KARLSTADT

Was man im Deutschunterricht verpasst hat

Kultur und Menü: Humorvolle literarische Texte und Gedichte kredenzte Rainer Streng den Gästen bei der Karlstadter Veranstaltungsreihe „LesART“.Foto: J. Riedmann

Humorvolle Lyrik, gepaart mit einem schmackhaften Drei-Gänge-Menü, bot der Literaturabend mit Rainer Streng im Rahmen der Veranstaltungsreihe „LesART“, zu dem die Karlstadter Buchhandlung „BücherEcke“ in die Kantine des Zementwerks Schwenk eingeladen hatte.

Als Rezitator von Gedichten von Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Eugen Roth, Robert Gernhardt, Heinz Erhardt, Heinrich Heine oder Kurt Tucholsky agierte der Leiter der „Literaturbühne“ Forchheim, Rainer Streng, zwischen den einzelnen Gängen des von Burkard Ehehalt zubereiteten Menüs.

Anneheide Ehehalt begrüßte die 80 Gäste und den Künstler in der von ihrem Mann betriebenen Werkskantine. Zum siebten Mal dabei und damit von Anfang bei der Literaturreihe „LesART“ mit im Boot sei die bis vor kurzem noch von ihr geführte Karlstadter Buchhandlung. Neben der Förderung des Lesens standen für die Buchhandlung, die den Vorverkauf getätigt hatte, auch wirtschaftliche Aspekte im Raum.

Rainer Streng, Jahrgang 1960, hat Theologie und Anglistik in Neuendettelsau, Erlangen und Canterbury studiert und mehrere Jahre im Ausland gearbeitet, dabei auch als Entwicklungshelfer in Papua-Neuguinea. Heute ist er als Schauspieler, Regisseur und Referent für Körpersprache und Ausspracheschulung tätig. Regie führt er beim SHL-Theater Forchheim und bei der Naturbühne Trebgast. Mit „Szenischen Lesungen“ und literarischen Programmen ist Streng deutschlandweit unterwegs.

Unter dem Motto „Was man im Deutschunterricht verpasst hat“ hatte Streng für den Literaturabend Inhalte aus seinen Soloprogrammen „Lyrik zum Lachen“ und „Der Garten und sein Mensch“ kombiniert.

Tiere der unterschiedlichsten Gattungen stehen oft im Mittelpunkt der komischen Lyrik von Christian Morgenstern. Der Dichter, dessen 100. Todestag sich Ende März 2014 jährte, ist überwiegend mit seiner humoristischen Dichtung voll liebenswürdigem, scharfzüngigem Sprachwitz bekannt geworden, dessen Sinn oft erst auf den zweiten Blick zu entschlüsseln ist. Zu dem Gedicht „Die Schildkröte“ ahmte Streng, gestützt auf seinen Vortragstisch, die trägen Bewegungen des „vom Gotenkönig Theobald aufgezogenen“ uralten Tieres nach. Das Gedicht über ein Känguru veranschaulichte er mit einer Stofffigur.

Zu Ehren kamen auch die Schnecke, der Hecht, der Vegetarier sein will, zwei Esel und der Werwolf, der seinen Namen von einem Dorfschullehrer deklinieren lässt. Das Gedicht „Das Huhn“ ließ Streng eintönig von einem schüchternen Schüler, von einem wortgewaltigen Politiker und einem Pennäler vortragen, der das Gedicht nicht gelernt hat und mit den Einflüsterungen seines Banknachbarn nichts anzufangen weiß.

Von Eugen Roth rezitierte Streng aus den „Ein Mensch“-Gedichten und er ließ Joachim Ringelnatz mit dem „Steuerformular“ kämpfen. Auch Hermann Hesse war, wie „Der Gärtner träumt“ zeigt, ebenso wie Kurt Tucholsky in „Das Ideal“ die humorvolle Dichtung nicht fremd.

Fehlen durfte in diesem Kreis Heinz Erhardt nicht, in dessen humorvollen Gedichten wie „Der Spatz“ oder „Der Fischer“ Glück und Tod dicht beieinander liegen.

Auf Robert Gernhardts Aufforderung „Bilden Sie mal einen Satz mit…“ verwandelten sich Worte in anderem Zusammenhang, nach Trennung oder neuer Betonung in kuriose neue Begriffe.

Mit seiner mitreißenden Wiedergabe der Gedichte, mit seinen schauspielerischen Fähigkeiten und seiner Mimik vermochte Streng den Texten auch visuell Leben einzuhauchen. Dies bewies er abschließend mit seinem Schlittschuh laufenden „Seufzer“ von Morgenstern nochmals höchst augenfällig. Für den literarisch unterhaltsamen, fröhlichen Abend und gut gesättigt zollten die Gäste dem Künstler und dem Veranstalter Beifall und hohes Lob.

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