SEIFRIEDSBURG

Waachkratzer haben Spaß und geben Gas

Hochbetrieb: Das Homeshopping-Center erledigt auch ungewöhnliche Aufträge.
Hochbetrieb: Das Homeshopping-Center erledigt auch ungewöhnliche Aufträge. Foto: Ferdinand Heilgenthal

Die Waachkratzer wissen, wie ein opulentes, aber dennoch leicht verdauliches Faschingsmenü schmecken muss, mit dem man an zwei Abenden das närrische Publikum verwöhnen kann: Man nehme eine bunte Mischung aus jungen und erfahrenen Tänzern, Büttenrednern und sketcherprobten Originalen, dazu einen gut aufgelegten Hofmusikanten und als Garnierung ein charmantes Prinzenpaar. Nicht zu vergessen der kräftige Schuss würzigen Lokalkolorits.

Dass der Ablauf in der Narrenküche reibungslos funktioniert, dafür sorgen routinierte Helfer und ein Chefkoch, der elegant und in witziger Versform die Spezialitäten den begeisterten Gästen vorstellt. Als Getränk empfahl der Küchenchef zwischen den Gängen immer wieder eine besondere Art von Apfelprosecco, ein heimisches Erzeugnis.

Nachwuchs in der Bütt

Nach dem Einzug des Elferrats sowie des Prinzenpaars Thomas – „mit Kohlaräberwurzeln“ – und Claudia Ils und der Begrüßung mit einem dreifachen „Seierschburch Helau“ kündigte Sitzungspräsident Christian Höfling an: „Habt viel Spaß, wir geben Gas.“ Dafür sorgte als erste Nachwuchsbüttenrednerin Klara Strohmenger, die beobachtet hat, dass man später nicht mehr in die Höhe wächst, sondern mehr in die Breite.

Die Purzelgarde eröffnete den Reigen der Tanzvorführungen in Pippi-Langstrumpf-Kostümen. Wahrsagerin Rozzsalia Radu gab Einblicke in die große Politik. Die Jungs von der Bude berichteten aus ihrem Jugendalltag und nach ihnen glänzte die Prinzengarde mit vielen klassischen Tanzelementen, bevor mit dem Homeshopping-Center Seifriedsburg einer der humoristischen Höhepunkte des Abends kam: „Musst in ke Shopping-Center renn, you könn do it von dehemm.“ Kaum war der Chef weg, auf Geschäftsreise in Schonderfeld – „ihr wisst scho“ –, ließen es die Damen gemütlich angehen, bei der Aufnahme der unterschiedlichen Bestellungen: „Was, der Herr Ondrasch? Ja, eine schusssichere Weste, haben wir in der Größe leider nicht mehr auf Lager. Es ist alles ausverkauft, weil der Felbinger momentan auch unter Beschuss steht. Vielleicht etwas größer, man kann ja noch reinwachsen? Oder alternativ dazu ein dickes Fell?“

Die Elferräte bewiesen bei ihrem Pippi-Langstrumpf-Tanz, dass sie auch auf dem Parkett aktiv sein können. Über die Aufklärung machten sich die „Kinder“ Andy Köhler und Marco Fella Gedanken und nach einer Schunkelparade von Hofkapellmeister „Lippi“, Jürgen Lippert, klagte die „Projektgruppe zur Rettung der Seifriedsburger Kirb“ über den Niedergang des Brauchtums. Allein, dass der Kirbbaum noch wochenlang nach den Festtagen rumstehe, sei schon eine Schande.

