Zellingen

Zellinger Bürgermeister-Kandidaten: Nicht einig bei der Grundschule

Wer soll in Zellingen Bürgermeister Wieland Gsell (Grüne) ablösen? Am 15. März stellen sich zwei Kandidaten zur Wahl: CSU-Mann Stefan Wohlfart und SPD-Mann Jürgen Keller, der auch von den Grünen unterstützt wird. Die Podiumsdiskussion am Mittwochabend im Pfarrheim zeigte Unterscheide und Gemeinsamkeiten der beiden auf.
Über 200 Besucher kamen zur von der KAB organisierten Podiumsdiskussion der Zellinger Bürgermeisterkandidaten ins Pfarrheim. Nach der Begrüßung durch Nobert Groß gehörte das Podium Jürgen Keller (links) und Stefan Wohlfart, der Moderator war Dieter Wagner.  Foto: Jürgen Kamm

Podiumsdiskussion mit den Bewerbern Jürgen Keller (SPD) und Stefan Wohlfart (CSU).

Wer soll in Zellingen Bürgermeister Wieland Gsell (Grüne) ablösen? Am 15. März stellen sich zwei Kandidaten zur Wahl: CSU-Mann Stefan Wohlfart und SPD-Mann Jürgen Keller, der auch von den Grünen unterstützt wird. Die Podiumsdiskussion am Mittwochabend im Pfarrheim zeigte Unterscheide und Gemeinsamkeiten der beiden auf.

Die von der katholischen Arbeitnehmerbewegung organisierte Veranstaltung zog über 200 Besucher an, so dass zusätzliche Bierbänke ins Pfarrheim getragen wurden. Der KAB-Vorsitzende Norbert Groß begrüßte die Gäste, Dieter Wagner, zweiter Bürgermeister in Bergrheinfeld und ehemaliger Leiter der Bildungsstätte Benediktushöhe, moderierte.

Jürgen Keller, 56-jähriger Bereichsleiter Jugendhilfe bei der evangelischen Diakonie, und Stefan Wohlfart, 45-jähriger selbstständiger Maurer- und Betonbaumeister, wohnen beide im Zellinger Altort und sind sich einig, dass es ein guter Ort für Familien mit Kindern ist. Danach ging es um die Themenbereiche Mitarbeiterführung, mehr Attraktivität für Zellingen, Mehrgenerationenhaus, Grundschule sowie neue Projekte. 

Verwaltung aufstocken oder ist Höchststand erreicht?

"Der Bürgermeister ist Chef vom Bauhof, vom Forstbetrieb und von den Feuerwehren, das ist seine Kernaufgabe", argumentierte Stefan Wohlfart und stellte fest, das seien vorwiegend Handwerksbetriebe. Ihm sei wichtig, den Bürger ernstzunehmen, so würde er dafür sorgen, dass jeder kurzfristig Empfangsbestätigungen erhalte. Ein zentraler Infopoint im Erdgeschoss könne manches erleichtern. Zur Personalausstattung der VG sagte er, sie habe einen Höchststand erreicht.

"Man muss differenzieren zwischen Gemeinde und Verwaltung", begann Jürgen Keller, für ihn sei grundsätzlich der Bürger Chef im Rathaus. Er verlas eine Stellenbeschreibung von 1471 für den Pförtner eines Benediktinerklosters: Man suche einen erfahrenen Bruder, wichtig seien gute Erreichbarkeit und respektvoller Umgang. Dies gelte auch für den Bürgermeister. Keller betonte, als Bürgermeister der größten VG-Gemeinde wolle er dort den Vorsitz übernehmen. Er würde das Personal vorübergehend aufstocken, um manches abzuarbeiten und mehr Förderprogramme nutzen zu können.

Auf die Frage zur Führungskompetenz sagte Wohlfart: "Man braucht ein dickes Fell, muss sich durchsetzen und überzeugen können, die Mitarbeiter aber auch motivieren." Jürgen Keller verwies auf seine Kompetenz im sozialen Bereich und dass er bei der Jugendhilfe 400 Mitarbeiter führt. Er werde die Schnittstellen zu Behörden pflegen und Partner suchen, mit denen man Dinge umsetzen kann.

Verschiedene Ansichten zum Mehr-Generationen-Wohnen

"Die Turmstraße wird kein Eldorado für den Einzelhandel mehr", sagte Stefan Wohlfart zur Attraktivität des Ortes. Er sehe Potenziale in der Gastronomie, einem aktiven Leerstandsmanagement und für schönere Ortseingänge. "Zellingen ist lebens- und liebenswert", fand Jürgen Keller. Zur Gastronomie verwies er auf den von der Diakonie übernommenen Biergarten, mit einem Hotel daneben würde ein Filetstück am Mainradweg entstehen. Die Mainallee werde er ebenfalls zu einem Filetstück machen.

Über 200 Besucher kamen zur von der KAB organisierten Podiumsdiskussion der Zellinger Bürgermeisterkandidaten ins Pfarrheim.  Foto: Jürgen Kamm

Zum Thema Mehrgenerationenhaus sagte Jürgen Keller, die meisten alten Leute wollten zuhause bleiben und es gebe gute Möglichkeiten der ambulanten Pflege. Wichtig sei ihm eine vernünftige Mobilität auch für Senioren. Er sprach von einem Bürgerhaus, das idealerweise mit dem Familienstützpunkt unter ein Dach käme.

Es werde pro Kommune nur ein Mehrfamilienhaus gefördert, stellte Stefan Wohlfart fest. Ob es ein Neubau werden sollte, oder etwa das Pfarrheim infrage käme, könnten Bürgermeister und Gemeinderat nicht allein entscheiden, da müssten die Bürger mitreden.

Künftig ein oder zwei Grundschul-Standorte?

Am deutlichsten wurden die Unterschiede beim Thema Grundschule. Derzeit werden die ersten zwei Klassen in Retzbach unterrichtet, die dritten und vierten in Zellingen. Stefan Wohlfart verwies auf den Anspruch der Ganztagesbetreuung ab 2025. Das werde mit nur einer Schule in Zellingen, wo schon jetzt das Pfarrheim für die Mittagsverpflegung genutzt wird, nicht funktionieren, so Wohlfart. Der Erhalt des  Retzbacher Schulhauses biete auch die Möglichkeit, Senioren ein Mittagessen anzubieten.

Jürgen Keller führte dagegen die stete Kritik der Schulleitung an den zwei Schulhäusern an. Er sieht für das Schulhaus in Retzbach keine Zukunft; es sei mit dem Bus schwer zu erreichen und biete nur mäßige Möglichkeiten für Inklusion. Keller setzt in Zukunft auf nur noch ein Schulgebäude, vielleicht zusammen mit der Mittelschule in Zellingen.

Die Kandidaten waren sich einig, dass die Umsetzung der anstehenden Projekte – Neubau Kindergarten St. Georg, Sanierung des Bauhofes und der Friedrich-Günther-Halle – in einer sechsjährigen Legislaturperiode eine Herausforderung ist. Stefan Wohlfart sieht die Zeit reif für eine Treppe von der Brücke zum Bahnhof und generelle Barrierefreiheit. Jürgen Keller sprach von möglichen kleineren Projekten. Eines könnte eine Waldkindergartengruppe sein, worauf ihn Mütter angesprochen hätten.

Nach rund zweieinhalb Stunden Diskussion lobte Dieter Wagner den Umgang der potentiellen Bürgermeister und übergab an Norbert Groß für die Schlussworte.

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