GEMÜNDEN

Wenige Einbrüche in Gemünden: So schützen Sie sich

Gute Nachbarschaft über den Zaun hinweg ist nicht nur menschlich wertvoll, sondern auch ein guter Einbruchsschutz (hier ein Symbolfoto aus unserem Redaktionsarchiv).FOTO M. Mellenthin

Sie kommen stets in der Nacht, sind dunkel gekleidet, haben eine Taschenlampe dabei und einen Sack für die Beute auf dem Rücken. Mit dieser weit verbreiteten Mär räumte Kriminalkommissar Ludwig Martin vom Polizeipräsidium Unterfranken kräftig auf. In einer Informationsveranstaltung der Polizeidienststelle Gemünden zusammen mit der Stadt Gemünden gab Martin Tipps zum „sicheren Wohnen“ und zum Schutz vor „ungebetenen Gästen“.

„Das ist ein aktuelles und sehr beunruhigendes Thema“, eröffnete zweiter Bürgermeister Werner Herrbach die Veranstaltung, zu der etwa 120 Interessierte ins Foyer der Scherenberghalle gekommen waren. Nahezu täglich werde über Wohnungseinbrüche berichtet. „Oft reichen schon einfachste Sicherungsmaßnahmen, um eine große Wirkung zu erzielen“, meinte Herrbach, der die Veranstaltung auch als Serviceleistung der Stadt für ihre Bürger sah.

„Wer von Ihnen hat heute beim Weggehen daheim ein Licht angelassen?“ Kaum ein Finger ging auf die Frage von Ludwig Martin nach oben, jedoch war allen Besuchern schnell klar, dass dies eine der einfachsten und wirksamsten Maßnahmen ist, eine Anwesenheit vorzutäuschen und Eindringlinge fernzuhalten, denn: Gauner fürchten das Licht.

Dass Wohnungseinbrüche Konjunktur haben, zeigte ein Blick von Ludwig Martin und Polizeihauptkommissar Heribert Schmitt, dem Leiter der Polizeistation Gemünden. Um rund 100 Fälle ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in Unterfranken im vergangenen Jahr auf über 600 gestiegen. Schwerpunkt waren Würzburg und der Landkreis Kitzingen. Im Zuständigkeitsbereich der Polizei Gemünden lag die Zahl der Wohnungseinbrüche 2014 „im einstelligen Bereich“.

„Etwa 60 Prozent aller Wohnungseinbrüche sind Gelegenheitseinbrüche“ und nicht von langer Hand durch Ausspähen der Wohnung vorbereitet, erklärte Heribert Schmitt. Ein über Tage prall gefüllter Briefkasten ist oft ein Indiz dafür, dass die Wohnungsinhaber nicht anwesend sind. Frei herumstehende Leitern oder gekippte Fenster und Terrassentüren („gekippte Fenster sind offene Fenster“) laden geradezu zu spontanen Wohnungseinbrüchen ein und können später zu großem Ärger mit der Versicherung bei der Schadensregulierung sorgen. „Briefkästen bei Abwesenheit durch Nachbarn leeren lassen und Leitern durch Schlösser sichern“, seien wirksame Maßnahmen.

Neben vorhandenen Leitern erleichtert oft auch herumliegendes Garten- und Heimwerkerwerkzeug ungebetenen Gästen den Zugang zur Wohnung. In etwa 80 Prozent aller Einbruchsfälle werden Fenster oder Terrassentüren aufgehebelt. Bei 20 Prozent zerstören Einbrecher die Glasscheibe in Griffhöhe und öffnen dann das Fenster oder die Tür. Neben Terrassen werden auch gerne Nebeneingangs- oder Kellertüren benutzt. „Haustüren sind weniger das Angriffsziel, weil diese oft gut einsehbar sind“, so Gemündens Polizeichef Schmitt. „Beliebt“, dagegen sind die Gebäuderückseiten.

„Die dunkle Jahreszeit nutzen Einbrecher verstärkt“, berichtete Ludwig Martin. Wobei, statistisch gesehen, die Zeit ab 20 Uhr zu den „sichersten Tageszeiten“ gehört. Die „Tagesschauzeit“ und das Ende der Einkaufszeit in vielen Geschäften sorgen dafür, dass um Wohnungen ein weiter Bogen gemacht wird. Im Trend liegen dagegen Tageseinbrüche, oft nach Beginn der Arbeitszeit sowie Einbrüche in der Dämmerung.

„Sich selber schützen und aufmerksam sein“, sind für Polizeihauptkommissar Schmitt wertvolle Mittel, Einbrüche zu verhindern. „Oft bekommen wir bei der polizeilichen Tataufnahme Beobachtungen von Nachbarn oder Passanten“. Allerdings erst nach einer Tat. Darum ist für ihn „Nachbarschaft mehr als nebeneinander oder gegenüber zu wohnen“. Auch öfter mal einen Blick über den Gartenzaun zu werfen und misstrauisch gegenüber fremden Personen zu sein, könne Einbrüche und Diebstähle verhindern oder für eine schnelle Aufklärung sorgen.

„Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht“, räumte Ludwig Martin ein. Jedoch können mechanische und elektronische Sicherheitsmaßnahmen sowie organisatorische und Verhaltensmaßnahmen zu einem hohen Maß an Sicherheit beitragen. Entsprechende Ratschläge geben die 33 Beratungsstellen der Kriminalpolizei in Bayern. Besonders geschulte Kriminalbeamte geben kostenlos Ratschläge in den Beratungsstellen oder auch vor Ort.

Weitere Informationen im Internet unter www.polizei-unterfranken.de, www.polizei-beratung.de, www.k-einbruch.de oder in den Beratungsstellen Schweinfurt, Tel. (0 97 21) 201-1835 oder Würzburg, Tel. (09 31) 457-1830.

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