WERNFELD

Wernfelder Pfadfinderstamm feiert sein 15-jähriges Bestehen

Gemeinsam bereiten die Pfadfindergruppen die Mahlzeiten vor und zusammen wird auch das Spülwasser für den notwendigen Abwasch über einem offenen Feuer erhitzt. Dabei sind auch Mädchen nicht nur für diese Aufgaben bei den Pfadfindern gerne gesehen. Foto: Herbert Hausmann

Keineswegs ein alter Hut aus einer längst vergangenen Zeit sind die Pfadfinderstämme in aller Welt. Im Gegenteil: Sie sind so lebendig wie eh und je. Den entsprechenden Beweis dafür lieferte der Stamm „Sankt Leonhard Wernfeld/Adelsberg“ am Wochenende beim traditionellen Pfingstlager, das heuer ganz im Zeichen des 15-jährigen Bestehens des Stammes stand.

Erst beim zweiten Hinsehen fällt es so richtig auf, das Lager der Pfadfinder in unmittelbarer Nähe der Wernfelder Kapelle. Wäre da nicht der große Masten mit der deutschen Fahne, der Europafahne und der der Pfadfinder, würde so mancher Spaziergänger daran vorbeigehen. Die aneinandergeknüpften dunklen Zeltbahnen sind eine Art „Tarnung“. Für ein Wochenende haben hier 42 junge Menschen beiderlei Geschlechts im Alter von neun bis 25 Jahren ihr eigenes Zuhause im Freien.

„Sippe Marder“ war der Anfang

Wie vor 15 Jahren, als Pfarrer Berthold Grönert den Pfadfinderstamm gründete, führt er auch an diesem Wochenende das Lager an. „Eigentlich begann es schon vor 16 Jahren“, berichtet er. Mit acht jungen Menschen, der „Sippe Marder“, machte er hier erste Gehversuche für einen neuen Stamm. Ein Teil aus dieser kleinen Gruppe gehört auch heute noch dem Stamm an, obwohl heute in alle Welt verstreut.

Sehr stark vertreten ist heute noch die „zweite Generation“ der Pfadfindergruppe, die „Blauhemden“, die sich ab dem Jahr 1999 dem Stamm angeschlossen haben. Die „Wölflinge“ von damals gehören heute zur Gruppe der „Rover“ und übernehmen neben den „Feldmeistern“ Berthold Grönert und Cornelia Roth Führungsaufgaben bei den Wernfelder Pfadfindern.

Die Roverrunde, zwei Gruppen von jeweils zehn Pfadfindern über 18 Jahre, war es auch, die einen Großteil der Vorbereitungen für das diesjährige Lager getroffen hat. An zwei Samstagen haben sie mit Motorsägen, Sägen und dem Beil in einem zugewiesenen Waldstück in Rieneck Fichtenstangen geschlagen. Diese bildeten dann auf dem Lagerplatz das Grundgerüst für die Kohten und Jurten sowie überdachte Koch- und Esstische, die von den Lagerteilnehmern selbstständig gefertigt wurden.

Die Pfadfinder „Sankt Leonhard“ sind vielfältig ausgebildet: Alle können schwimmen, die Größeren besitzen sogar den Rettungsschwimmer. Erste-Hilfe-Kenntnisse, stets aufgefrischt, sind selbstverständlich. Handwerkliches Geschick wird vermittelt und immer wieder geübt. Die älteren Mitglieder besitzen auch den Motorsägenschein. Das Leben mit und in der Natur ist einer der Schwerpunkte der Pfadfinderschaft.

Doch nicht nur aus Wernfeld und Adelsberg kommen die Mitglieder des Wernfelder Stamms. „Es sind Pfadfinder aus der Umgebung von Gemünden, Sachsenheim und bis Weyersfeld dabei“, berichtet Berthold Grönert, der es immer wieder versteht, die Jugendlichen zu begeistern: „Obwohl es nicht immer einfach ist“, im Zeitalter von PC, Tablet und Co.

Trotz Temperaturen von über 30 Grad macht sich überall im Pfadfinderlager in Wernfeld eine gute Stimmung breit. Kothen und Jurten werden gemeinsam aufgebaut. Insgesamt rund zwei Kilometer Sisalschnüre verarbeiten die Pfadfinder für die Verbindungen der Holzteile, Nägel oder gar Schrauben sind verpönt. Zur Belohnung für die schweißtreibende Arbeit dürfen anschließend alle zum Schwimmen in den Main.

Nicht Mutters Herd ist bei den Pfadfindern gefragt. Für die tägliche Verpflegung sorgen die Mitglieder selbst. Für das Festessen am Pfingstsonntag kochten die Rover Spätzle, während die Sippen das Gulasch bereiteten. Für das Dessert, einen schmackhaften Obstsalat, sorgten die Wölflinge. Neben den Pfadfindern des Wernfelder Stammes waren auch 14 Gleichgesinnte aus Helmstadt bei Würzburg, der neuen priesterlichen Wirkungsstätte von Pfarrer Berthold Grönert, mit von der Partie.

Verstärkt wurde die große Pfadfinderschar zudem am Sonntagnachmittag beim Festgottesdienst durch eine Abordnung der Lohrer Pfadfinder und mehr als 120 Gottesdienstbesucher. Gemeinsam mit Pfarrer Norbert Thoma zelebrierte Berthold Grönert die Andachtsfeier in dem in vier Stunden und aus 60 Zeltbahnen gefertigten Versammlungszelt mit einem Durchmesser von 16 Metern.

Höhepunkt Versprechungsfeier

Das Lagerleben erreicht stets seinen Höhepunkt, wenn es mit Versprechungsfeiern oder Beförderungen verbunden wird. In einem feierlichen Zeremoniell erhielt Felix das grün-weiße Halstuch mit den zwei Knoten, das ihn nun als Mitglied der Wölflinge kenntlich macht. Schon eine Stufe weiter legte Moritz sein feierliches Wölflingsversprechen ab und wurde in die Meute der Rama-Wölflinge aufgenommen. Zum weltweiten Kreis der Pfadfinder gehören seit dem Pfingstlager nun Lukas und Tim, die beide ihr Pfadfinderversprechen ablegten.

Die Tradition des Pfadfindertums in Wernfeld ist schon einiges älter als 15 Jahre. Bereits in den 60er Jahren gab es eine sehr aktive Gruppe mit etwa 15 Pfadfindern. Die Gruppe bestand über längere Zeit, löste sich aber mit dem Älterwerden der Aktiven wieder auf. In den 90ern gab es einige Jahre lang eine Sippe, die von Würzburger Weltenbummlern betreut wurde. 1998 wird mit fünf Pfadfindern und der „Sippe Marder“ ein neuer Anfang in Wernfeld gemacht. 1999 kommen die Wölflinge mit dazu, die Gruppe wird zum Pfadfinderstamm. Nach dem Adelsberger Patron nennen sie sich „Stamm St. Leonhard Wernfeld/Adelsberg“.

Aufgeräumt und zweckmäßig ist ein Pfadfinderlager angelegt und eingerichtet. So wie das des Stammes »Sankt Leonhard Wernfeld/Adelsberg«, der am Pfingstwochenende sein 15-jähriges Bestehen mit einem großen Zeltlager feierte. Foto: Herbert Hausmann

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