Thüngen

Wer wird Bürgermeister? Kandidaten waren fair, aber nicht hart

Die gut 100 Besucher erlebten eine faire Diskussion der Kandidaten für das Bürgermeisteramt.  Alle drei Kandidaten konnten überzeugen.
Gesprächsrunde mit drei Herren und einer Dame: Susanne Freifrau von Thüngen moderierte die Podiumsdiskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten im evangelischen Pfarrsaal von Thüngen. Im Bild weiter von links Lorenz Strifsky, Wolfgang Heß und Sebastian Heidenfelder. Foto: Günter Roth

Fair aber hart – sollte die Podiumsdiskussion der drei Bürgermeisterkandidaten der Marktgemeinde Thüngen sein, so hatten sich das die Verantwortlichen des Frauentreffs vorgestellt. Fair war das Gespräch mit dem amtierenden Bürgermeister Lorenz Strifsky (SPD), seinem Stellvertreter Wolfgang Heß (Freie Wähler) und dem Newcomer Sebastian Heidenfelder (CSU) in jedem Fall. Aber von echter Härte war, abgesehen von kleinen spitzen Bemerkungen, kaum etwas zu spüren. Die gut 140 Besucher im evangelischen Pfarrheim hätten das wohl auch gar nicht gut geheißen. Moderatorin war Susanne Freifrau von Thüngen.

Eine Spur von Dissonanz gab bei der Frage, was nach der Sanierung der Grundschule mit dem Westflügel geschehen soll. Sowohl Strifsky als auch Heß hatten darauf hingewiesen, dass die Sanierung des Hauptgebäudes rund sieben Millionen Euro kosten werde, wovon die Gemeinde knapp zwei Millionen aufbringen müsse. "Der zweite Teil würde gewiss nicht billiger", sagte Heß dazu und warnte, hier "Traumschlösser" bauen zu wollen. Vielleicht könnte Platz für die Mittagsbetreuung oder ein Jugendzentrum geschaffen werden.

Schule und Kindergarten unter einem Dach?

Den kühnen Entwurf, Schule und Kindergarten unter einem Dach zu vereinen, hatte Heidenfelder in den Raum gestellt. Dafür sah aber Amtsinhaber Strifsky keine Chance. "Den Kindergarten nach oben zu verlegen, ist unbezahlbar." Stattdessen könne er sich eine Seniorentagesstätte gemeinsam mit der Diakonie vorstellen. Der Idee konnte sich der CSU-Kandidat durchaus anschließen, auch wenn die Diakonie vorzugsweise in fertige Gebäude ziehe.

Dann brachte die Moderatorin die Versorgung mit Geschäften und Arztpraxen ins Spiel. Strifsky umriss die Situation als akzeptabel, sie müsse aber im Auge behalten werden. Der ansässige Arzt werde wohl noch eine Weile praktizieren, dennoch mache er sich über dessen Nachfolge Gedanken, beispielsweise als Filialbetrieb von Arnsteiner Ärzten. Zum Glück stehe außerdem noch ein Zahnarzt im Ort zur Verfügung. Einig waren sich die Kandidaten, dass die Gemeinde keine direkte Einflussmöglichkeit habe.

Einen interessanten Gedanken zu den drei Märkten in Thüngen brachte Heidenfelder. Traditionelle Stände mit Haushaltwaren und Textilien würden heute keine Kunden mehr anlocken. Stattdessen sollten zusätzliche Attraktionen Magneten schaffen. Für den Matthiasmarkt am 1. März habe er beispielsweise eine Schau von Helfern des THW, des Roten Kreuzes und der Polizei eingeladen.

Märkte sollen erhalten bleiben

Heß sah eine unterschiedliche Akzeptanz der drei Märkte. Für Thüngen sei der Kiliani-Markt im Sommer schwach. Der Matthias- und den Kirchweihmarkt aber sah er als "ein Muss" an. Außerdem müssten jeweils die verkaufsoffenen Sonntage für die Geschäfte beibehalten werden. Dem schloss sich Strifsky an und forderte die Märkte zu halten. Ausdrücklich lobte er den Einsatz der Marktleiterin Regina Weller.

Hat sich der Bürgermeister stark genug für den Dorfladen gemacht? Herausforderer Heidenfelder stellte das infrage. Es habe im Gegensatz zu Retzstadt hier Unklarheiten und mangelndes Vertrauen gegeben. Er verwies auch auf seinen Startversuch von Einkaufsfahren für Senioren.

"Wir haben uns sehr wohl stark gemacht für den Dorfladen", entgegnete Strifsky. Aber wenn die Bevölkerung nicht dahinterstehe, gehe nichts. Wie auch Heß brachte er die Strukturen anderer Dorfläden ins Spiel, die weitgehend ehrenamtlich geführt werden. Von einem Dorfladen könne kein Geschäftsmann mehr leben, so der Tenor.

Eher hilflos standen die drei Kandidaten der Frage nach dem öffentlichen Nahverkehr gegenüber. Gerade in den Ferien sei die Verbindung sehr schlecht. Nachdem die Verkehrsbetriebe wirtschaftlich rechnen, hat die Gemeinde immer nur Absagen erhalten. Der Teufelskreis von schlechtem Angebot und wenigen Mitfahrern gilt eben auch hier. Ein von Heidenfelder angeregter Bürgerbus schreckte seine beiden Mitbewerber wegen der Kosten etwas ab, man will aber weiter darüber nachdenken.

B26n als Fluch und Segen

Als Fluch und Segen gleichermaßen sah Strifsky die geplante B26n. Gegenwärtig aber sei das Werntal verkehrstechnisch eine Katastrophe. Es gelte nun, Thüngener Interessen zu verfolgen und beispielsweise Verbesserungen für die Staatsstraße nach Retzbach zu erreichen. Heß forderte, die Entwicklung im Auge zu behalten. Regelungen für den Schwerlastverkehr auf einer Bundes- oder Staatsstraße könne die Gemeinde erst treffen, wenn die jetzige B26 herabgestuft sei. Seine Herzensangelegenheit - der Radweg nach Retzbach - müsse  konkret weiter verfolgt werden, da jetzt die zukünftigen Verkehrswege geplant werden. Der junge Kandidat Heidenfelder sieht die Straße als beschlossen an und bezweifelt die Mehrbelastung durch Zusatzverkehr. Auf der anderen Seite kämen die Thüngener durch die neue Straße schneller in die großen Städte.

Diskutiert wurde anschließend über die Wasserversorgung und die Verkehrsberuhigung am Wendelsberg. Das Tempolimit wird dort – auch von den Anwohnern – oft nicht eingehalten. Eine weitere Zufahrt vom katholischen Friedhof aus scheitert im Augenblick an der geforderten Abbiegespur von der B26 aus, die von der Gemeinde finanziert werden müsste.

Was hat es den Besuchern gebracht? Schließlich kennt in Thüngen jeder jeden schon lange. Interessant aber war der recht gelungene Auftritt des jüngsten Kandidaten Heidenfelder, der trotz einiger Schwächen durchaus überzeugen konnte. Wolfgang Heß verstand es, kleine Nadelstiche zu setzen, insgesamt aber wohlüberlegt und tadellos seine Fachkompetenz in den Raum zu stellen. Bürgermeister Lorenz Strifsky setzte ganz bewusst auf seinen Amtsbonus, stellte die Ergebnisse seiner bisherigen Arbeit in den Raum und wusste als charmanter Redner zu überzeugen.

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