STEINBACH/LOHR

Werkstunde für ein Tierhotel

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Bau eines Tierhotels

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Matschen für die gute Sache: Gemeinsam mit dem Imkervereinsvorsitzenden Peter Zeitler (Mitte) bringen die Lohrer Mittelschüler Lehm für das Insektenhotel in Form. Foto: Johannes Ungemach

Bohren, schrauben, matschen, Steine schleppen – alle Hände voll zu tun hatten 17 Schüler der 7. Ganztagesklasse der Lohrer Mittelschule am Dienstag in Steinbach. Bei einem Projekttag werkelten und schwitzten die 13- bis 15-Jährigen an der Umgestaltung eines ehemaligen Trafohäuschens in ein Tierhotel.

Dort, wo bis vor wenigen Monaten noch der Strom durch die Leitungen floss, sollen sich künftig Schleiereulen, Eidechsen, Rauchschwalben und allerhand Insekten tummeln. Die Idee zum Umbau des Trafohäuschens am Rande Steinbachs kam von der Lohrer Kreisgruppe des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) und vom Lohrer Imkerverein.

Das direkt neben dem Steinbacher Lehrbienenstand stehende Trafohäuschen wurde vermutlich am Anfang des vergangenen Jahrhunderts gebaut. Vor wenigen Monaten jedoch hatte die Energieversorgung Lohr/Karlstadt die letzten Leitungen abmontiert. Als Hubert Helfrich vom BJV-Lohr daraufhin bei der Stadt Lohr als Eigentümerin des knapp neun Meter hohen Türmchens wegen einer möglichen Umwandlung in ein Tierhotel anfragte, erhielt er sofort die Zustimmung.

Mit der 7. Klasse der Mittelschule unter Klassenlehrerin Ingrid Otto waren schnell die passenden Partner für die Arbeiten gefunden. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Schüler unter Anleitung des BJV Nistkästen für Schleiereulen gebaut. Das neue Projekt ist freilich ungleich umfangreicher.

Bei einem ersten Arbeitseinsatz am Dienstag mussten beispielsweise reichlich Sandsteine zu einer Trockenmauer am Fuße des Trafohäuschens aufgeschichtet werden. Dort sollen wärmeliebende Arten wie Eidechsen Unterschlupf finden. Daneben brachten die Schüler Lehm in die passende Konsistenz und Form für ein Insektenhotel. Andere bohrten für den gleichen Zweck ausdauernd Löcher in unzählige Holzklötze.

Rund fünf Stunden werkelten und bastelten die Schüler unter Anleitung von Hubert Helfrich vom BJV und Peter Zeitler, dem Vorsitzenden des Imkervereins. Dabei hatten die Schüler ebenso wie verschiedene Helfer der Vereine sichtlich ihren Spaß. „Ihr Saubären“, schimpfte Zeitler lachend, als die Schüler beim Hantieren mit dem nassen Lehm allzu sehr matschten.

Lehrerin Ingrid Otto zeigte sich ebenfalls ausgesprochen angetan vom Engagement der Schüler und der Helfer der organisierenden Vereine. Jeder der Schüler habe während des Projekttages eine Aufgabe finden können, die ihm liege. Für die Zukunft sind bereits weitere Projekttage geplant. Im Juli beispielsweise sollen Nistkästen für die Mauersegler gebaut werden, im Herbst schließlich steht der große Abschluss an. Dann wird nicht nur das Dach des Trafohäuschens erneuert. Daneben sollen spätestens dann auch all die anderen Quartiere an dem Gebäude angebracht werden, die Tieren Unterschlupf bieten.

Wie Jäger Hubert Helfrich sagt, soll das Tierhotel auf mehreren Etagen verschiedene Tierarten beherbergen. Über ein Loch im Erdgeschoss können später beispielsweise Igel ins Innere des Turmes gelangen und dort in einer mit Laub gefüllten Kiste überwintern. Der „erste Stock“ soll einmal von Rauchschwalben bewohnt werden. Im zweiten Stock wird der Kasten für Schleiereulen oder Turmfalken aufgehängt. Im Dachgeschoss schließlich sollen Fledermäuse als Mieter einziehen.

Für die Außenseite des Trafohäuschens sind Nistgelegenheiten für Mehlschwalben, Mauersegler und Spatzen vorgesehen, und natürlich das große Insektenhotel. Ein Schaukasten hinter einer eigens gefertigten Glasscheibe soll die unterschiedlichen Quartiere erklären und auch Infos zu den profitierenden Tierarten bieten.

Um all das herzurichten, sind nicht nur viele weitere Arbeitsstunden nötig, sondern auch einiges an Geld. Rund 6000 Euro könnte die Umgestaltung des Trafohäuschens am Ende kosten, schätzt Hubert Helfrich. Die Kosten übernehme die BJV-Kreisgruppe und der Imkerverein.

Und wer gibt den Initiatoren und Schülern die Garantie, dass Schleiereulen, Eidechsen, Rauchschwalben und all die anderen Tiere die Mühen auch zahlreich danken? „Man kann es den Tieren nur anbieten. Ob es auch genutzt wird, muss man sehen“, sagt Helfrich.

Gemeinsam mit den Schülern wird er die Belegung des Steinbacher Tierhotels in den kommenden Jahren sicher genau beobachten. Jedenfalls ist geplant, dass auch die kommenden Ganztagesklassen der 7. Jahrgangsstufe den einen oder anderen Projekttag am Steinbacher Trafohäuschen verbringen.

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