KARLSTADT

Welches Bad hätten S' denn gern?

Fragen zum Freibad: Karsten Krajewski von der Bauabteilung im Karlstadter Rathaus arbeitet die Änderungen aus der Bauausschusssitzung in den Fragebogen zum Freibad ein. Dieser wird kommenden Woche noch im Stadtrat diskutiert. Foto: Karlheinz Haase

Wie ermittelt man, welche Erwartungen die Menschen einer Stadt an ein Freibad haben? Dass dies gar nicht so einfach ist, wurde in der Karlstadter Bauausschusssitzung deutlich. Dort stellten Öffentlichkeits- und Tourismusreferentin Kornelia Winkler und Karsten Krajewski den Entwurf für den Fragebogen vor, der an alle 13 000 Karlstadter Bürger ab 16 Jahren verteilt werden soll. Um auch die Meinung der jüngeren Schulkinder zu erfragen, sollen 2300 anders aussehende Schüler-Fragebögen in den Schulen an die Klassenstufen 1 bis 10 verteilt werden.

Nachdem die Anregungen der Bauausschussmitglieder eingearbeitet sind, soll sich der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag, 28. Juni, mit dem Fragebogen befassen und ihn endgültig „auf die Reise schicken“. Tags darauf ist der Druck geplant. Am Freitag, 13. Juli, sollen die Fragebögen versandt werden. Bis 31. Juli können sie in die Urnen eingeworfen werden, die an städtischen Einrichtungen wie zum Beispiel Schwimmbad, Musikschule, Tourist-Info, in allen Kindergärten und so weiter stehen. In Ortsteilen ohne städtische Einrichtung stehen sie bei Stadträten, Ortssprechern oder Mitarbeitern der Stadtverwaltung.

Drei Varianten

Im August läuft dann die Auswertung dieser Bürgerbefragung. Im September folgt die Präsentation der Ergebnisse. 6400 Euro wird diese Bürgerbefragung inklusive Porto und Sonstigem kosten.

Die Vorderseite des Fragebogens zeigt skizzenhaft drei verschiedene Beckenvarianten. Variante A entspricht weitgehend dem jetzigen Bestand mit einem Schwimmerbecken mit sieben 50-Meter-Bahnen. Das Nichtschwimmerbecken wird ergänzt durch eine breite Treppe, eine Breitrutsche und einen Massagetempel mit Massageliegen. Als weitere Elemente sind Breitwasserfall, Bodenblubber und Massagedüsen eingezeichnet. Investitionskosten rund 1,97 Millionen Euro.

Variante B entspricht dem kürzlich in der Main-Post vorgestellten Vorschlag der Freien Wähler. Das Nichtschwimmerbecken ist so wie in Variante A gestaltet. Aber ins Schwimmerbecken ragt eine Landzunge hinein, mit der drei 25-Meter-Bahnen von einem „Wassersportbereich“ abgegrenzt werden. Zudem gibt es vier 50-Meter-Bahnen. Im 90 bis 130 Zentimeter flachen und mit einer Edelstahlwand abgegrenzten „Wassersportbereich“ soll je nach Tageszeit die Jugend toben und Wasserball spielen, beziehungsweise Wassergymnastik stattfinden. Investitionskosten rund 2,05 Millionen Euro.

Variante C ist der Entwurf, den Planerin Nicole Riedle vom Büro Balnea heuer im Stadtrat vorgestellt hat. Zur Erinnerung: Das Schwimmerbecken wird L-förmig gestaltet, sodass sich drei 50-Meter-Bahnen und vier 25-Meter-Bahnen ergeben. Dafür wird auch das Nichtschwimmerbecken L-förmig. Als zusätzliche Attraktion kommt ein Strömungskanal hinzu. Investitionskosten rund 2,13 Millionen Euro.

