Erlenfurt

Wald-Akademie in Erlenfurt steht noch „auf tönernen Füßen“

Ob im Hofgut Erlenfurt eine Akademie für Wald und Gesellschaft entsteht, steht noch in den Sternen. Bei einer von den Grünen organisierten Exkursion wurde vor allem der vorgesehene Standort im Hafenlohrtal kritisch gesehen. Die Gruppe angeführt wurde von dem Grünen-Landtagsabgeor... Foto: Wolfgang Dehm

Auf großes Interesse stieß eine Exkursion in den Spessart am Dienstag, zu der Patrick Friedl, Landtagsabgeordneter der Grünen, eingeladen hatte. Unter den rund 40 Teilnehmern waren neben Parteifreunden Friedls auch Vertreter mehrerer Umwelt- und Spessartverbände. Themen waren die umstrittenen Projekte "Eichenzentrum" und "Naturerlebniszentrum", die Gefährdung des Waldes durch Klimaerwärmung und Trockenheit sowie mögliche Waldschutzgebiete.

Nach dem Scheitern eines Nationalparks im Spessart möchte der Freistaat Bayern nun im denkmalgeschützten, aber ziemlich heruntergekommenen Hofgut Erlenfurt eine Akademie für Wald und Gesellschaft (ursprünglich als "Eichenzentrum" bezeichnet) einrichten. Nach einer ersten groben Schätzung muss dafür mit Kosten in Höhe von 26,5 Millionen Euro gerechnet werden. Im Doppelhaushalt 2019/2020 sind zunächst allerdings nur Planungskosten (500 000 Euro) eingestellt.

Zusätzlich soll für rund elf Millionen Euro ein so genanntes Naturerlebniszentrum mit Aussichtsturm und Spielplatz am Bischborner Hof entstehen; dafür ist noch kein Geld in den Doppelhaushalt eingestellt.

Was der Freistaat in Erlenfurt vorhat

Ludwig Angerer, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Karlstadt und seine Mitarbeiter Sigmar Wüst und Rebekka Kornder stellten das Projekt vor. Demnach soll im Hofgut Erlenfurt eine Akademie für waldbezogene Bildungsarbeit entstehen. Ziel sei es, Lehrkräfte, Erzieherinnen oder auch Vereinsvertreter in mehrtägigen Kursen zu befähigen, Kindern den Wald näherzubringen. Neben Seminarräumen und einem Multifunktionsraum mit Waldwerkstatt soll es auch Übernachtungsmöglichkeiten geben; gedacht sei an 34 Betten in Doppelzimmern. Die Verpflegung soll über regionales Catering erfolgen.

Ferner soll eine Ausstellung im Hofgut Erlenfurt Wanderer oder Radtouristen über Sehenswürdigkeiten im Spessart wie Eisenhammer oder ehemalige Glasmachersiedlung informieren. Die Ausstellung solle Lust machen, den Spessart zu erleben, hieß es.

Angerer verschwieg nicht, dass  das Akademie-Projekt im Hofgut Erlenfurt derzeit "noch auf tönernen Füßen" stehe. Vor allem der Artenschutz stelle eine große Herausforderung dar, sagte er mit Blick auf dort zahlreich vorhandene Rauch- und Mehlschwalben. Zudem müsse die Frage der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung geklärt werden.

Konzeptvorstellung für Bischbroner Hof im Herbst

Für das so genannte Naturerlebniszentrum am Bischborner Hof soll laut Angerer im Herbst eine konzeptionelle Grundlage vorgestellt werden.

Wie die anschließende Diskussion zeigte, gab es zwar vielfach Zustimmung zu dem Akademie-Projekt an sich, nicht aber für den Standort im Hafenlohrtal; die dort vorhandene Natur müsse vor zusätzlichem Verkehr geschützt werden, meinten etliche Redner. "Ob das im Hafenlohrtal sein muss?", fragte auch Patrick Friedl, der zudem das Hofgut als "nicht besonders erhaltenswert" einstufte – "außer für Schwalben". Er sehe die Akademie für Wald und Gesellschaft eher am Bischborner Hof.

SPD-Kreisrätin Heidi Wright, aktiv bei den "Freunden des Spessarts", wehrte sich ebenfalls gegen ein solches Bildungszentrum im Hafenlohrtal, wenngleich das Konzept "nicht schlecht" sei. Das Wichtigste sei ein Schutzkonzept für den Spessart, sagte ihre Grünen-Kollegin im Kreistag und Bezirksrätin Bärbel Imhof aus Lohr. Eine Akademie für Wald und Gesellschaft sähe sie lieber an die Forstschule in Lohr angedockt, wiederholte sie einen früheren Vorschlag.

Klimawandel macht sich bemerkbar

Nach dem Besuch im Hofgut Erlenfurt und einem Mittagessen im Restaurant "Spechtshaardt" in Rothenbuch ging es weiter in den Heisterblock im Hochspessart. Dort hörten die Exkursionsteilnehmer von Florian Vogel, dem Leiter des 17 000 Hektar großen Staatsforstbetriebs Rothenbuch, dass die Situation im Spessart noch nicht ganz so schlimm sei wie auf der Fränkischen Platte, weil im Spessart doch etwas mehr Regen falle. Dennoch sei in den letzten zwölf Monaten mit 50 000 Festmetern erschreckend viel Käferholz angefallen; auch die Buche zeige mittlerweile "Vitalisierungsverluste".

Laut Vogel muss der Waldbau auch im Spessart in den nächsten Jahrzehnten an den Klimawandel angepasst werden. Dies soll seinen Worten nach auf Basis der im Spessart heimischen Baumarten geschehen, wobei der Wald an sich im Vordergrund stehen müsse und nicht der Ertrag. Für die Biodiversität des Waldes seien Totholz, Biotopbäume und Strukturvielfalt wichtig.

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