KARLSTADT

Wie der Künstlervater so der Sohn

Das Haus der Pfisters ist voller Kunst, die Vater Reiner und Sohn René geschaffen haben: Von der Stuckdecke über Schützenscheiben und Naturbilder bis zu Kopien alter Meister.
Das Haus der Pfisters ist voller Kunst, die Vater Reiner und Sohn René geschaffen haben: Von der Stuckdecke über Schützenscheiben und Naturbilder bis zu Kopien alter Meister. Foto: Markus Rill

„Für mich ist Kunst, die Natur so darzustellen, wie sie ist“, sagt Reiner Pfister. Das gelingt dem 66-Jährigen auf Leinwand, Holz und auf Bocksbeuteln, mit Ölfarben, Bleistift oder Graphitstiften. Sein Vater Josef war Kirchenmaler, sein Sohn René fertigt Kunstwerke mit dem Lötkolben an.

„Ich bin ein Naturtalent“, sagt Reiner Pfister. Er habe schon früh sehr gut malen und zeichnen können, doch der Vater habe ihm nicht gestattet, das zu zeigen. In der Schule habe er extra schlecht malen müssen, um sein Talent zu verbergen. Dennoch habe ihm der Vater viel beigebracht. Josef Pfister, der als Kirchenmaler und Restaurator im ehemaligen Karlstadter Kloster gearbeitet hat, „war mein Lehrer und Professor“, sagt Reiner Pfister. Doch dieser Lehrer war der Ansicht, Kunst sei brotlos. „Damit lässt sich nichts verdienen“, habe er immer gesagt.

„Wenn ich einen Auftrag erhalte, setze ich den um.“
Reiner Pfister, Künstler

Nach dem Krieg ging Josef Pfister zum Arbeiten in die Fabrik, Reiner Pfister absolvierte eine Ausbildung zum Elektriker und übte den Beruf bis zum Renteneintritt aus. „Jetzt bin ich freischaffender Künstler“, sagt der Karlstadter, der noch immer im früheren Elternhaus in der Oberen Spitalgasse wohnt.

Es gibt fast nichts, das Reiner Pfister nicht bemalt. Die Alte Würzburger Mainbrücke auf einen Bocksbeutel, ein Dorf am Main auf eine alte Milchkanne, einen schwarzen Schwan auf eine Schützenscheibe. Das Material macht er sich gefügig.

„Wenn ich einen Auftrag erhalte, setze ich den um“, sagt Pfister nüchtern. Aus aller Welt schon habe er Aufträge erhalten, aus Kiew („über meinen Hausarzt“), aus Kanada („die Besucher kamen häufig nach Karlstadt“) und von anderswo. Am liebsten malt er nach fotografischer Vorlage. Der Kunde darf sich die Technik und den Untergrund aussuchen. Dann macht sich Pfister daran, alle Details ganz genau wiederzugeben.

Gerne beschriftet er die Bilder oder auch große Schilder – schließlich hat er sich auch intensiv mit Kalligrafie befasst. „Es gibt nicht viele, die das alles so können“, ist er sicher.

Bloß hetzen lassen mag sich Reiner Pfister bei der Arbeit nicht. „Ich male nur, wenn mir danach ist und wenn's gut von der Hand geht.“ Bei größeren Bildern müsse die Farbe zwischendurch immer wieder mal ein, zwei Wochen lang trocknen. So könne es schon mal drei oder sechs Monate dauern, bis ein großes Landschaftsbild fertig ist. Andererseits: „Manchmal geht's ruckzuck.“

Zwischen all den Aufträgen findet Pfister auch noch Zeit, Bilder zu seinem eigenen Vergnügen zu malen. Er besitzt diverse Bücher mit historischen Fotos aus Karlstadt. „So etwas male ich gern, zum Beispiel die Maingasse wie sie früher war.“ Oft liefert auch sein Sohn René die Vorlage mit seinen Naturfotografien. „Ich weiß, was der Vater mag“, sagt der 41-Jährige.

René Pfister hat auch sehr gern mit Bleistift gezeichnet, „aber mir fehlte etwas die Ruhe“, gibt er zu. Vor sieben Jahren habe er auf dem Weihnachtsmarkt in Schweinfurt ein Brotzeitbrettchen mit dem gelöteten Bild eines Motorrads erstanden. „Da dachten wir, das könnten wir auch mal probieren“, erzählen Vater und Sohn. Die Pfisters waren sich ziemlich sicher, dass sie es besser hinbekommen könnten als der Weihnachtsmarktkünstler.

Mittlerweile kniet sich René Pfister – Schlosser von Beruf – ebenso detailversessen wie sein Vater in seine Kunst – nur eben mit dem Lötkolben in der Hand. Zuerst zeichnet er seine Vorlagen – Fantasybilder, 50er-Jahre-Motive oder Motorräder – auf Spanplatten, dann fährt er die Linien mit dem Lötkolben, auf den er zahlreiche Spitzen in verschiedenen Stärken aufsetzen kann, nach. Wenn ihm einmal die Hand verrutscht oder das Spanholz nachgibt, könne er die Arbeit komplett wegwerfen. „Der Vater kann drüber malen oder radieren, das kann ich nicht.“

„Der Vater kann drüber malen oder radieren, das kann ich nicht.“
René Pfister, Lötkolbenkünstler

Zum Kunstverständnis der Pfisters gehört die genau Wiedergabe des Abgebildeten. Mit diesem Vorsatz hat Reiner auch schon bedeutende Kunstwerke wie Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“ nachgemalt. „Ein Schätzer sagte, dass meine Kopie eine fünf- bis sechsstellige Summe einbringen könnte“, berichtet er. Einige dieser Werke will er seinen Kindern hinterlassen.

Daran denkt der 66-Jährige jetzt, denn er merkt: „Meine Finger machen nicht mehr so mit.“ Mit der Bocksbeutel-Malerei, die häufig ex-trem knifflig sei, werde er „bald aufhören“ müssen. Ziele hat er dennoch. Pfister plant, seine Hofgalerie in der Oberen Spitalgasse 16 demnächst wieder zu öffnen und dort immer wieder mal einige seiner Naturbilder auszustellen.

Moderne, abstrakte Kunst sei dagegen „nicht unbedingt meine Materie“, gibt er zu. Für Picasso, das Wittstadt-Schneewittchen oder „Kunststudentli“ hat er nur begrenztes Verständnis. „Ich sollte auch schon mal drei farbige Dreiecke auf eine Leinwand malen. Das hab' ich gemacht.“ Der Kunde war zufrieden, also war's auch Reiner Pfister.

„Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ – von Pfister, nicht Vermeer.
„Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ – von Pfister, nicht Vermeer. Foto: Markus Rill
Mit Bleistift hat Reiner Pfister dieses Porträt gezeichnet.
Mit Bleistift hat Reiner Pfister dieses Porträt gezeichnet. Foto: Markus Rill
Mit dem Lötkolben erstellt René Pfister Bilder auf Spanholzplatten.
Mit dem Lötkolben erstellt René Pfister Bilder auf Spanholzplatten. Foto: Markus Rill

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