Partenstein

"Wir wollten Haus erhalten und modern wohnen"

Ein solches Projekt geht nur, wenn beide es wollen, sind Jürgen und Simone Kunkel überzeugt. Foto: Monika Büdel

So wie die Obere Mühle in Partenstein jetzt dasteht, hat sie nie ausgesehen. Das Fachwerk war früher verdeckt von Holzschindeln, später von Eternitplatten, wie auf alten Fotos zu sehen ist. Jürgen und Simone Kunkel haben sich vor 25 Jahren entschieden, das Fachwerk freizulegen.

So wie die Obere Mühle in Partenstein jetzt dasteht, hat sie nie ausgesehen. Das Fachwerk war früher verdeckt von Holzschindeln, später von Eternitplatten, wie auf alten Fotos zu sehen ist. Jürgen und Simone Kunkel haben sich vor 25 Jahren entschieden, das Fachwerk freizulegen.

Das Gebäude am Ende der Mühlgasse hatte Jürgen Kunkels Großonkel hinterlassen. Der "Mühl Heiner" war kinderlos gestorben. Zunächst war das Anwesen an Kunkels Vater gegangen. Jürgen Kunkels Schwestern hätten sich die Renovierung des mindestens 466 Jahre alten Hauses nicht antun wollen, erzählt Jürgen Kunkel.

Er und seine Frau Simone waren sich einig, sich auf das Abenteuer einzulassen. "Sonst hätten wir es nicht gemacht", sagt der Partensteiner. "Am Anfang hatte ich etwas Bedenken, aber wir wollten das beide", bestätigt Simone Kunkel.

Nur noch Hülle ist original

1994 hat sich der 56-Jährige bei seinem Arbeitgeber für ein Jahr freistellen lassen. Ihm war klar, dass das Projekt zu groß ist, um es in absehbarer Zeit nebenher zu stemmen. Trotz des einen Jahres Vollzeitjob auf der Baustelle Obere Mühle hat es bis 1996 gedauert, bis die Kunkels eingezogen sind. "Wir wollten nicht auf eine Baustelle ziehen", ergänzt Simone Kunkel (53).

Original ist nur die Hülle des Hauses, wobei davon noch die Verkleidung entfernt wurde. Ein halbes Jahr habe allein das Entkernen und Zurückbauen gedauert. Was übrig blieb, hat er erst mal sandgestrahlt. "Eine Überraschungskiste", beschreibt Jürgen Kunkel sein Erbe. Unter Denkmalschutz stehe das Anwesen nicht. Darüber sind die Kunkels froh. Sie wollten das Haus zwar erhalten, aber modern wohnen. "Das waren alles kleine Kämmerchen", erläutert er.

Kunkels haben einen offenen Wohn-Essbereich geschaffen und statt einer steilen Stiege ein Treppenhaus eingebaut. Im Erdgeschoss, wo sich früher der Produktionsbereich befand, lebt der ältere der beiden Söhne in einer Einliegerwohnung. Um dem Ganzen die nötige Stabilität zu geben, haben Kunkels tragende Wände innen an den Außenmauern hochgezogen, die das neue Dach tragen.

Kinder waren einbezogen

Zwischen den alten Balken sind Zementdecken eingezogen worden. »Wir haben viel selbst gemacht«, sagt Jürgen Kunkel. Freunde, die als Handwerker arbeiten, hätten geholfen. Nur Dachstuhl und Heizung seien ganz von Firmen ausgeführt worden.

Früher war das Haus mit Schindeln verkleidet.  Foto: Repro: Monika Büdel

Sein Onkel, der Bautechniker ist, habe den Plan gemacht. "Ich habe mir viel erarbeitet und angeeignet und viel gelernt." Sein Vater habe immer wieder Ideen gehabt, wie man das ein und andere Problem lösen könnte. Simone Kunkel erinnert sich, dass immer wieder ältere Männer aus dem Ort zur Baustelle gekommen seien, mit Ratschlägen zu alten Techniken.

Das Fachwerk war früher nicht zu sehen. Kunkels haben es freigelegt.  Foto: Monika Büdel

"Uns gefällt das Rustikale", sagt Jürgen Kunkel. Seine Frau bestätigt das und fügt hinzu: "Es ist ein ganz anderes Raumklima." Die Kinder, die inzwischen 26 und 19 Jahre alt sind, hätten es genossen, Auslauf zu haben, am Bach zu spielen. Als sie alt genug waren, hätten sie mitgeholfen. "Das war mir immer wichtig, die Kinder einzubeziehen. Wir haben viel zusammen gemacht."

Traum vom Wasserrad

"Im Winter haben wir überlegt, was wir als Nächstes machen", erzählt Simone Kunkel. Die Terrasse, die Scheune, die Außenanlage, das habe sich dann noch mal zehn Jahre hingezogen und sei je nach Kassenlage weitergeführt worden. Trotz eines guten Zeitplans sei der Umbau an die Substanz gegangen, blickt das Ehepaar zurück. "Man muss es mögen", sind sich die beiden einig. Und das Geschaffene habe auch für manchen Verzicht entschädigt. "Inzwischen fahren wir auch wieder in Urlaub", sagt Simone Kunkel. Einen Traum hat Jürgen Kunkel noch: Dass sich irgendwann wieder ein Wasserrad an der Oberen Mühle dreht und Strom erzeugt.

Einen Versuch gab es 2011 schon einmal über das Archäologische Spessartprojekt und die Technische Universität Darmstadt. Doch die damalige Versuchsanlage habe nicht die erhoffte Effizienz gebracht. Aber eine schöne und anregende Zeit sei das gewesen, mit den Wissenschaftlern und Studenten.

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