Main-Spessart

Wie sicher ist die Trinkwasserversorgung im Landkreis?

Die Brunnengalerie Rodenbach Nord 3 des Zweckverbands Fernwasserversorgung Mittelmain zwischen Rodenbach und Wombach soll künftig in Notfällen auch Lohr mit Wasser beliefern. Foto: Archivfoto Johannes Ungemach

Der zweite extrem trockene Sommer in Folge wirft die Frage auf, wie gut der Landkreis Main-Spessart auf niedrigere Niederschläge und sinkende Grundwasserpegel vorbereitet ist. Zumindest mancherorts besteht bereits Grund zur Sorge: Anfang September hieß es aus Zimmern, dass die Bürger Wasser sparen sollen, weil der dortige Brunnen einen niedrigen Stand hat. Ebenfalls im September war zu hören, dass sich die Lohrer Stadtwerke um die Schüttung ihrer Trinkwasserquellen Sorgen machen.

Der durchschnittliche Niederschlag liegt in der Gegend bei derzeit 500 bis 600 Liter je Quadratmeter im Jahr, im Spessart dürfte er etwas höher liegen. Künftig könnten wir eine Region mit Wasserarmut werden, meint etwa der Würzburger Klimatologe Prof. Heiko Paeth. Einer, der im Landkreis Wind- und Wetterereignisse akribisch aufzeichnet, ist der Harrbacher Andreas Krummer (43). Seit 2012 erfasst er mit einem Regenmesser im Garten auch systematisch Niederschläge und kann so bestätigen, dass dieser und noch mehr der vorige Sommer extrem trocken waren. Dieses Jahr hat er in den Sommermonaten Juni, Juli und August nur 115 Liter Regen gemessen.

In Gemünden ist Trinkwasserversorgung über Jahrzehnte sichergestellt

Wie ist es also um die Versorgung mit Trinkwasser bestellt? In Gemünden macht man sich darüber keine Sorgen. Vor wenigen Jahren haben die dortigen Stadtwerke als "zweites Standbein" zusätzlich zum bestehenden Schaippacher Tiefbrunnen zwei neue Tiefbrunnen bei Schaippach bohren und eine Ringleitung legen lassen. "Das bedeutet Sicherheit für 50 bis 100 Jahre", betonte Hans Schneider, Leiter des Kommunalunternehmens Stadtwerke (KU) vor ein paar Jahren.

2012 wurde bei Schaippach erfolgreich nach Trinkwasser für Gemünden gebohrt. Foto: Björn Kohlhepp

Ralf Zötzl, Wassermeister beim Kommunalunternehmen Stadtwerke Gemünden, sagt: "Wir merken, dass die Grundwasserspiegel zurückgehen." Das habe aber durch die jetzt drei Tiefbrunnen bislang keine Auswirkung auf die Wasserversorgung. Der älteste, der einst als Ersatz für Quellen im Sindersbachtal gebaut wurde, liefert dabei weiterhin 70 Prozent des Trinkwassers, die anderen beiden die restlichen 30 Prozent. Bei Bedarf könnte aus den neuen Brunnen mehr gefördert werden.

Grundwasser bildet sich durch Trockenheit nicht mehr neu

In Lohr hat Stadtwerkeleiter Otto Mergler bei der Vorstellung seines Halbjahresberichtes im Werkausschuss des Stadtrates dargelegt, wie dramatisch die Lage ist: Seit Jahren könne von einer Neubildung des Grundwassers keine Rede mehr sein. Lohr werde, wie etwa auch Rieneck, hauptsächlich über Quellen versorgt, die zum Glück "sehr träge auf Trockenheit" ansprächen, so Mergler auf Anfrage.

Weil es zwischendurch geregnet hat, sei die Lage dieses Jahr nicht ganz so dramatisch wie im Vorjahr. Zusätzlich zu den Quellen im Rechtenbachtal verfügt Lohr über einen Tiefbrunnen in der Wöhrde und einen in Wombach. Um für den Notfall gewappnet zu sein, wurde jüngst eine Notverbundleitung zwischen dem Lohrer Trinkwassernetz und dem der Fernwasserversorgung Mittelmain gebaut.