Ganz zu schweigen vom jährlichen Bulldogproblem zum Baumabholen. „In Seifriedsburg gibt's 63 Bulldogs, wenn sich die Besitzer nur äweng abspreche, käm jeder nur ämal in 63 Jahr dro. Das müsst‘ doch zu schaffe sei.“ Außerdem sei die Blasmusik auch etwas dünn besetzt gewesen und überhaupt dauere es Stunden, bis die Männer im Wald einen passenden Baum gefunden hätten, kritisierte eine Diskussionsteilnehmerin: „Was mache die denn da eigentlich so lang?“ Trotzdem gehe es mit dem Brauchtum wieder bergauf, stellte das Gremium fest. Schließlich übten die Kindergartenkinder beim Waldtag schon das Erklettern des Kirbbaums.

Perfekter Showtanz

Die „tanzenden Hühner vom Berg“ führten in ihrem perfekt inszenierten Showtanz in fantasievollen Kostümen die Verwandlung der Raupen in prächtige Schmetterlinge vor und räumten dann die Bühne für den Sketch „Bauer sucht Frau“. Nicht so einfach hatte es der Landwirt, der seinem Nachbarn helfen wollte, eine Frau zu finden. Schon bei der Frage nach dem Sternzeichen gab es Probleme: „Ich bin Jungfrau, mein Sternzeichen ist Waage“ und zu den „berühmtesten drei Worten“, die der Junggeselle im Bett seiner erwarteten neuen Liebe sagen sollte, fiel ihm nur ein: „Also, gut Nacht.“

Soweit waren Sitzungspräsident und Publikum noch lange nicht. Schließlich bekriegten sich zum Finale beim Auftritt des Männerballetts Römer und Karthager in voller Rüstung, bis an die Zähne bewaffnet. Wobei die Karthager mit psychologischer Kriegsführung auf die gleichgeschlechtliche Sympathie der Römer setzten und sie wärmstens zum Tanz einluden, bei dem ihr Kampfeswille regelrecht dahinschmolz. Tosenden Beifall gab es auch dafür, zum Schluss des gut temperierten fünfstündigen Programms, bevor die Waachkratzer ihr Publikum in die eisige Winternacht entließen.
 

Die Mitwirkenden

Prinzenpaar:
Claudia Ils und Thomas Ils.

Purzelgarde: Viktoria Erb, Milena Fella, Sophie Fella, Marie-Sophie Görtler, Clara Hartmann, Mathilda Hartmann, Eva-Marie Joa, Maria Koberstein, Antonia Strohmenger, Emma Schmidt, Sarah-Kim Schnabel und Julienne Betz.

Prinzengarde: Marie Betz, Selin Englert, Anna-Luisa Ils, Laura Ils, Julia Köhler, Elisa Lippert, Paulin Lippert, Hannah Lutz, Johanna Lutz, Klara Strohmenger, Vanessa Strohmenger.

Kinderbütt: Klara Strohmenger.

Wahrsagerin: Stafan Köhler.

Budenabend: Fabian Lutz, Julian Ruppert, Daniel Schüpfer, Christoph Volpert, Johannes Volpert.

Homeshopping: Elmar Betz, Karin Grob, Hannelore Gutermuth, Silke Hahn, Ingrid Höfling, Edi Rettinger, Margarete Strohmenger, Christa Schüpfer, Gregor Zentgraf.

Aufklärung: Marco Fella, Andreas Köhler.

Projektgruppe Kirb: Patrick Geißner, Michaela Köhler, Kathrin Lengler, Christian Strohmenger.

Die tanzenden Hühner vom Berg: Karolin Bayer, Kathrin Fischer, Linda Legedza, Lena Müller, Nicole Schmidt, Verena Schmitt, Ramona Schüpfer, Julia Strohmenger.

Bauer sucht Frau: Daniel Schüpfer, Johannes Volpert.

Männerballett: Patrick Dittrich, Frank Egert, Patrick Geißner, Sebastian Koberstein, Alexander Köhler, Michael Lippert, Christopher Müller, Michael Müller, Steffen Nißler, Mario Nißler, Christian Strohmenger, Herbert Zentgraf.

Zeremonienmeister: Gregor Zentgraf.

 

Fotoserie

Waachkratzersitzung

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