Waldbad Lengfurt: Ehrenamtlich zu Freibad-Experten werden

Selbst Hand anlegen: Die Menschen in Triefenstein erhalten durch viel ehrenamtliche Arbeit ihr geliebtes Waldbad. Der Förderverein bewirbt sich um einen Preis bei der Ehrenamtsaktion „Zeichen setzen“.
Über 1000 Arbeitsstunden haben Ehrenamtliche in Triefenstein allein im April und Mai damit verbracht, das Waldbad in Lengfurt „auszuwintern“. Während der Saison besetzten sie weiter die Kasse und den Kiosk und putzten das Bad.
Über 1000 Arbeitsstunden haben Ehrenamtliche in Triefenstein allein im April und Mai damit verbracht, das Waldbad in Lengfurt „auszuwintern“. Während der Saison besetzten sie weiter die Kasse und den Kiosk und putzten das Bad. Foto: Ralf Thees

Was tun, wenn in Zeiten klammer Kassen sich eine Gemeinde ihr Freibad nicht mehr leisten kann? Dann müssen die Bürger eben selbst mit ihrer Arbeitskraft dem Schwimmbad unter die Arme greifen! „Manche haben damals gedacht, das kann niemals klappen“, erinnert sich die Lengfurterin Dorothea Hock, „aber wir haben es hingebracht“.

Schockiert waren die Bürger der Marktgemeinde Triefenstein (Lkr. Main-Spessart), als sie Anfang dieses Jahres erfuhren, dass die Kommune kein Geld mehr für den Unterhalt des Waldbads im Ortsteil Lengfurt hat. Bürgermeister Norbert Endres bezifferte den Verlust des Schwimmbads auf 350 000 Euro im Jahr und den Sanierungsbedarf auf etwa 50 000 Euro. Mittelfristig stehe eine mindestens vier Millionen Euro teure Komplettsanierung an, so Endres damals.

Zu viel für die chronisch klamme Gemeinde, die kaum ihre Pflichtaufgaben finanzieren kann, rund fünf Millionen Euro Schulden lasten auf ihr. „Bei der aktuellen Haushaltslage dürfen und können wir uns das Waldbad nicht mehr leisten“, sagte Endres noch im März.

Die Bürger Triefensteins und auch der näheren Umgebung wollten eine Schließung „ihres Waldbads“ jedoch nicht hinnehmen. „Ich war in meiner Kindheit immer im Waldbad“, sagte beispielsweise Tina Straub aus Lengfurt, „und mein Kind soll hier auch ins Schwimmbad gehen können.“

Schnell formierte sich eine Gruppe von rund 100 Bürgern und demonstrierte für den Erhalt des Freibads. „Die Leute lieben das Waldbad. Im Sommer ist es für manche ihr zweites Zuhause“, sagte Dorothea Hock, die diese Bürgerinitiative mit gegründet hat und nun als Schriftführerin im Vorstand des kurze Zeit später entstandenen Fördervereins „Triefenstein Pro Waldbad“ sitzt.

Beinahe über Nacht wurden viele Triefensteiner von Freibad-Besuchern irgendwie zu Freibad-Betreibern – auch wenn das Bad nach wie vor offiziell in Händen der Gemeinde ist. „Alle, die sich an der Rettung des Waldbads beteiligten, haben viel gelernt in der Zeit“, sagt Hock. Sie selbst musste sich über Nacht mit Vereinsrecht beschäftigen.

„Im Grunde mussten wir lernen, wie man ein Schwimmbad betreibt“, erinnert sich die Schriftführerin. Zum Teil, weil die Ehrenamtlichen in rund 1300 Arbeitsstunden selbst Hand anlegten, um allein das Freibad am 12. Mai dann endlich in dieser Saison eröffnen zu können. Aber auch, um gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung Konzepte zu entwickeln, wie das Bad zu finanzieren und organisieren sei.

Die Saison über arbeiteten zahlreiche Ehrenamtliche im Freibad, im Kiosk, an der Kasse, zum Putzen und für Reparaturen. Und auch wenn das Wetter nicht so gut war wie erhofft, ist Hock guter Dinge, dass der Verein „Pro Waldbad“ seinen Teil der Verpflichtung für den Erhalt des Freibads erfüllt. 50 000 Euro soll der Verein aus Spenden beitragen. „Wir erwarten die Abrechnung in den nächsten Wochen mit Spannung“, sagt Hock.

Ungewöhnlich war die Einigkeit der Bürger. Sind sich die vier Ortsteile Lengfurt, Homburg, Trennfeld und Rettersheim sonst selbst nach fast 40 Jahren Gebietsreform nicht sonderlich grün, traten sie doch gemeinsam für den Erhalt ein.

„Das Waldbad hat das Wir-Gefühl in der Gemeinde gestärkt; das war nicht immer so“, erläuterte Hock damals. Und auch heute ist sie über den Zusammenhalt erfreut, der in der Marktgemeinde durch das gemeinsame Engagement nur noch gewachsen sei.

„Es hat für manche auch eine Änderung im Denken gebracht“, sagt Hock. Durch die große Resonanz aus der Bevölkerung und den Medien weit über Triefenstein hinaus wurde den Einheimischen erst einmal klar, wie schön und geschätzt das Waldbad sei, erzählt sie. „Wir haben das Waldbad für selbstverständlich hingenommen“, erinnert sich Hock, „und wussten es erst zu schätzen, als es uns genommen werden sollte.“ Und noch etwas haben die Waldbad-Aktivisten gelernt: „Wenn alle gemeinsam etwas anpacken, dann kann es auch klappen“.

Über den Winter setzen sich die Vereinsmitglieder zusammen und überlegen, diesmal in Ruhe, was in der kommenden Saison anders organisiert werden soll und welche Arbeiten anstehen. Denn das Bad soll auch im nächsten Jahr wieder geöffnet sein, und eines ist für Hock klar: „Es ist keine Frage für uns, ob es mit dem Waldbad weitergeht, sondern nur eine Frage des ,wie genau‘.“

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