Wernfeld

Wernfelder Friedhofsneuordnung mit Hindernissen

Die Wernfelder trauten ihren Ohren kaum. Ausgerechnet der Teil des Friedhofs, in dem die letzte Beisetzung erfolgte, soll laut Bürgermeister Lippert nicht genutzt werden.
Bürgermeister Jürgen Lippert stellte den Wernfeldern bei einem Ortstermin am Donnerstagabend die Überlegungen für die künftige Nutzung des Friedhofs vor. Foto: Michael Mahr

Einen schweren Stand hatte Bürgermeister Jürgen Lippert beim Ortstermin auf dem Wernfelder Friedhof. Zum einen haben nicht wenige Wernfelder das Gefühl, dass ihr Friedhof ungepflegt wirkt im Vergleich zu denen anderen Orte. Von einem "Durcheinander" war die Rede angesichts der sehr unterschiedlichen Grabgrößen im alten Teil des Friedhofs, die überdies keinem sofort erkennbaren Raster folgen und mal schmale, mal breite Durchgänge freilassen, die als Wege aber nicht erkennbar sind. "Nirgendwo gibt es so schlechte Wege", kritisierte ein Wernfelder. Die Stadt hätte da schon längst etwas tun sollen, meinten viele.

Zum anderen sorgten die von Lippert vorgestellten Überlegungen für die künftige Nutzung des Friedhofs für Irritationen. Etliche Wernfelder glaubten an einen schlechten Scherz. Ausgerechnet der Teil, auf dem die jüngste Bestattung erfolgt war, soll laut Lippert eigentlich nicht mehr belegt werden. "Wenn es diese Überlegung schon seit 2017 gibt, frage ich mich, warum vor zwei Wochen dort eine Beerdigung stattgefunden hat", ätzte ein Wernfelder.

Ein anderer wusste, dass die Angehörigen sogar gedrängt worden seien, die Beisetzung dort vorzunehmen, obwohl sie einen anderen Platz auf dem Friedhof bevorzugt hätten. "Das hätte nicht passieren dürfen", räumte Bürgermeister Lippert ein. Warum das passiert war, konnte er jedoch nicht sagen.

Ein Teil des alten Friedhofs soll nicht mehr belegt werden

Der Trend zu Urnenbestattungen sorgt dafür, dass nicht mehr so viele Grabstellen benötigt werden. Lippert erläuterte, dass die Stadt deswegen bestrebt sei, im Lauf der Zeit zusammenhängende, nicht mehr belegte Flächen zu schaffen und sie aus den Friedhöfen auszugliedern. Ihre Pflege könnte dann aus dem normalen städtischen Haushalt finanziert werden und müsste nicht mehr auf die Grabgebühren umgelegt werden. So könnten die Gebühren, die kostendeckend sein müssen, niedrig gehalten werden.

In Wernfeld ist das eigentlich mit dem Teil des Friedhofs vorgesehen, der den ersten Häusern des Stadtteils am nächsten liegt. Eventuell könnte sogar fast die Hälfte des alten Friedhofteils aufgelssen werden, "bis zum Wasserbottich", erläuterte Lippert. Die Liegefristen der dort noch vorhandenen Gräber würden aber berücksichtigt, versicherte er. Deswegen bat er um Verständnis, dass die Umgestaltung des Wernfelder Friedhofs nicht Jahre, sondern Jahrzehnte in Anspruch nehme. "Wir müssten im naher Zukunft etwas anders machen" , kritisierte jedoch ein Wernfelder. "Das Konzept ist mir zu langfristig."

Lippert versprach Änderungen, die schon in zwei, drei Jahren sichtbar würden. So soll noch heuer im alten Teil des Friedhofs erstmals ein gepflasterter Weg angelegt werden, von der Leichenhalle entlang der Friedhofsmauer mit dem Kreuzweg. In den kommenden Jahren sollen gepflasterte Querwege auch die übrigen Teile des alten Friedhofs erschließen.

Urnenbestattungen unter Baum oder neben Findling

Außerdem könnte man auf größeren freien Flächen im alten Friedhofsteil Urnenbestattungen unter einem Baum anbieten, sagte Lippert, der den Besuchern beim Rundgang schon eine dafür geeignete Fläche zeigte. Gepflanzt werden könnte eine Eibe, so der Bürgermeister. Es soll auf jeden Fall kein Laubbaum gesetzt werden, dessen Laub die Grabbesitzer im Herbst entfernen müssten. Eine Wernfelderin schlug vor, statt eines Baumes einen Findling aufzustellen. Lippert nahm die Anregung auf. Wegen solcher Vorschläge der Bürger vor Ort biete er die Treffen auf den Friedhöfen an, sagte er.

Im neuen Teil des Friedhofs, auf der anderen Seite des Leichenhauses, soll sich laut Lippert nur wenig ändern. Die beiden Reihen mit Erdgräbern werden weiter für Erdbestattungen genutzt. Zusätzlich zu der einen schon vorhandenen Reihe Unrnengräber soll noch eine zweite kommen. Eine nicht belegte Gräberreihe soll zwar genutzt werden, aber nicht für gewöhnliche Erdbestattungen mit Grabeinfassung und Grabstein, sondern für so genannte Wiesengräber. Das sind ganz normale Erdbestattungen mit Sarg. Das Grab wird jedoch schon wenige Wochen nach der Beisetzung eingeebnet und wieder Rasen angepflanzt. Ein solches Wiesengrab kann durch eine in die Erde eingelassene 50 auf 50 Zentimeter große Platte gekennzeichnet werden, muss jedoch nicht, so Lippert.

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