Bohrungen brachten in Lohr nicht den gewünschten Erfolg

Die Stadtwerke hätten Anfang der 2000er Jahre umfangreiche Bohrungen durchgeführt, aber lediglich die Bohrstelle in Steinbach habe eine ordentliche Schüttung erbracht. Nicht jeder habe so viel Glück wie die Gemündener, so Mergler. Weil man in Steinbach mehrere Grundstücke hätte erwerben und aufwendig eine Leitung nach Lohr hätte bauen müssen, habe man den Standort verworfen. Steinbach gehört jedoch wie Halsbach und Ruppertshütten zu den Ortsteilen, die nur über je eine Quelle versorgt werden, deren jeweilige Schüttung bei Trockenheit stark nachlasse. Mergler: "Wenn die Quelle trocken fällt, haben wir nix mehr."

Im Moment werde deshalb überlegt, wie man für diese Stadtteile ein zweites Standbein der Trinkwasserversorgung aufbauen könnte. Im Lohrer Werkausschuss hat Mergler als Absicherung im Störungsfall eine interkommunale Zusammenarbeit ins Spiel gebracht, etwa bei der Beschaffung von Tankwagen.

Marktheidenfeld braucht neue Brunnen

Marktheidenfeld versorgt sich zum Teil selbst, zum Teil kommt Trinkwasser vom Zweckverband zur Wasserversorgung der Marktheidenfelder Gruppe (Wassergruppe). Die Trockenheit merke die Stadt an leicht zurückgehenden Pegelständen in den Brunnen und einem erhöhten Verbrauch, teilt Natalie Pfab, Sprecherin der Stadt Marktheidenfeld, auf Anfrage mit. Sollte die Versorgung über das eigene Wasserwerk ausfallen, könnte der Zweckverband kurzfristig mehr liefern, aber längerfristig wäre die Wasserversorgung nicht garantiert. Klar sei, dass es weitere Brunnen brauche, sowohl das Wasserwerk als auch der Zweckverband lassen deshalb weitere mögliche Standort untersuchen.

Der Friedhof im Marktheidenfelder Stadtteil Zimmern. Erst seit kurzem läuft das Wasser an der Entnahmestelle wieder. Foto: Joachim Spies

Um die Versorgung in Zimmern nicht mehr nur dem 30 Meter tiefen Bohrbrunnen "Am kleinen Steg" zu überlassen, der regelmäßig einen niedrigen Wasserstand hat, ist laut Pfab eine Kooperation mit der Fernwasserversorgung Mittelmain geplant.

Karlstadt macht sich um seine Trinkwasserversorgung keine Sorgen

In Karlstadt ist die Versorgung bislang gesichert, obwohl in den vergangenen fünf Jahren die Menge eines Jahresniederschlags fehlt, wie Bürgermeister Paul Kruck jüngst im Werkausschuss des Stadtrats berichtete. "Wenn das 50 Jahre so weitergeht, weiß ich auch nicht, was passiert", so Kruck.

Herzstück der Karlstadter Trinkwasserversorgung ist das Wasserwerk Stetten. "Wir befinden uns geologisch im sogenannten Zellinger Becken." Das sammle eine ungeheure Menge Wasser aus vielen unterirdischen Zuflüssen, sagt Kruck, der sich mit der Materie auskennt, da er zuvor Leiter des Wasserwirtschaftsamts war. "Sollten wir eines Tages mit der Schüttung im Werntal Probleme bekommen, sind andere längst verdurstet", so Kruck. Wiesenfeld, Rohrbach, Erlenbach und Rettersbach werden aus neu errichteten Brunnen in Wiesenfeld versorgt.

In Zimmern muss weiter Wasser gespart werden

In Zimmern heißt es einstweilen weiter Wasser sparen. Vor allem unnötiger Wasserverbrauch wie das Befüllen von Schwimmbecken oder das ohnehin unerlaubte Waschen von Autos soll vermieden werden. Auch im Garten und im Haushalt sollen die Zimmerner sparsam mit ihrem Wasser umgehen. Weil obendrein kürzlich eine bakterielle Verunreinigung festgestellt wurde, wird das Wasser gerade gechlort. Das habe aber nichts mit dem niedrigen Wasserstand zu tun.

In Gemünden hat die zukunftssichere Wasserversorgung die Bürger rund zehn Millionen Euro gekostet. Gut möglich, dass auch andernorts bald Verbesserungsbeiträge und höhere Wasserpreise die Folge sind.

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