MAIN-SPESSART

Zu viel Klärschlamm als Dünger

Fast 42 Prozent des im Landkreis Main-Spessart 2016 angefallenen Klärschlamms wurden im Zementwerk in Karlstadt verbrannt. Kritisiert wurde von Kreisrätin Bärbel Imhof im Umweltausschuss bei der Vorstellung des Abfallwirtschaftsberichtes, dass auch deutlich mehr Klärschlamm als Dünger auf Äckern landete. Dadurch können Schadstoffe ins Grundwasser gelangen.

Bezogen auf die Trockensubstanz fielen in den Kläranlagen des Kreises 2455 Tonnen Klärschlamm an, rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Tatsächlich hat Klärschlamm zur landwirtschaftlichen Verwertung nur fünf bis zehn Prozent Trockensubstanz. Im gepressten Zustand sind es etwa 35 Prozent Trockensubstanz. Nach der Trocknung zur Verbrennung sind es 95 Prozent Trockensubstanz, dann hat er den Brennwert schlechter Braukohle.

Außerhalb des Landkreises wurden 1112 Tonnen entsorgt, 26,45 Prozent und damit über ein Viertel weniger als im Vorjahr. Dort gingen 30 Prozent in die Landwirtschaft, 23 Prozent wurden verbrannt, 47 Prozent zur Rekultivierung, im Landschaftsbau oder zur Kompostierung verwendet. 45 Prozent außerhalb entsorgter Klärschlamm sind ein deutlicher Rückgang, 2016 waren es fast 68 Prozent.

Die 1343 Tonnen (55 Prozent), die innerhalb des Landkreises entsorgt wurden, verteilen sich auf 1025 Tonnen (2015: 586 Tonnen) die im Zementwerk in Karlstadt verbrannt wurden und 318 Tonnen (129 Tonnen), die landwirtschaftlich verwertet wurden. 2014 betrug die landwirtschaftliche Verwertung sogar 404 Tonnen. Insgesamt nutzte das Zementwerk in Karlstadt 39488 Tonnen Klärschlamm zur energetischen Verwertung.

Von außerhalb wurden nur 16 Tonnen Klärschlamm in den Landkreis gebracht – ausschließlich aus anderen Teilen Unterfrankens – und landwirtschaftlich verwertet, was der dritte Rückgang in Folge ist.

Dass somit insgesamt 334 Tonnen Klärschlamm auf Äckern landete stank Kreisrätin Bärbel Imhof im übertragenem Sinn gewaltig. Wenn dadurch Schadstoffe ins Grundwasser gelangen, müsse dieses teuer gereinigt werden. Auf ihre Frage, ob es keine Möglichkeit gebe, das zu verbieten, antwortete Otto Brätz (Abteilungsleiter Abfallwirtschaft) Bayern fordere seit Jahren ein Verbot, es handle sich aber um Bundesrecht. Nach zwölf Jahren zeichne sich aber eine Änderung ab. Dabei gehe es neben dem fast kompletten Verbot der Nutzung als Dünger auch um verpflichtende Phosphorrückgewinnung. Weil sich das auf den Abwasserpreis auswirkt, werde es noch Wehklagen geben.

Warum die Nutzung von Klärschlamm als Dünger problematisch ist, erklärte Karlstadts Bürgermeister Paul Kruck als ehemaliger „Wasserwirtschafter“: Neben Phosphat enthalte Klärschlamm auch Schwermetalle und organische Verbindungen, mit Nitrat im Trinkwasser habe er aber nichts zu tun.

„Ich lehne Klärschlamm auf Feldern wegen der Schadstoffe ab, das gehört verboten“, bezog Kreisrätin und Kreisbäuerin Maria Hoßmann Stellung. Andererseits gebe es dadurch auch deshalb kein Nitratproblem, weil die Landwirte die Nährstoffe in ihren Düngeplan einrechnen.

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