GAUASCHACH

Windrad Sachserhof wird abgebaut

Steht wohl nicht mehr lange: Das Windrad oberhalb von Gauaschach blieb bei der Stromerzeugung hinter den Erwartungen zurück. Foto: W. Dünnebier

Das erste Windrad Unterfrankens im zart aufkeimenden Ökostromzeitalter entstand 1998 nahe Gauaschach, einem Stadtteil von Hammelburg . Als erstes wird es demnächst wieder abgebaut. Im Vergleich mit aktuellen Kraftwerks-Boliden nimmt sich der 63 Meter hohe Rotor eher niedlich aus. Genauso wie der Stromertrag.

Nie erfüllt hat das Bauwerk die Erwartung der 103 Anteilseigner in der Windpark Sachserhof GbR. „Wir haben kein Geld damit verdient“, räumt GbR-Vorsitzender Franz Eder (Büchold) ein. Die Gesellschafter aus der Region kämen durch den jetzt angepeilten Ausstieg mit dem eingesetzten Geld gerade so heraus.

Der Abbau schmeckt nicht allen Teilhabern. Steht die Errichtung des „Windrädchens“ doch auch für Pioniergeist und einen erfolgreichen Kampf gegen die Mühlen der Bürokratie knapp vor der Jahrtausendwende.

Bei einer Gesellschafterversammlung Mitte November stimmten 80 Prozent von etwa 70 erschienenen Gesellschaftern für die Veräußerung, berichtet Eder auf Nachfrage. Kritiker fürchten, das Windrad werde unter Wert verkauft.

Der Vorsitzende macht Zeitdruck geltend. Wenn das Rad bis Ende des Jahres abgeschaltet wird, ende das Projekt für die Anteilseigner halbwegs versöhnlich. „Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Eder.

Der Ausstieg ist ein Rechenexempel. Ende Dezember läuft das sogenannte Repowering aus. Der Gesetzgeber sieht vor, Windstromerzeugung samt garantierter Einspeisevergütung an effektivere Anlagen in der Nähe zu übertragen.

Als Käufer hat sich die Bürgerwindpark Langes Schiff Münnerstadt GmbH und Co. KG mit ihren fünf neuen Rotoren angeboten. Deren Co-Geschäftsführer Norbert Schmäling sieht „Gewinner auf allen Seiten“, wenn das Geschäft unter Dach und Dach ist. Unterschriftsreife Verträge liegen vor.

Die Münnerstädter GmbH möchte die EEG-Vergütung von Sachserhof in Höhe von knapp 0,5 Cent je Kilowattstunde auf den Ertrag eines ihrer Windräder für die kommenden 20 Jahren draufsatteln. Um den Bonus zu bekommen, muss das Münnerstädter Rad rechtzeitig vor Jahreswechsel ans Netz gehen.

200 0000 Euro würde sich die Münnerstädter GmbH das alte Rad auf einen Schlag kosten lassen. Der Charme dabei für die Sachserhöfer GbR: Die Einnahme entspricht dem Stromerlös der kommenden fünf Jahre. „Ganz ohne Risiken“, freut sich Franz Eder. Zwar schnurrt das Windrad bei Gauaschach seit 1998 ohne Ausfälle. Jetzt nehme die Anfälligkeit allerdings zu.

Rücklagen für Reparaturen konnten kaum gebildet werden. Statt der erwarteten 700 000 im Jahr erzeugte Sachserhof nur 450 000 Kilowattstunden Strom. Für den Standort ist das Rad nicht hoch genug. „Die Oberflächenrauheit und Vorhügel schmälerten den Ertrag der seinerzeit 1,2 Millionen Mark teuren Anlage. Die Messmethoden waren damals noch nicht so fortgeschritten“, räumt Eder ein.

Mit dem Minderertrag sei kein Gesellschafter in Existenznot geraten. Alle hätten ihre Anteile gehalten. „Ich habe gleich gesagt, dass man nur Geld anlegen sollte, das in den kommenden Jahren nicht gebraucht wird“, versichert Eder. Die meisten Anleger zeichneten seinerzeit Anteile von 5000 Mark, einzelne mehr.

Mit dem zwölffachen Stromertrag pro Windrad kalkuliert man am langen Schiff bei Münnerstadt. „Es ist mir wichtig, dass die Mitglieder der Sachserhof GbR für ihren Pioniergeist gewürdigt werden“, sagt Norbert Schmäling zu der bevorstehenden Abwicklung der Sachserhof GbR. Den dortigen Genossen sollen in Münnerstadt Bürgeranteile angeboten werden. Über den Modus werde im Januar informiert.

Kritiker unter den Gesellschaftern der Sachserhof GbR bemängeln, dass ihre Gesellschaft 200 000 Euro für das Windrad erlöst, während die Münnerstädter mit 400 000 Euro durch die übertragene EEG-Umlage profitieren. Ergänzend bringen Zweifler den Wert des Ackers, auf dem das Rad steht, in Höhe von 50 000 Euro ins Gespräch.

„So linear kann man das nicht rechnen“, sagt Franz Eder und spielt auf mögliche Ausfälle und die degressive Ausgestaltung der EEG-Umlage an. „Wer anders rechnet, muss seine Zahlen ja erst einmal realisieren“, gibt er zu bedenken.

Verkauf ins Ausland?

Wichtig ist ihm, dass das Windrad spurlos von dem Acker verschwindet. Dafür sei Sorge getragen. Für den Abbau lässt das Repowering-Gesetz ein halbes Jahr Zeit.

Norbert Schmäling kann sich vorstellen, die Konstruktion ins Ausland zu verkaufen. Allerdings drücken inzwischen mehr gebrauchte Anlagen auf den Markt. Notfalls könne der Abbau durch den Schrottpreis der Anlage beglichen werden.

Würde Franz Eder das Projekt noch einmal angehen? Er äußert Zweifel. Wenn er gewusst hätte, dass sich das Genehmigungsverfahren mit den Behörden hinzieht, hätte er sich das genauer überlegt. Auf die Windkraft generell lässt er aber nichts kommen. Ihr Nutzen hänge vom Standort, der Effektivität der Anlagen und künftiger Möglichkeiten zur Stromspeicherung ab.

So sehr unter einzelnen Sachserhof-Genossen die Meinung zur Zukunft ihres Windrades und der Auflösung der GbR auseinander geht, umso mehr eint sie das Bewusstsein um ihre Pionierrolle.

Fehlende finanzielle Dividende hin oder her: Man habe als Anteilseigner gewissermaßen mehr Strom für sich und seine Familie erzeugt als verbraucht. Damit müsse man sich nicht verstecken, lässt ein Anteilseigner wissen.

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