Auf der Rückseite des Fragebogens dürfen die Befragten jeweils vier „Noten“ vergeben von „wichtig“, „weniger wichtig“ bis „unwichtig“ oder „keine Angabe“. Abgefragt wird hier, wie wichtig ihnen folgende Elemente wären: Strömungskanal, Bodenblubber, Breitwasserfall, Breitwasserrutsche, Massagedüsen und Sprudelliegen. Zusätzlich aufgeführt ist ein separates Sprungbecken, dessen Investitionskosten mit rund 800 000 Euro, zusätzliche jährliche Betriebskosten mit 10 000 Euro und zusätzliche jährliche Personalkosten mit 9000 Euro beziffert werden.

Angeben sollen die Befragten ihre Altersgruppe. Möglich sind weiterhin noch Anregungen und Ergänzungen. Die Umfrage läuft anonym.

„Wassersportbereich“

Stadtrat Eugen Köhler kritisierte, es fehle ein abgeschlossener Bereich, in dem die Jugendlichen toben können – die CSU hatte aufgrund von Gesprächen mit Jugendlichen den Vorschlag gemacht, ein Sprungbecken zu bauen. Bürgermeister Paul Kruck erklärte, Variante B solle gerade auch den Jugendlichen entgegenkommen. „Wenn im Sommer viele Jugendliche da sind, gibt es für sie den Wassersportbereich.“

Der Fragebogen kranke auch, so Köhler, daran, dass den Leuten mit den Skizzen suggeriert werde, es müsse ein Massagetempel mit Sprudelliegen sein. Kruck stellte klar, dass stattdessen bei jeder Variante auch ein Strömungskanal denkbar wäre. Nach einigen Hin und Her betonte er drastisch: „Wenn die Umfrage zeigt, die Sprudelliegen interessieren keine Sau, und alle wollen den Strömungskanal, dann wird der gebaut.“ Um Missverständnisse zu vermeiden, wird nun in den Skizzen der Strömungskanal alternativ zu den Massagedüsen angegeben. Zudem werden zwischen Breitwasserrutsche und Breitwasserfall zusätzliche Treppen eingezeichnet.

Köhler fragte auch kritisch nach, wer denn behaupte, das Sprungbecken müsse 800 000 Euro kosten. Er hätte sich gewünscht, dass die Planerin Nicole Riedle der Sitzung beiwohnt, um Auskünfte geben zu können. Eine Alternative zu einem eigenen Sprungbecken könnte beispielsweise bei Variante B eine Sprungmöglichkeit auf der mittleren der drei 25-Meter-Bahnen sein, meinte er. Hier wurden Köhler die Personalkosten für die Aufsicht während der Sprungzeiten entgegengehalten. Bei der nötigen Wassertiefe für den Sprungbereich werde man aber auf jeden Fall beim Bau in den Grundwasserbereich kommen. Kruck hielt den Aufwand für fraglich. Man müsste das klären. Köhler argumentierte, auch für ein Strömungskanal seien eigene Fundamente nötig, was ebenfalls einen höhen Aufwand bedeute.

Aufsichtspflicht in Bädern

In der Diskussion über eine Sprungmöglichkeit im künftigen Karlstadter Freibad kommt im Karlstadter Stadtrat immer wieder zur Sprache, dafür sei eigenes Aufsichtspersonal nötig. Da beispielsweise im Würzburger Nautilandbad ein Sprungturm und ein Ein-Meter-Brett ins 25-Meter-Becken integriert sind, lag eine Anfrage dort nahe.

Ergebnis: Da im weitläufigen Nautiland generell drei Aufsichtspersonen Dienst tun, ist die Situation völlig anders, sagt der Zuständige in der Stadtverwaltung Würzburg. Ist eine Sprungmöglichkeit geöffnet, ist dort stets eine Aufsichtsperson in der Nähe. Muss diese anderweitige Aufgaben erledigen, wird die Sprungmöglichkeit für diese Zeit geschlossen.

Generelle Vorschriften für Bäder gebe es aber nicht, da jedes Bad anders strukturiert ist. Nur so viel: Der Betreiber muss alles tun, um Gefahr von den Badegästen abzuwenden. Die Personalstärke sei eine Ermessensfrage. Zu berücksichtigen sei beispielsweise, wie gut das Bad zu überblicken ist und wie viele Badegäste da sind. TEXT hop

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