Langenprozelten

Witzige Zeitreise in die deutsche Schlagerwelt

Die Langenprozeltener "Spessartgrotte" führt die Musikkomödie „Hitparade“ auf. Das Publikum schwelgt in Nostalgie.
Zeitreise in die deutsche Schlagerwelt: Die 'Spessartgrotte' zeigt zurzeit die 'Hitparade', eine Persiflage auf den gleichnamigen TV-Dauerbrenner, der 32 Jahre bis 2000 lief.
Zeitreise in die deutsche Schlagerwelt: Die "Spessartgrotte" zeigt zurzeit die "Hitparade", eine Persiflage auf den gleichnamigen TV-Dauerbrenner, der 32 Jahre bis 2000 lief. Foto: Gisela Büdel

Der Moderator muss sein Schandmaul aufpolieren lassen, und die Schlagerstars sitzen im Flugzeug fest. Somit droht die Generalprobe der "Hitparade" zu platzen. Da ist reichlich Improvisationstalent gefragt, als Dieter Thomas Schleck am Freitagabend auf der Kleinkunstbühne der "Spessartgrotte" verkündet: "Es ist 19 Uhr, 30 Minuten und 55 Sekunden. Hier ist wie immer Berlin, und hier ist wie immer Ihre Deutsche Hitparade!"

Stilsicher in die 1970er und 1980er Jahre.
Stilsicher in die 1970er und 1980er Jahre. Foto: Gisela Büdel

Die Langenprozeltener "Hitparade" ist eine musikalische Komödie in zwei Akten von Kurt Blumenthal, die die deutsche Schlagerwelt aufleben lässt und Freunde der leichten Kost gut unterhält. Die Persiflage auf den gleichnamigen TV-Dauerbrenner von Dieter Thomas Heck entführt in die Ära der heutigen Generation 50 plus samt Schlaghosen und Plateauschuhen. Das Stück lebt von musikalischen Klassikern, turbulent umrahmt von komödiantischen Elementen.

Eine Hitparade ohne Sänger

Zum Inhalt: Das Flugzeug mit den Original-Stars wird zum Auftanken nach Moskau umgeleitet. Keine Schlägersänger, keine Hitparade! "Dann machen wir das eben alleine", hat Regisseur Matts Scheibe (Steve Walter) im Coco-Chanel-Blazer die rettende Idee. Tontechniker Reiner (Mark Plewe) und Regieassistentin Tina (Iris Katzer) greifen für Heino, Cindy & Bert oder Marianne Rosenberg zum Mikrofon. Als es heißt "Reiner, fahr ab" erweist sich "Dich zu lieben" von Roland Kaiser als Fehlgriff, am Start hätte Jürgen Drews' "Ein Bett im Kornfeld" sein sollen.

Herzschmerz und Liebesschwüre sind der Schmalz, aus dem Schlager gemacht werden.
Herzschmerz und Liebesschwüre sind der Schmalz, aus dem Schlager gemacht werden. Foto: Gisela Büdel

Ohne Zahnprothese schwer zu verstehen, agiert Timo Dassinger als Moderator Dieter Thomas Schleck; seinem Ruf als Schnellsprecher macht er wenig Ehre. Dank einer wilden Party bei Costa Cordalis mit "vielen bunten Pillen" wirkt er übernächtigt und lethargisch. Das veranlasst zur Frage: "Was außer dem Gebiss haben sie dem noch entnommen?"

Vorfreude kommt auf, als Schleck "den Mann, den die Frauen lieben" ankündigt. Tina schlüpft in die Rolle von Howard Carpendale und imponiert mimik- und gestenreich dessen leidenschaftliches "Ti amo". Originalgetreu kostümiert in Retro-Kleid und weißen Kautschukstiefeln beweist die stimmgewaltige Melanie Lembke (Astrid Andresen) als 10.000. Zuschauerin ihr Gesangs- und Tanztalent. Nach dem Motto "Eine Liebe kommt, die andere geht" flirtet die blonde Schönheit zu Tinas Leidwesen mit Tontechniker Reiner. Sogar die Herren der Schöpfung im Publikum liegen ihr zu Füßen, wenn sie kokett singt: "Er gehört zu mir."

Costa Cordalis mit King-Kong-Frisur

Da er in Berlin wohnt und nicht im fehlgeleiteten Flugzeug sitzt, gibt sich nach der Pause Costa Cordalis (Mark Plewe) mit "King-Kong-Topfschnitt" frisch vom Friseur die Ehre und schmettert seinen Hit "Anita". Zwei gute Nachrichten zum Schluss: "Die Maschine ist gelandet" und Dieter Thomas Schleck wird nach Einnahme der grünen Pille ganz der Alte. Zum Abspann spielt er perfekt die Rolle des "Schnellsprechers", und Reiner nimmt seine Tina in die Arme. Ein ABBA-Medley und Katja Ebsteins "Wunder gibt es immer wieder" setzen den Schlusspunkt unter zwei vergnügliche Stunden.

Kompliment an dieser Stelle an die Akteure für ihre Wandlungsfähigkeit in Rollen- und Kostümwechseln sowie an Helga Hartmann für die Inszenierung, Manuel Weinmann (Choreografie), Gusti Sommer (Regieassistenz) und Andy Hartmann für Bühne/Technik/Licht. Das Publikum genießt die Nostalgie-Reise zu den Kultschlagern der 70er und 80er Jahre. So mancher Zuschauer stimmt textsicher in die Lieder seiner Jugend ein. Gelacht wird über Situationskomik, Pointen und Gags.  Das spiel- und sangesfreudige Komödianten-Quintett hat sich den Schlussapplaus redlich verdient.

Weitere Vorführungen: Oktober: Samstag, 5., Freitag, 11., Samstag, 19., und 26., jeweils 20 Uhr; November: Samstag, 2., Samstag, 9., Samstag, 16., Samstag, 23., jeweils 20 Uhr; Dezember: Freitag, 13., Samstag, 21., Freitag, 27., jeweils 20 Uhr; Januar 2020: Samstag, 4., jeweils 20 Uhr. Kartenvorverkauf und Platzreservierung: Tel. (09351) 3415 oder per E-Mail: info@spessartgrotte.de

Die Show geht immer weiter, irgendwie.
Die Show geht immer weiter, irgendwie. Foto: Gisela Büdel

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