Karlstadt

Wie Fünftklässler aus Nachbarschulen sich kennenlernen

Das Johann-Schöner-Gymnasium und das Leo-Weismantel-Förderzentrum sind in Karlstadt kaum hundert Meter auseinander. Trotzdem weiß kaum einer etwas vom anderen.
Zur Begrüßung gibt es etwas Süßes, das baut schon mal Berührungsängste ab. Foto: Günter Roth

Das Johann-Schöner-Gymnasium und das Leo-Weismantel-Förderzentrum sind in Karlstadt kaum hundert Meter auseinander, also quasi Nachbarn. Trotzdem weiß genaugenommen keiner etwas vom anderen. "Manche meiner Fünftklässler kennen diese Schule überhaupt nicht, geschweige denn eines der Kinder dort", sagt die Lehrerin Claudia Wührl und startete mit ihrer Kollegin Bettina Röthlein vom Förderzentrum den Versuch eines gemeinsamen Krippenspiels mit Kindern aus beiden Schularten.

Claudia Wührl (links) und Bettina Röthlein wollen mit ihrem Inklussions-Krippenspiel "einen Anker setzen" und wenn möglich darüberhinaus weiter arbeiten. Foto: Günter Roth

"Achtung! Auf die Posten, jetzt der Chor - und dann ganz schnell weg!", kommandiert Wührl bei der Probe in der Aula. Schließlich sollen während der Aufführung vor den Familien und Freunden keine unnötigen Längen entstehen. Also am besten "zack zack"! Doch da hat die Gymnasiallehrerin schon erste Erfahrungen gemacht, die für Kollegin vom Förderzentrum zum täglich Brot gehören. So "zack, zack", geht hier in der Regel nichts.

Ganz so einfach geht das nicht

"Wir haben an unserer Schule Kinder mit ganz eigenen, persönlichen Defiziten und Lernschwierigkeiten und müssen daher grundsätzlich auch ganz spezifisch auf diese eingehen", weiß die Förderschullehrerin Röthlein. So geht hier eben so einiges etwas langsamer, manchmal auch sehr viel langsamer, selbst wenn man es ausgiebig eingeübt hat.

"Wir müssen hier einmal einen ersten Anker setzen und schauen, was daraus wird."
Claudia Wührl, Deutschlehrerin am Johann-Schöner-Gymnasium

Doch genau diese Diskrepanz und den bestmöglichen Umgang damit haben die beiden Lehrerinnen im Auge und haben deshalb jedem Kind einen oder zwei Schüler aus der Gymnasialklasse als Tutor zur Seite gestellt, der beim korrekten Einsatz unterstützt, die richtige Position im Chor anweist und auch mal bei Textschwierigkeiten einflüstern kann. "Das ist manchmal schon etwas schwierig, aber es ist auch schön, wenn es dann richtig klappt", gesteht beispielsweise Franka ein, die gemeinsam mit ihrem Schützling einen Verkündigungsengel spielt.

Mehr, als der Lehrplan fordert

Die Deutschlehrerin Wührl sieht das Projekt des gemeinsamen Krippenspiels nicht nur als Erfüllung des Lehrplans, der für ihre Schüler die Förderung verschiedener Kompetenzen im sozialen Bereich wie Rücksicht nehmen, Inklusion umsetzen sowie Vorteile und Ängste abbauen zum Ziel hat. Selbstverständlich werden hier auch eine Reihe anderer Kompetenzen in weiteren Fächern gefördert. Für Röthlein ist die Zusammenarbeit mit der Gymnasiumsklasse eine Chance die Fantasie ihrer Kinder weiterzuentwickeln, das Selbstwertgefühl auszubauen und ein Bewusstsein zu schaffen: Ich kann das!

Das Krippenspiel, das beide Klassen am 17. Dezember um 18 Uhr in der Aula des JSG aufführen, folgt natürlich den traditionellen Spuren. Wührl hat es aber umgeschrieben und angepasst. Hier hat die Kinder- und Jugendbuchautorin schon in anderen Bereichen einige Erfahrungen gesammelt. Natürlich werden die anspruchsvollen Dialoge weitgehend von den Fünftklässlern übernommen, aber ihre Mitschüler von nebenan können ihre Erfahrungen und Fähigkeiten bei Tänzen, Singen und auch beim Jonglieren zeigen, denn die Begleiter der Heiligen Drei Könige sind von ganz besonderer Art.

Gemeinsam im Chor singen verbindet die Kinder vom Leo-Weismantel-Förderzentrum und vom Johann-Schöner-Gymnasium. Foto: Günter Roth

Kollegen anderer Fächer halfen mit

Nachdem der Unterricht insgesamt nur wenig Zeit zum gemeinsamen Proben lässt, wurden einige Phasen in die Stunden anderer Kollegen ausgelagert: So wurden die Tänze im Sport und die Chorstücke im Musikunterricht erprobt.

Die selbstverständlich gute Idee einer schulartübergreifenden Inklusion darf aber nicht nach dem Hubschrauberprinzip eine einmalige, vorweihnachtliche Angelegenheit sein. Beide Lehrerinnen sind sich einig, dass das jetzige Projekt ein Versuchsballon sein soll, der nach Möglichkeit weiter fahren soll. Für ein solches Unternehmen gibt es keine ausgearbeiteten Konzepte, nicht einmal verlässliche Erfahrungen. "Wir freuen uns über diese Zusammenarbeit, denn viele Gymnasiasten wissen gar nicht, dass es uns überhaupt gibt", sagt Röthlein und ihre Kollegin setzt dazu: "Wir müssen hier einmal einen ersten Anker setzen und schauen, was daraus wird."

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