Esselbach

Warum Esselbach so viele Sternsinger hat

So wie im ganzen Landkreis Main-Spessart folgten auch in Esselbach die Sternsinger am Dreikönigstag einer alten Tradition und Vorbildern aus der Geschichte.
Die Sternsinger-Schar zieht feierlich in die Kirche ein. Foto: Dorothee May

Der goldene Stern ist schon von Weitem zu sehen. Dahinter reihen sich kleine Gestalten mit wallenden Mänteln, die die Röcke heben und auf das nächste Haus zu gehen. Auf ihrem Weg durch die Gemeinde Esselbach folgen die Sternsinger am 6. Januar einer alten Tradition und Vorbildern aus der Geschichte von den drei Weisen aus dem Morgenland. Diese kamen einst als Sterndeuter nach Bethlehem. Sie hatten die Geburt eines großen Königs vorhergesehen und wollten ihn nun gebührend empfangen.

Geführt von einem hellen Stern am Himmel fanden sie Jesus in einer Krippe und überreichten ihm wertvolle Geschenke. Aus den Sterndeutern wurden heilige Könige, man gab ihnen Namen, Gesichter und eine Herkunft. Sie wurden zu Caspar, Melchior und Balthasar und symbolisierten die damals bekannten Kontinente Afrika, Asien und Europa. Die kleinen und großen Sternsinger weihen die Häuser sowie ihre Bewohner und sammeln Geld für Kinder in Not. Dabei schreiben oder kleben sie die Buchstaben C+M+B an die Haustüren, was für den lateinischen Satz "Christus mansionem benedicat" steht. Übersetzte bedeutet dies "Christus segne dieses Haus."

Alle Sternsinger werden von Pfarrer Eckert feierlich ausgesandt. Foto: Dorothee May

Wie vielerorts zu lesen war, befindet sich die Sternsinger-Aktion in einzelnen Ortschaften im Wandel. Es lassen sich immer weniger Kinder finden, die sich an der Aktion beteiligen. Umso beeindruckender ist es, dass sich in Esselbach heuer am Dreikönigstag sogar 43 Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 17 Jahren aufmachen, um die Häuser in Esselbach, Kredenbach und Steinmark zu segnen. Dabei beteiligen sie sich auch an der diesjährigen Sternsinger-Aktion "Segen bringen, Segen sein. Frieden im Libanon und weltweit". Die meisten der Jugendlichen liefen schon etliche Male die Straßen Esselbachs als Sternsinger ab. So ist der 17-jährige Julian Roos bereits zum neunten Mal dabei: "Es macht einfach Spaß und ist für einen guten Zweck."

Jedes Jahr werden neue Dreikönige dazugewonnen

Aber es werden auch jedes Jahr wieder neue Dreikönige hinzugewonnen. Dies geht sicher auch auf das große Engagement der Kolpingfamilie Esselbach zurück. Als Hauptverantwortliche sprechen Rita Leimeister und Irmgard Roos, aber auch alle anderen ehrenamtlichen Helfer, die Kinder persönlich an. Eine gute Organisation sei notwendig, um alle Kinder einzukleiden und sie in die betreffenden Straßen einzuteilen. Schon ungefähr eine Woche vor dem Dreikönigstag werden alle teilnehmenden Kinder ins örtliche Pfarrheim geladen. Dort liegen nach Größen vorsortiert Umhänge, Kronen, Perlenketten und Turbane bereit.

Eine der Sternsinger-Gruppen macht sich auf den Weg. Foto: Dorothee May

Selbstverständlich werde auch hier nichts dem Zufall überlassen. Irmgard Roos und Rita Leimeister passen jedem Kind den Umhang persönlich an. Falls etwas nicht passt, wird es bis zum 6. Januar geändert. Weitere ehrenamtliche Helfer teilen den Kindern die Texte aus, die sie an den Haustüren sagen müssen, und vergeben die Straßenzüge. Das ist oftmals gar nicht so leicht, alle Freundschaften und Vorlieben für bestimmte Straßen zu berücksichtigen. Es wird darauf geachtet, dass jede Gruppe von erfahrenen Teilnehmern oder Erwachsenen begleitet wird. Und die Helfer schaffen es erneut, dass alle zufrieden mit ihrer Gruppe, den Straßen und der Kleidung sind.

1987 wurde die Sternsingeraktion von den Kolpingfrauen aus Esselbach erstmals gestartet. Sie fertigten die Umhänge, Kronen, Sterne und Opferkästchen selbst an. Je nach gemeldeten Kindern werden jedes Jahr von den Familien Roos und Leimeister zusätzliche Gewänder gestaltet. Am Dreikönigstag selbst ist im Schulhaus neben der Kirche lautes Kindergeschnatter und aufgeregtes Umherlaufen wahrzunehmen. Aber auch hier behalten die Helfer der Kolpingfamilie den Überblick. Kurz vor Beginn des Gottesdienstes holt Pfarrer Eckert die Sternsinger ab und zieht mit ihnen gemeinsam in die Kirche ein. Auch in den Ablauf des Gottesdienstes werden sie mit einbezogen. Am Ende werden die Gruppen vom Pfarrer feierlich ausgesandt. Aber auch hier endet die Organisation keinesfalls. Die Männer der Kolpingfamilie haben die Gruppen im Auge und fahren sie zu ihren Einsatzgebieten.

Wenn die ersten fertig sind, werden sie zum Kolpingkeller im Pfarrheim gebracht. Dort bekommen sie Wurst, Käse, Brötchen und Kuchen von den Kolpingfrauen. Die örtliche Bäckerei Grün stiftet hierbei die Brötchen. Wenn alle satt und gestärkt sind, werden die Kinder abgeholt oder nach Hause gebracht. Alle sind zwar etwas müde, sind sich aber sicher: "Nächstes Jahr sind wir wieder dabei."

Ein Sternsinger schreibt 20*C+M+B*20 an die Haustür und segnet damit das Haus. Foto: Dorothee May

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