Lohr

»Wir finden nicht alles, aber vieles«

Wo kaufen Lohrer Eltern ein? Viele würden sich eine größere Auswahl wünschen.
Wo kaufen Lohrer Eltern ein? Viele würden sich eine größere Auswahl wünschen. Foto: Lena Schwaiger

Veränderungen im städtischen Einzelhandel gibt es immer. Die Lücke nach der Schließung des Second-Hand-Ladens »Sternschnuppe«, der überwiegend Kinderkleidung und Spielsachen verkaufte, konnte jedoch bis heute nicht richtig gefüllt werden.

Viele Eltern sehnen sich nach dem reichhaltigen Angebot des ehemaligen Geschäftes in der Vorstadtstraße zurück, wie wir im Gespräch erfahren haben. Wir wollten wissen, ob Lohrs Mütter und Väter mit dem Angebot an Kinderartikeln in der Stadt zufrieden sind, was sie hier einkaufen und bei welchen Produkten noch Bedarf im Lohrer Einzelhandel besteht.

Mario Paul: In andere Städte zum Einkauf zu fahren, »das ist uns und den Kindern meist zu viel«.
Mario Paul: In andere Städte zum Einkauf zu fahren, »das ist uns und den Kindern meist zu viel«. Foto: Frank Zagel

Bürgermeister Mario Paul ist sicherlich Lohrs prominentester Vater. Für seine vier Kinder von einem bis elf Jahren ist er mit dem Angebot in seiner Stadt »im Großen und Ganzen« zufrieden. Neben den Einzelhändlern für Kinderprodukte schätzt Paul auch die Sport- und Schuhgeschäfte sowie den Bücherladen. »Wir beschränken uns beim Einkauf auf das Nötigste«, sagt der 43-jährige, der mit seiner Frau bis auf Kinderschuhe und Winterkleidung wenig Neuware kauft. Er schwört auf das »gut funktionierende Netz im Freundeskreis und in der Familie, in dem aktiv getauscht wird.«

Den Kindersecondhandladen in der Stadt vermisse er, »weil wir dort häufig schnell, günstig und nachhaltig Sachen gekauft und verkauft haben«. Dies kompensiere er jetzt durch die Nutzung von Basaren für Kindersachen. Auch eine Bestellung online sei für ihn eine Option, wenn er einmal nicht fündig werde. In andere Städte fahre er nicht, »das ist uns und den Kindern meist zu viel.«

Sven Gottschalk: »Pfiffig und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis« wünscht er sich für das Angebot.
Sven Gottschalk: »Pfiffig und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis« wünscht er sich für das Angebot. Foto: Frank Zagel

»Pfiffig und in einem guten Preisleistungsverhältnis« wünscht sich Stadtrat Sven Gottschalk das Angebot, das er in Lohr nicht immer findet. Dennoch entdeckt der Kreisvorsitzende der SPD immer wieder interessante Artikel wie Badekappen oder Badeanzüge im Lohrer Handel. Wenn er nichts finde, orientiere er sich gerne auch mal online. Ein Ausflug nach Marktheidenfeld sei eine Option, etwas für seine achtjährige Tochter zu finden. Auch wenn die Auswahl an Schuhen in Lohr nicht groß sei, versuche er immer zuerst in den heimischen Geschäften etwas zu finden. Über ein »bisschen mehr Konkurrenz« würde sich Gottschalk in Lohr freuen. Die Auswahl sei auch bei Kinderspielwaren eingeschränkt.

