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Wort zum Wochenende: Der Moment der Vollendung

Wort zum Wochenende: Der Moment der Vollendung

Am Mittwoch haben katholische und orthodoxe Christen das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel gefeiert. Dieses Fest wurde in den Ostkirchen im 5. Jahrhundert von Cyrill von Alexandrien eingeführt und diente dem Abschluss des orthodoxen Kirchenjahres. Maria sollte den Christen als Prototyp, wörtlich übersetzt als das erste Vorbild, des vollendeten Menschen vor Augen gestellt werden, sozusagen als das Ziel, auf das unser menschliches Leben nach christlichem Verständnis zusteuert.

Mir tut es persönlich gut, darauf vertrauen zu dürfen, dass all meine Unvollkommenheit und Unzulänglichkeit, alle meine Ecken und Kanten, meine Schwächen und Fehler einmal am Ende meines irdischen Lebens vollendet werden durch Gott. Ich bin ein Mensch, der versucht, die Dinge, die er begonnen hat, auch zum Abschluss, zur Vollendung zu bringen. Deshalb sehne ich mich auch danach, dass mein ganzes Leben, das meine Eltern in der Taufe mit Gott begonnen haben, am Ende auch durch Gott zur Vollendung gebracht wird.

Es ist für mich unvorstellbar, dass mit dem Tod alles zu Ende sein sollte und mein bruchstückhaftes und in viele Puzzleteile zerlegtes Leben nicht zur Vollendung gebracht würde. Wenn das so wäre, hätte mein Leben keinen Sinn, es bliebe sinnlos, weil das große Ganze darin nicht erkennbar wäre.

In meiner pastoralen Arbeit erlebe ich zunehmend vor allem junge Menschen, die mir ihr Leben in seiner Bruchstückhaftigkeit offen legen und keinen Sinn mehr darin sehen, weil sie auch nicht auf die Vollendung ihres Lebens am Ende vertrauen können.

Schlimm ist für mich nicht, wenn ein Leben zerbrochen ist und selbst die verschiedenen Fachleute oft nicht dauerhaft weiterhelfen können. Fatal wäre es für mich nur, wenn es am Ende nicht einen gäbe, der das Puzzle zu Ende legt, sodass ich das Ganze meines Lebens darauf erkennen kann und darin einen Sinn finde.

Ich bin davon überzeugt – und so bekennen es auch alle christlichen Kirchen –, dass in unserer Auferstehung nach dem Tod und bei der Vollendung unseres irdischen Lebens alles in vollendeter Weise mitgenommen wird, was uns jetzt im Leben von entscheidender und wesenhafter Bedeutung ist, sprich unser Wesen, unser Charakter, unsere Beziehungen, unsere Werke, die wir begonnen haben und alles, was uns persönlich ausmacht und wichtig ist.

Mit Spannung warte ich auf diesen Moment der Vollendung meines Lebens bei Gott und dieses Gespanntsein wünsche ich auch Ihnen allen.

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