MAIN-SPESSART

Wenn die Polizei die Kinder abholt

3,9 Millionen Euro muss der Landkreis Main-Spessart 2015 voraussichtlich beim Bereich Jugendhilfe und Kreisjugendamt zuschießen. Die Minderung von 43 350 Euro oder 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr fällt bei dieser Summe kaum auf. Die Aufwendungen von 6,2 Millionen Euro (600 000 Euro mehr) übertreffen die Erträge von fast 2,3 Millionen Euro (ebenfalls rund 600 000 Euro mehr) erheblich. Da es sich überwiegend um Pflichtaufgaben des Jugendamtes ohne große Ermessensspielräume handelt, sind Einsparungen in diesem Bereich kaum möglich.

Konkret: Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung muss das Jugendamt nachgehen. Im vergangenem Jahr führte das in 17 Fällen zur Entziehung der elterlichen Sorgepflicht durch das Amtsgericht Gemünden. Das kostet viel Geld und belastet die Mitarbeiter oft auch psychisch. Kinder werden mit Polizeiunterstützung aus dem Elternhaus geholt. 2014 kam es dabei sogar zu Morddrohungen gegenüber Mitarbeiterinnen.

Viel Geld bedeutet: Die Kosten für die Heimunterbringung betragen mit 1,6 Millionen Euro (plus 50 000 Euro Erstattungen für Gemeinden und Verbände) 300 000 Euro mehr als im Vorjahr, weil auch die betreuten Wohngruppen für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge enthalten sind.

Die Zahl der eigentlichen Heimkinder ging um ein Viertel auf 30 zurück. Die Unterbringung fünf junger Volljähriger kostet 270 000 Euro, zwölf Heimplätze für seelisch behinderte Kinder schlagen mit 650 000 Euro zu Buche (100 000 Euro Steigerung). Dazu kommen 150 000 Euro für Schulbegleiter (30 000 Euro mehr) und 40 000 Euro für den integrativen Hort.

Rund 100 in Pflegefamilien untergebrachte Kinder kosten 900 000 Euro Pflegegeld (plus 200 000 Euro Erstattungen). Für 30 Kinder in Heilpädagogischen Tagesstätten in Gemünden und Karlstadt werden 550 000 Euro ausgegeben (80 000 Euro mehr). Zusammen mit den Ausgaben für das Kreisjugendamt von 2,5 Millionen Euro (100 000 Euro mehr) ergibt sich daraus der Großteil der Ausgaben für die Jugendhilfe.

Die Aufgaben sind natürlich weit vielfältiger. Für über 200 Kinder zahlt das Jugendamt die Kindergarten- und Hortbeiträge, was sich auf 290 000 Euro summiert. Für zehn bis 15 Kindern bei Tagesmüttern sind 20 000 Euro eingeplant (10 000 Euro weniger), sowie 5000 Euro für die Qualifizierung der Tagesmütter.

Fast 434 000 Euro werden für Kinder- und Jugenderholung wie das beliebte Zirkus-Camp und Sprachreisen ausgegeben, dank der Kostenbeteiligung der Eltern stehen dem recht hohe Erträge von 350 000 Euro gegenüber. Der Kreisjugendring bekommt 91 000 Euro Zuschuss.

Die drei Jugendzeltplätze des Landkreises wurden 2014 von insgesamt 94 Gruppen genutzt. In Detter waren es sieben Gruppen aus dem Landkreis und 19 von außerhalb, heuer sind 15 000 Euro Erträge und 35 600 Euro Aufwendungen angesetzt. In Windheim waren 19 Gruppen aus Main-Spessart und 18 andere, 15 500 Euro erwarteten Erträgen stehen 29 400 Euro Aufwendungen gegenüber. Den Platz in Erlasee nutzten 15 Gruppen aus dem Kreis und 16 von außerhalb, hier stehen heuer 15 100 Euro Erträgen 84 350 Euro Aufwendungen gegenüber. Das liegt neben dem aufwändigen Unterhalt von insgesamt 35 000 Euro für Gebäude und Grünanlagen an der Abschreibungen von 27 800 Euro für den neuesten der drei Plätze.

Auf 73 000 Euro gestiegen ist der Zuschuss für Jugendsozialarbeit an Schulen. Die Jugendzentren der Gemeinden werden wieder mit 220 000 Euro unterstützt. 40 Fälle der ambulanten Erziehungshilfe ziehen 75 000 Euro (5000 Euro mehr) Aufwendungen nach sich. Auf ähnlichem Niveau liegen die 70 000 Euro für 20 Erziehungsbeistandschaften straffällig gewordener Jugendlicher, dazu kommen 7000 Euro für betreuten Umgang bei getrennten Paaren. Die Erziehungsberatungsstelle kostet im Jahr inklusive Personalkosten 480 000 Euro bei 82 000 Euro an Zuschüssen und 20 000 Euro Einnahmen aus Gutachten.

Zum Teilhaushalt des Jugendamtes gehören auch Zuschüsse an sonstige Einrichtungen: 43 000 Euro erhalten Wohlfahrtsverbände für die Schwangerenberatung, 3000 Euro die Diözese Würzburg für Ehe-, Familien- und Lebensberatung, 13 000 Euro das Beratungszentrum der Don-Bosco-Berufsschule Würzburg für ihre Koordinierungsstelle „Roven“ (Schulverweigerung) 1600 Euro das evangelische Beratungszentrum Würzburg für das Projekt „Gute Zeiten – schlechte Zeiten“, das Kinder psychisch erkrankter Eltern hilft.

Der Jugendhilfeausschuss empfiehlt dem Kreistag einstimmig, dem Teilhaushalt Jugendamt zuzustimmen.

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