Katja Bundschuh wünscht sich für Lohr wieder einen Second-Hand-Laden.
Katja Bundschuh wünscht sich für Lohr wieder einen Second-Hand-Laden. Foto: Thomas Josef Möhler

Katja Bundschuh ist glücklich darüber, dass es in Lohr noch Kindergeschäfte mit professioneller Beratung gibt, die in einer Stadt dieser Größe oftmals nicht mehr zu finden seien. Für Artikel ihrer fünf- und siebenjährigen Kinder komme sie mit dem Angebot zurecht. »Eine Stadt ohne Spielwarenladen ist eine tote Stadt«. Daher schwöre sie auf das Lohrer Fachgeschäft. Ebenso kauft die 39-Jährige gerne im Bücherladen ein. »Wir finden nicht alles, aber vieles«, sagt die Hotelbetreiberin. Shoppingtouren in andere Städte mache sie so gut wie nie. »Online kaufe ich, was ich nicht vor Ort bekomme oder mir vor Ort nicht gefällt.«

Torsten Ruf: »Die meisten Kleider stammen aus unserem Familienpool.«
Torsten Ruf: »Die meisten Kleider stammen aus unserem Familienpool.« Foto: Frank Zagel

»Da wir fast alle Kleidungsstücke über unseren Familienpool gebraucht bekommen erübrigt sich die Frage leider« äußert sich der Vorsitzende des Lohrer Bund und Naturschutz Torsten Ruf. Spielzeug kauft der 41-Jährige fast ausschließlich online, ein Kinderfahrrad hat der Vater von drei Kindern im Alter von einem bis neun Jahren in Lohr gekauft. Einen weiteren Bedarf sehe er mit seiner Familie somit nicht für Lohr.

Nicole Paff findet das Angebot unzureichend.
Nicole Paff findet das Angebot unzureichend. Foto: Frank Zagel

»Wenn man von Hamburg nach Lohr kommt, ist das schon eine Umstellung«, erklärt Nicole Paff (44), die Leiterin des Familienstützpunktes in Lohr. Nicht wirklich zufrieden sei sie. Oftmals fehlen die Größen für ihre sieben- und achtjährigen Kinder. Mit schlechtem Gewissen bestelle sie dann online oder fahre nach Aschaffenburg oder Würzburg.

Sandra Horlamus kauft am liebsten Second-Hand-Artikel.
Sandra Horlamus kauft am liebsten Second-Hand-Artikel. Foto: Frank Zagel

Das Grundangebot sei in Lohr vorhanden, sagt Sandra Horlamus. Die Mutter von drei Kindern im Alter von einem bis 14 Jahren sieht ein Problem in speziellen Artikeln wie Kinderwagen, Dreiräder, Autositzen oder Fahrradanhängern. Das »unkomplizierte Herumstöbern« in der »Sternschnuppe« vermisse sie sehr, denn am liebsten kaufe sie Second-Hand-Artikel ein. Auch das Angebot der Lohrer Kinderbasare nehme sie immer gerne an. Das Einkaufen im Internet komme für sie weniger in Frage, auch andere Städte besuche sie eher weniger.

Melanie Sauer fährt für spezielle Artikel, wie Buddelhosen, auch mal in eine andere Stadt.
Melanie Sauer fährt für spezielle Artikel, wie Buddelhosen, auch mal in eine andere Stadt. Foto: Frank Zagel

Melanie Sauer ist ebenso mit dem Grundangebot zufrieden. Die 43-jährige Mutter von drei Kindern fährt für spezielle Artikel in eine andere Stadt. Matschhosen oder ein größeres Angebot an Wanderschuhen seien in Lohr schwer zu finden.

Bestellt aus Zeitmangel auch im Internet: Tulsi Gautam.
Bestellt aus Zeitmangel auch im Internet: Tulsi Gautam. Foto: Frank Zagel

Auch Tulasi Gautam, die mit ihrem Mann Chandeshwar das indische Restaurant »Gautam Palace« führt, fährt für Kleidung ihrer drei Kinder meistens nach Würzburg. Das Angebot in Lohr ist für die 30-Jährige nicht zufriedenstellend, im Internet bestelle sie ebenso - auch aus Zeitmangel, erklärt die Inderin. Ein Angebot an spezieller Outdoor-Kleidung für ihre vier- bis achtjährigen Kinder sei manchmal schwer zu finden.

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