LOHR

Warum das güldene Festbier keine 10,70 Euro kostet

Ausgewogen vollmundig ist es, angenehm, dezent bitter und im Nachtrunk leicht fruchtig, sagt der Experte: Das Würzburger Bier für die Lohrer Festwoche 2018.
Ausgewogen vollmundig ist es, angenehm, dezent bitter und im Nachtrunk leicht fruchtig, sagt der Experte: Das Würzburger Bier für die Lohrer Festwoche 2018. Foto: Roland Pleier

Gülden glänzte der kühle Trunk in der immer noch starken Abendsonne: ausgewogen vollmundig, angenehm, dezent bitter und im Nachtrunk leicht fruchtig – mit diesen Attributen beschrieb Braumeister Thomas Wamser das (nach dem Bierskandal von 2011) erste ehrliche, quasi legal in Würzburg gebraute Festbier für die Lohrer Festwoche. Die Stammwürze liegt heuer bei 13,6 Prozent (2017: 13,5), der Alkoholgehalt wie im Vorjahr bei 5,7 Prozent.

Dankbar nahmen die 70 Gäste das Getränk in der Tradition der Festmärzenbiere bei der Festbierprobe im Brauhaus entgegen. Schwitzend und zum Teil fächelnd hatten sie zuvor eine Stunde lang Reden gelauscht.

Geschäftsführer gab sich philosophisch

Norbert Lange, Geschäftsführer der Würzburger Hofbräu (zu der die Keiler Bier GmbH seit 2001 gehört), spielte den Ball gleich Bürgermeister Mario Paul zu: „Ohne Humor kann man in Lohr nicht Bürgermeister werden.“ Gleichwohl: Lange selbst gab sich philosophisch und erzählte eine Geschichte: Ein Professor füllt ein Glas erst mit Steinen, dann erst Kiesel, schließlich Sand nach. Dazwischen bestätigen ihm seine Studenten jedesmal: Das Glas sei voll. Bis schließlich einer von ihnen noch ein Bier hineingießt, das sich in den Zwischenräumen verteilt. Langes Pointe: „Egal wie gefüllt ein Glas sein mag – es ist immer noch genügend Platz für ein frisches Festbier.“

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Festbierprobe

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Bis dieses dann endlich aus dem 30-Liter-Fass floss, benötigte Pau l 3x3 sachte Schläge.  Glaube keiner, dass das Rekord ist: Sein Vor-vorgänger Siegfried Selinger hatte es vor 15 Jahren auf sagenhafte elf gebracht, bis der Zapfen saß.

Ein Spitzel im Stadtrat?

Bevor er zum Schlegel griff, hatte sich Paul launig gegeben: Im Stadtrat müsse es wohl einen Spitzel geben, mutmaßte er. Wie sonst sei zu erklären, dass die Würzburger Hofbräu den Bezug Lohrer Wassers im vergangenen September ordnungsgemäß gekündigt habe, stellte er in den Raum. Zumindest eine Vorahnung müsse die Brauerei gehabt haben, dass der Wasserpreis in Lohr – wie vergangene Woche beschlossen – erheblich teurer werden würde.

Mit Lohrer Leitungswasser eingebraut, hätte eine Maß der 160 000 Liter Festbier heuer einen Preissprung auf sagenhafte 10,70 Euro machen können und wäre nur knapp unter Oktoberfest-Niveau geblieben, überschlug der Bürgermeister schnell mal. So aber mache der Preisanstieg um 20 Cent auf heuer 7,70 Euro nur 2,7 Prozent.

Die Wahrheit übers Wasser

Mit der Wirklichkeit freilich hat das wenig zu tun, nutzte die Brauerei Stumpf und die Keiler GmbH doch kein Leitungswasser, sondern den eigenen Brunnen auf dem Brauereigelände. Vor seiner Zeit als Braumeister (1962 bis 1999), so erzählte der heute 83-jährige Hermann Distler am Biertisch, sei zusätzlich auch noch eine Quelle am Felsenkeller angezapft worden.

Über den grünen Klee lobte Lange das Kompetenzteam Lothar Borkmann, Manuel Müller und Bernhard Wöber, allesamt externe Brauer mit Bezug zu Lohr. Sie hätten ihre Mission als Überwacher des Brauvorgangs erfüllt, so Lange. Das wolle er auch mit einem Scheck honorieren. Doch die drei verzichteten, spendeten die 1200 Euro zu gleichen Teilen an das Kinderhospiz Sternenzelt, den Kindergarten Steinbach und den Jugendbeirat der Stadt. Da öffnete Paul auch den städtischen Geldbeutel und zog gleich: Jeweils weitere 400 Euro erhalten die Fördervereine von Klinikum Main-Spessart und Bezirkskrankenhaus sowie die Lebenshilfe Lohr/Marktheidenfeld – eine Geste an die Vertreter aus dem Bereich der Pflegeeinrichtungen, die diesmal eingeladen waren. Diese Geste der Brauerei an Menschen, die „Dienst am Nächsten“ leisten, hat sich seit 2014 etabliert.

Krasse Unterschiede

„Dreigestirn“ nannte Lange das Brauer-Trio auch. Nun, allzu einnehmend war der Job der Kontrolleure nicht gerade. Die acht Sude im Würzburger Brauhaus seien im Drei-Schicht-Betrieb nach 27 Stunden erledigt gewesen, verriet Braumeister Wamser aus Esselbach. In den vergangenen sechs Jahren in den kleinen Lohrer Kesseln habe man für die 126 Sude – ebenfalls im Drei-Schicht-Betrieb – sechs Wochen benötigt. Und dass das Bier mit kalkreichem Würzburger Wasser anders schmeckt – nun ja: Die Würzburger fahren die Wasserhärte ihres Quellwassers von 25 auf 7,5 herunter und damit liegt es nur wenig über der Härte des Lohrer Tiefbrunnens, die Distler mit 4,5 bis 4,8 angab.

Aber ja: Geschmeckt hat das Bier den meisten, wie das anerkennende Nicken der Prominenz um das Bierfass verriet. Zu guter letzt leistete sich Paul dann aber doch eine kleine Spitze gegen die Würzburger Brauerei indem er süffisant bemerkte: „Des – mit Lohrer Wasser...!“

Dreimal drei Schläge benötigte Bürgermeister Mario Paul (links), bis die ersten Krüge aus dem 30-Liter-Fass mit Festbier gefüllt werden konnten.
Dreimal drei Schläge benötigte Bürgermeister Mario Paul (links), bis die ersten Krüge aus dem 30-Liter-Fass mit Festbier gefüllt werden konnten. Foto: Roland Pleier
Das Kompetenzteam, spendete seine Gage: (v.l.) Lothar Borkmann, Manuel Müller und Bernhard Wöber.
Das Kompetenzteam, spendete seine Gage: (v.l.) Lothar Borkmann, Manuel Müller und Bernhard Wöber. Foto: Roland Pleier

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