Zellingen

Zellingens Bürgermeister Wieland Gsell kandidiert nicht mehr

Er ist seit 2008 im Amt. Im Gemeinderat will er dennoch weiter in der Kommunalpolitik mitwirken. Eine Abrechnung.
Wieland Gsell blickt in einem vierseitigen Flyer ausführlich auf seine fast zwölfjährige Zeit als Zellinger Bürgermeister zurück. Er kandidiert nicht mehr für das Amt.  Foto: Jürgen Kamm

Der Zellinger Bürgermeister Wieland Gsell wird bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr nicht mehr für das Amt des Bürgermeisters kandidieren. 2008 war er überraschend gewählt worden – als Kandidat der Grünen. Ganz aus der Politik will der 63-Jährige jedoch nicht ausscheiden: "Ich habe weiterhin Freude an der Kommunalpolitik und will auch gerne an der Weiterentwicklung des Marktes Zellingen mitarbeiten", schreibt er in einem Flyer, der am Donnerstag dem Mitteilungsblatt beigelegt wird. "Ich bewerbe mich deshalb als Gemeinderat."

In dem Flyer an alle Haushalte dankt er "vielen Menschen", die ihm mehrheitlich ihr Vertrauen geschenkt und seine Arbeit anerkannt haben. Namentlich zählt er 19 Personen auf, die in den beiden Perioden im Gemeinderat konstruktiv und fair gewesen seien. Bewusst fehlen da manche. Auch die Mitarbeiter der Verwaltungsgemeinschaft und des Bauhofs hätten gute Arbeit geleistet, lobt er.

"Personal nicht rechtzeitig aufgestockt"

Gsell bedauert, dass in der Gemeinschaftsversammlung der Verwaltungsgemeinschaft mehrheitlich verhindert wurde, das Personal rechtzeitig aufzustocken. Die das verhindert hatten, hätten eine Erhöhung der VG-Umlage befürchtet, erklärt Gsell auf Nachfrage. So sei es in seiner ersten Amtsperiode nicht möglich gewesen, im Bauamt die verjährungsgefährdete Abrechnung des Herstellungsbeitrags beim Kanal in Zellingen und Retzbach zu erstellen. In seiner zweiten Amtszeit habe im Bauamt das Personal gefehlt, um die gewünschten Bauprojekte rechtzeitig umzusetzen.

Leider hätten einzelne Gemeinderäte gegen Mitarbeiter der Verwaltung Kritik vorgetragen, die schon Richtung Mobbing ging, kritisiert Gsell. "Ich finde es äußerst deplaziert, dass die Mitarbeiter von Verwaltung und Bauhof in den beginnenden Wahlkampf hineingezogen und schlechtgeredet werden."

Bürgermeister wehrt sich gegen Vorwürfe

Er lässt in dem Flyer auch anklingen, dass jemand Bürgern gegenüber beispielsweise gesagt hat: "Eine Bauleitplanung geht in fünf Monaten." Auf Nachfrage sagt er, das sei jemand aus dem Gemeinderat gewesen. Die Behauptung sei aber falsch, da inzwischen Umwelt- und Naturschutzbelangen nach EU-Recht dieselbe Wertigkeit wie dem Baurecht zugesprochen werde.

Auch sei es einer demokratischen Partei unwürdig, eine pauschale Behauptung zu treffen nach dem Motto: "Es geht nichts." Heute würden in vielen Fällen umfangreiche Gutachten verlangt wie zum Beispiel zum Artenschutz, zum Immissionsschutz oder zu Bodendenkmälern.

Wenn gewisse Personen in Zellingen von einem "Investitionsstau" sprächen, so sei dies kein Alleinstellungsmerkmal der Marktgemeinde, sondern kennzeichnend für viele Investitionen der öffentlichen Hand. Gsell weist darauf hin, dass Zellingen seit 2008 massiv Schulden abgebaut hat – von damals 527 Euro pro Einwohner auf jetzt nur noch 119. "Andere Bürgermeister aus umliegenden Gemeinden werden dafür gelobt."

Günstige Variante bei der Mainbrücke 

Gsell listet in dem Flyer keine Projekte auf, die in seiner Zeit verwirklicht wurden. An erster Stelle wäre da aber die Sanierung der alten Mainbrücke zu nennen, wofür die Gemeinde lediglich drei Millionen Euro selbst tragen musste. Bei einem Neubau hätte sie rund acht Millionen übernehmen müssen.  Auf Nachfrage nennt er weiterhin die Sanierung der Benediktushöhe. Bei der Innenortsanierung kam Zellingen in ein kommunales Sonderförderungsprogramm und das Sanierungsgebiet wurde erweitert. Vorangetrieben wurden die Baugebiete "An der Kapelle" in Zellingen und "Kling" in Retzbach.

Sein Ziel sei es gewesen, Zellingen in Richtung Energieautonomie zu entwickeln, blickt Gsell zurück. Für fünf Windräder im Zellinger Wald mit möglicher Bürgerbeteiligung gab es bereits Vorverträge. "Die kurzfristige Entscheidung des damaligen Ministerpräsidenten mit der 10-H-Regelung und der Landschaftsbild-Regelung hat dies und die Energieautonomie Zellingens zunichtegemacht."     

Aus seiner und der Arbeit des Gemeinderats zieht er folgendes Fazit: Viele Beschlüsse seien einstimmig oder mit nur sehr wenigen Gegenstimmen gefasst worden. Gelegentlich habe es aber auch die "Rolle rückwärts" gegeben wie zum Beispiel bei der Friedrich-Günther-Halle.

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