Lohr

Wie Lohrs Stadtpfarrer Johannsen 20 Kilogramm abnahm

Er hat leicht lachen: Pfarrer Sven Johannsen ist rund 20 Kilogramm leichter geworden. Foto: Gabi Nätscher

In einer Kleinstadt wie Lohr kennt jeder jeden. Man sieht sich auf der Straße, mal öfters, mal weniger oft. Jemand, den man häufig zu Fuß unterwegs sieht, ist der Lohrer Stadtpfarrer Sven Johannsen. Und was vielleicht noch mehr Menschen aufgefallen ist: Er ist weniger geworden – der stattliche Stadtpfarrer ist nicht mehr ganz so stattlich.

Grund, einmal explizit nachzufragen. Und in der Tat: "Ich habe rund zwanzig Kilogramm abgenommen", gibt Johannsen unumwunden zu. Und als Nächstes folgt der Satz: "Aber ich weiß gar nicht genau, was ich eigentlich wiege. Und eigentlich habe ich auch nicht so viel gemacht dafür."

Als im letzten Herbst der Hausarzt des 48-Jährigen gesagt habe: "Jetzt müssen wir die Tablettenzahl erhöhen", sei das der Ausschlag gewesen, dass er "halt ein wenig verzichtet" habe, sagt Johannsen. "Aber eigentlich habe ich gar nicht verzichtet, ich habe nur strukturierter gegessen. Mein Problem war das unkontrollierte, spätabendliche Essen, zum Beispiel nach Sitzungen habe ich den Kühlschrank geplündert. Das habe ich mir einfach abgewöhnt. Und jetzt ist auch der Hunger einfach weg."

Nicht immer alles haben

Er habe bestimmt noch Übergewicht, aber es habe sich etwas verändert. Wenn er zum Beispiel zwei Tage ein wenig mehr gegessen habe, halte er sich wieder ein paar Tage zurück. Zurückhaltung übt Johannsen natürlich auch in der Fastenzeit.

"Fastenzeit heißt ja: bewusst verzichten. Das Fasten hat eigentlich rituellen Ursprung und das gibt es in allen Religionen. Ich glaube, dass das mit einer urmenschlichen Erfahrung zu tun hat. Man kann nicht immer alles haben und muss auch mal verzichten, dass man wieder Freude daran hat. Ich glaube, dass es langweilig wird, wenn man immer alles hat. Der Mensch wird dem sicher überdrüssig", findet der Pfarrer.

Blutdruck sinkt

Es sei verbunden mit unserem Lebensrhythmus, dass es Feste und Alltag gibt. "Das waren bewusste Rhythmen früher. Jetzt können wir ständig kulinarische Genüsse zu jeder Zeit haben und gleichzeitig essen wir immer unbedachter; unkontrolliert wird Fast Food hineingeschoben. Gleichzeitig merke ich auch, dass Menschen wieder schauen, wo es gutes Essen gibt. Da knüpft unsere Fastentradition ein Stück an: Ich verzichte geistlich als Vorbereitung auf das hohe Fest, aber ich verzichte auch, um bewusster zu leben."

Viele verzichten auch nicht auf Essen und Trinken, sondern auch auf den Einsatz von Autos oder Flugzeugen. "Das wird ganzheitlich wahrgenommen", sagt Pfarrer Johannsen. Er selbst verzichte schon lange auf einen Fernseher. Das habe in der Fastenzeit begonnen, aber er habe gemerkt, dass er es gar nicht so vermisse. "Ich höre lieber Radio, da kommen auch die Nachrichten." Auch verzichte er natürlich in der Fastenzeit auf Alkohol und Süßigkeiten, aber auch hier ginge es ihm nicht so sehr um das Abnehmen, er freue sich dann umso mehr auf einen Whiskey zu Ostern.

Zu Fuß von Florenz nach Rom

Allgemein sieht er das Ganze sehr entspannt: "Ich esse eigentlich weiterhin alles, was mir schmeckt. Dazu sorge ich für mehr Bewegung, laufe zum Beispiel mehr." Das Ergebnis jedenfalls ist durchaus positiv: "Der Bluthochdruck ist entschieden besser geworden. Ich war auch an der Grenze zum Diabetiker, aber das ist auch weg. Und vor allem merke ich, dass ich wieder viel leistungsfähiger geworden bin", so Sven Johannsen. Im November sei er auf dem Sinai gewesen und da sei es schon viel leichter gegangen, als vorher.

So kann er sich zum 50. Geburtstag im nächsten Jahr etwas Besonderes vornehmen: Der Stadtpfarrer möchte den Franziskusweg von Florenz nach Rom laufen. Das wird rund einen Monat dauern. Vielleicht haben seine Beine bis dahin noch ein bisschen weniger Gewicht zu tragen.

Fastenzeit
Pfarrer Sven Johannsen sagt über die Fastenzeit: Die Fastenzeit ist nach christlichem Verständnis die Vorbereitungszeit auf das Osterfest. Seit dem vierten Jahrhundert gibt es die vierzigtägige österliche Bußzeit, wie sie offiziell genannt wird. Ihr Vorbild hat sie in der Praxis Jesu. Er ging vierzig Tage in die Wüste, um sich auf sein öffentliches Wirken vorzubereiten.
Der Ursprung des Fastens liegt noch weiter in den Erzählungen der Hebräischen Bibel zum Beispiel von Mose und der Praxis des Judentums. Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und endet am Karsamstag, eigentlich 46 Tage. Die Zahl stimmt dann, wenn man die Sonntage ausnimmt, die nicht zur Fastenzeit gehören, sondern immer kleine österliche Festtage bilden.
Das Mittelalter kannte strenge Regeln: kein Fleisch, keine Eier, keine Milchprodukte, kein Tanz. Heute gelten noch zwei Tage als strenge Abstinenztage: Aschermittwoch und Karfreitag. Die Fastenzeit soll einladen, auf Überflüssiges zu verzichten und sich wieder auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren, um bewusster leben zu können. Der Benediktiner Anselm Grün schreibt: "Fasten heißt, Süchte wieder in Sehnsüchte verwandeln".

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