Hafenlohr

Wie eine Disko in Main-Spessart funktionieren könnte

Von einem regen Nachtleben profitiert auch die Wirtschaft. Unter welchen Voraussetzungen eine Diskothek im Landkreis Fuß fassen könnte - eine Analyse.
DJ Fajo, alias Marius Väth aus Marktheidenfeld bei einem Auftritt im Lichtspielhaus. Foto: DJ Fajo

Was machen wir am Samstagabend? Diese Frage beschäftigt junge Menschen schon seit Generation, wahrscheinlich seit die Fünf-Tage-Woche eingeführt wurde. Im Landkreis Main-Spessart aber haben es die Jugendlichen immer schwerer, diese Frage zu beantworten.

Von den vielen Lokalitäten, in denen sich unsere Eltern und Großeltern kennenlernten und von denen sie noch heute schwärmen, ist heute keines mehr da. "Neu" dazugekommen hingegen ist vor beinahe 20 Jahren lediglich das Meteor in Triefenstein, die einzig verbliebene Disko im Landkreis. Das ist ein Problem, denn ein reges Nachtleben macht den Landkreis lebenswert und stärkt letztlich sogar den Wirtschaftsstandort Main-Spessart. 

Es gibt zwei Argumente, warum eine Disko nicht funktionieren würde

Zu Anfang muss man jedoch erst mit ein paar Mythen aufräumen, die in den Diskussionen immer wieder fallen. 

Mythos eins: "Jugendliche, politische Verantwortungsträger und Anwohner wollen keine Disko mehr haben." Ich glaube, verärgert über eine neue Diskothek in Main-Spessart wäre sicherlich kein Jugendlicher. Ganz im Gegenteil: Laut einer Umfrage unter 5000 Schülern, die das Landratsamt Main-Spessart vor vier Jahren durchgeführt hat, wünschen sich 68 Prozent mehr Räume zum Treffen, 83 Prozent wünschten sich mehr Konzerte, sprich Diskotheken. Auch die Stadtverwaltungen, wie zuletzt die Marktheidenfelder, würden eine Diskothek für die Jugendlichen "begrüßenswert" finden, wie es Helga Schmidt-Neder ausdrückte.

Es hängt also an den Anwohnern ab und denen, die bereit wären, eine Diskothek zu betreiben. Damit wären wir bei dem zweiten Mythos: "Eine Diskothek kann im ländlichen Raum nicht mehr bestehen." Das stimmt. Zum einen ist es heutzutage viel schwieriger, eine Diskothek so voll zu kriegen, dass es sich für den Betreiber wirklich lohnt. Der Grund ist einfach: Die Zielgruppe ist um ein Drittel geschrumpft. Waren im Jahr 1987 20,2 Prozent der Landkreisbevölkerung zwischen 18 und 30 Jahre alt, sind es 30 Jahre später nur noch 14 Prozent. Zum anderen wäre es naiv zu glauben, die Mehrheit der Jugendlichen würde eine 30 Kilometer lange Fahrt von Karlstadt nach Marktheidenfeld bevorzugen, wenn sie ähnlich lange auch nach Würzburg brauchen. 

Diskos haben trotzdem eine Chance, es ist nur aufwändiger

Dennoch haben einzelne Diskotheken in und um die Mittelzentren in Main-Spessart auch heute noch eine Chance. Ein Club vor Ort ist leicht zu erreichen und wäre daher auch in Zukunft für viele Jugendliche nicht uninteressanter als die Diskotheken im entfernten Würzburg. Fraglich bleibt, ob diese immer kleiner werdende Zielgruppe für einen gewinnbringenden Betrieb ausreichend ist. 

Wichtig dafür wäre eine gute Infrastruktur, die die Zielgruppe vergrößern könnte. In der Jugendbefragung des Landkreises antworteten 63,2 Prozent der über 18-Jährigen, dass sie oft nicht wüssten, wie sie hin und wieder nach Hause kommen, wenn sie abends etwas unternehmen wollen. Bei den 16- bis 18-Jährigen ist diese Zahl sogar bei 78,4 Prozent. 

Eine Lösung über den vom landkreis organisierten ÖPNV stellt sich im weitläufigen Landkreis Main-Spessart jedoch schwierig dar. Die immer wiederkehrende Idee von Nachtbussen ist schwer umsetzbar, da es mit Ausnahme von Großveranstaltungen, an gewöhnlichen Wochenenden unrentabel scheint. Da auch die Schiene den Landkreis zum größten Teil meidet, bleiben eigentlich nur noch Rufbusse, die bis in die Nacht fahren würden.

Wie sich Wirtschaft und Politik und Jugendliche gegenseitig helfen könnten 

Um die angesprochenen Probleme zu lösen, braucht es deshalb eine neue Offenheit gegenüber zukunftsorientierten Disko-Projekten. Das finanzielle Risiko sollte nicht alleine der oder die Betreiber tragen. Der Landkreis und die Kommunen könnten das Projekt – zumindest in der Anfangsphase – unterstützen. Dazu ist Gesprächsbereitschaft von Seiten potentieller Betreiber und Besucher, der Politik und der betroffenen Anwohnern notwendig. Schließlich profitieren von einer Diskothek viele. 

Zum einen würde sich kein Taxiunternehmen von der Mehrarbeit durch eine neue Diskothek gestört fühlen. Neben den Taxiunternehmen könnte auch die Gastronomie davon profitieren, da mehr Menschen vor dem Diskobesuch in den Lokalitäten der Stadt unterwegs wären. Dies würde sich in höheren Gewerbesteuereinnahmen niederschlagen, die wiederum in die Altstadt reinvestiert werden könnte, zum Beispiel in schalldichte Fenster der Anwohner. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Stadt die Mehreinnahmen in Bus- oder Taxigutscheine steckt, als Anreiz, die Stadt auch mal am Tag zu besuchen. 

Zum anderen ist ein reges Nachtleben essenziell für die Freizeitgestaltung junger Menschen und daher ein wichtiger Baustein, um junge Menschen vom "Dableiben" zu überzeugen. Auch das zeigt die Umfrage: 40,6 Prozent der Jugendlichen geben "Fehlende Freizeitmöglichkeiten" und 27,7 Prozent "Eine mäßige Kneipenszene" als Gründe für das Verlassen der Kommune an (Mehrfachnennungen waren möglich). Nur 25 Prozent über 18-Jährigen im Landkreis empfinden ihre Stadt oder Gemeinde als attraktiv für Jugendliche. Das muss sich ändern, denn die Jugendlichen von heute sind die Fachkräfte und Einkommenssteuerzahler von morgen. 

Die größten Gewinner bei neuen Diskotheken wären die jungen Menschen, die dann genau das erleben könnten, von dem ihre Eltern schwärmen: ein Treffpunkt am Wochenende, an dem sich Menschen kennenlernen und zusammen feiern. Das wäre eine Bereicherung für jede Stadt in diesem Landkreis. Wenn alle an einem Strang ziehen, lässt sich eine Disko in Main-Spessart verwirklichen.

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