GEMÜNDEN

Wovon Petrus ein Lied singen konnte

Gemündens Fastprediger ist der Scheinheilige Petrus (Thomas Störlein). Foto: Fotos (2): Herbert Hausmann

Fastenzeit ist Starkbierzeit, jetzt auch in Gemünden, wo am Samstagabend der Salvatorbockabend mit bayerischen Schmankerln zahlreiche Besucher in den Hotel-Gasthof Koppen lockte. Neben Livemusik der „Fishermen's Dixieband“ blieb den lokalen kommunalen Größen in der Fastenpredigt das Politiker-Derblecken nicht erspart.

Bekommen beim großen Vorbild in der Landeshauptstadt eine Gruppe bekannter Kabarettisten um die Mama Bavaria und den Bruder Barnabas nicht nur das süffige Doppelbockbier eingeschenkt, so hat Gemünden jetzt seinen Fastenprediger in der Figur des „Scheinheiligen Petrus“ (Thomas Störlein). Im voll besetzten Vitrum des Hotels ließ er zunächst die Fastenzeit hochleben – und betonte, dass „die Gemünnemer Starkbierprobe ganz was anderes ist“, als alle anderen.

Haben die Münchener ihre Mama Bavaria, könnte Gemünden eine Gemundine aufbieten. Aber in diesem Jahr hat der (schein)heilige Mann mit dem umgehängten goldenen Schlüssel die Aufgabe der Fastenpredigt – dies auch deswegen, um von den im Tonfall einschläfernden Predigten von Stadtpfarrer Richard Englert abzulenken.

Mit Worten und Gesang beleuchtete Thomas Störlein zunächst die „unpolitischen“ Ereignisse in der Stadt. So auch die langlebigen Baustellen mit einer Vielzahl von Verkehrsampeln, die noch das Zukunftsbild in der Stadt prägen werden. Gekonnt beschrieb er die Situation mit dem Lied der „Lilli Marleen“, da alle vor den roten Ampeln stehen.

Bisexuelle Bildungseinrichtung

Besorgt zeigte sich Petrus, was die Moral von Schülerinnen und Schülern angeht, wenn nach den Sommerferien die ersten Jungen im ehemaligen Mädchenbildungswerk Einzug halten. „Ein Skandal“, urteilte der heilige Mann über die dann „bisexuelle“ Bildungseinrichtung.

Das Leben selbst schwer machen sich, aus himmlischer Perspektive betrachtet, die Gemündener Stadträte. „Das Leben für die wäre so einfach: Sie müssen nur den in der Presse verbreiteten Ratschlägen von Michael Mahlo und Werner Müller folgen“, lautete der Tipp des Torwächters. Dann müsste sich ein Bernd Rützel auch nicht mehr vergeblich bemühen, die Vor- und Nachteile eines TTIP-Abkommens mit den USA und Kanada zu erläutern. Möglicherweise sei er gescheitert, weil die Unterlagen, die er lesen durfte, in Englisch verfasst waren.

Der „Berg-Rauscher“ (Richard Rauscher) könnte sich seinen Vorschlag für die Anschaffung von „intelligenten“ Straßenlampen sparen. Für Hubert Fröhlich wäre es dann auch kein Problem, bei der Kommunalwahl einmal so viel Prozente zu bekommen, wie „das Gesöff in seinen Flaschen hat“. Die räumliche Nähe zu Uli Hoeneß und Georg Schmid (Schüttel-Schorsch) in München ist dem hiesigen Landtagsabgeordneten Günther Felbinger nach Petrus' Ansicht nicht gut bekommen: „Der Hoeneß macht die Zelle frei, da kommt jetzt unnern Felbi nei“, reimte der Fastenprediger.

Die Erfolge des Rathauses

Bürgermeister Jürgen Lippert hätte sich den Ärger mit der Bevölkerung im Mühltorviertel ersparen können: „Erst die Brücke wegreißen und dann fragen, ob sie überhaupt gebraucht wird . . .!“ Eine Veränderung aus dem Gemündener Rathaus ist dem Petrus in der Tagespresse aufgefallen: Wurde doch die Presse vor dem Lippertschen Amtsantritt häufig ins Rathaus zitiert, um die dortigen Erfolge kundzutun – „das ist jetzt andersrum: Die Redaktion muss schon im Rathaus anrufen und nachfragen.

„Vor Jahrzehnten von einem Kreiskrankenhaus amputiert“, hat sich die Stadt jetzt um den Standort des neuen Zentralklinikums bemüht. „Ein Dreifrontenkampf“, denn die Stadt Lohr schickt „die stärkste Macht ins Rennen“, um die Einrichtung zu bekommen. Unterstützung, zumindest verbale, bekam die Stadt in der Standortfrage vom scheinheiligen Petrus, der zum Abschluss seiner mit viel Beifall bedachten Fastenpredigt meinte: „Zum guten Schluss: Das Krankenhäusle nach Gemünne muss!“

Feinen Dixie servierte am Salvatorbockabend im Gemündener Hotel Koppen die „Fishermen's Dixieband“ unter Leitung von Albin Schäfer (links), der auch den Abend moderierte.

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