). 1927 habe Alexander Fleming das Penizillin entdeckt. Ab 1942 sei es industriell hergestellt worden. Bereits zwei Jahre danach seien die ersten resistenten Keime gefunden worden.

Keime seien etwas Natürliches, unterstrich Schönfeld. Etwa 100 Billionen Keime besiedelten den Körper eines erwachsenen Menschen. Die Probleme begännen, wenn sie an der falschen Stelle seien. Etwa jeder dritte Mensch habe Staphylococcus aureus, den sogenannten Krankenhauskeim, auf seiner Nasen- und Rachenschleimhaut. Krank mache der Keim dann, wenn er beispielsweise in Wunden gelange.

Ein wichtiger Faktor bei der Erkrankung sei die Menge der Keime. Weil jeder Deutsche täglich im Durchschnitt 34 Liter Trinkwasser durch die Toilette spüle, gebe es dort weniger Bakterien, Viren und Pilze als in einem Kühlschrank. Dieser werde unter anderem durch Keime auf rohen Lebensmitteln infiziert. Schönfeld empfahl eine wöchentliche Reinigung des Kühlschranks.

Vor allem Schönfelds Ausführungen über die Hygienegefahren im Kühlschrank hätten ihm die Augen geöffnet, meinte Dekan Till Roth und fragte in die über 20-köpfige Runde: "Wer von ihnen wird diese Woche noch den Kühlschrank putzen?" Mehrere Anwesende hoben die Hand.

Jesus und das Händewaschen

Roth las eine Stelle im Markus-Evangelium vor, in der Jesus seine Jünger gegen Vorwürfe von Pharisäern verteidigt, sie hätten sich vor dem Essen nicht die Hände gewaschen, wie es eine religiöse Vorschrift verlangte. "Jesus ist nicht gegen das Händewaschen", betonte der Dekan. Er wolle vielmehr deutlich machen, dass der Mensch nicht durch das unrein werde, was in ihn hineingelange, sondern durch das, was aus ihm herauskomme, etwa böse Gedanken.

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