Karlstadt

Zuschussbedarf des Kreisjugendamtes steigt um 146 000 Euro

Auf über 5,7 Millionen Euro steigt in diesem Jahr der Zuschussbedarf des Kreisjugendamtes. Der von Michael Martin vorgestellte Entwurf sieht Erträge von 2,7 Millionen und Aufwendungen von 8,4 Millionen Euro vor, gegenüber dem Vorjahr steigt der Zuschussbedarf um knapp 146 000 Euro oder 2,6 Prozent.

Im wesentlichen gibt es drei Bereiche mit Mehrausgaben: Bei den heilpädagogischen Tagesstätten wollen die Kreuzschwestern in Gemünden eine zweite Gruppe eröffnen und der Caritasverband wird eine neue Tagesstätte in Neustadt eröffnen. Dadurch steigt der Haushaltsansatz um 150 000 auf 750 000 Euro. Genutzt werden die derzeitigen Tagesstätten im Landkreis von 18 Kindern, fünf Kinder besuchen Tagesstätten in Würzburg oder Wertheim.

Höherer Fallzahlen gibt es bei der Hilfe für junge Volljährige in stationären Einrichtungen, was mit 350 000 Euro Aufwendungen für 50 000 Euro Mehrausgaben sorgt, und bei der stationären Unterbringung seelisch behinderter Kinder, hier steigen die Ausgaben um 200 000 Euro auf 1,5 Millionen Euro.

Einsparungen gibt es bei der Übergabe der Kindergartengebühren für finanzschwache Eltern, hier übernimmt der Staat für Kinder ab dem dritten Lebensjahr jetzt 100 Euro im Monat, was den Kreis 50 000 Euro spart, die Aufwendungen betragen damit 370 000 Euro. Bei den Jugendzentren beschäftigt Gemünden keinen Jugendpfleger mehr, die Ausgaben sinken um 20 000 auf 220 000 Euro. "So großzügig wie wir unterstützt kein anderer Kreis die Jugendzentren", erklärte Michael Martin. Bei der Vollzeitpflege (Pflegefamilien) wurden die Aufwendungen aufgrund des Vorjahresergebnisses um 100 000 auf 800 000 Euro reduziert. Derzeit sind 75 Kinder in Pflegefamilien untergebracht, bei zwei Dritteln wurde den leiblichen Eltern das Sorgerecht entzogen. Neue Pflegefamilien sind willkommen. Rückläufig sind die Zahlen bei den Schulbegleitern seelisch behinderter Kinder, statt 20 Kindern haben jetzt noch elf einen, die Aufwendungen sinken um 120 000 Euro auf 300 000 Euro.

40 Jugendliche aus dem Landkreis leben in Heimen

Derzeit leben 40 Jugendliche und sechs junge Volljährige aus dem Landkreis Main-Spesart in Heimen. Mit über drei Millionen Euro fallen über ein Drittel der Aufwendungen des Kreisjugendamtes dafür an.

Für die Unterbringungen von unbegleiteten minderjährigen Ausländern wird des Ansatz auf 750 000 Euro halbiert. Wie Michael Martin berichtete, wurden 2019 im Landkreis keine aufgegriffen, die Regierung wies aber 23 zur Aufnahme zu, wovon nur zwölf auch ankamen und vier wieder das Weite suchten. Das Jugendamt lässt generell ihr Alter feststellen, was an der Uniklinik Frankfurt erfolgt. Bei fünf Personen stellte sich heraus, dass sie längst volljährig sind. Rechtlich handelt es sich um versuchten Sozialbetrug.

Hinter manchem eher kleinen Ansatz verstecken sich wahre Dramen. So sind 50 000 Euro für die kurzfristige Unterbringung von Kindern eingeplant. Bei akuter Gefährdung des Kindeswohls darf das Jugendamt ohne Gerichtsbeschluss Kinder den Eltern wegnehmen. Im Jahr 2018 gab es 178 Meldungen über mögliche Kindeswohlgefährdung. Michael Martin erzählte, dass in der letzten Woche den Erzieherinnen eines Kindergartens auffiel, dass ein Vater, der sein Kind abholen wollte, betrunken war. Ein Test ergab 2,8 Promille, zuhause lag die Mutter im Koma.

Zeltplatz Erlasee hat 192 000 Euro Zuschussbedarf

Für das Kreisjugendamt selbst stehen 3,2 Millionen Euro Aufwendungen bei nur 51 000 Euro Erträgen im Haushalt. Die Kinder- und Jugenderholung lässt sich der Kreis 421 000 Euro kosten, was dem Ansatz von 2019 entspricht. Dazu gehören auch Sprachreisen und das Zirkuscamp. Die drei Jugendzeltplätze haben eigene Haushaltsstellen. Für Detter beträgt der Zuschussbedarf heuer knapp 25 000 Euro, im Jahr 2019 nutzten diesen Platz 28 Gruppen mit 3700 Personen. Beim Jugendzeltplatz Windheim müssen rund 23 000 Euro zugeschossen werden, er wurde mit 56 Gruppen und 5600 Personen rege genutzt. Der jüngste Zeltplatz Erlasee hat heuer 192 000 Euro Zuschussbedarf, weil Arbeiten an Gebäuden für 114 000 Euro nötig sind. Mit 34 Gruppen und 6500 Personen wurde er im vergangenen Jahr von den meisten Personen genutzt.

Im Teilhaushalt des Jugendamtes gibt es nur wenig Möglichkeiten für Einsparungen. Neben den Jugendzentren wären das vor allem freiwillige Leistungen in Form von Zuschüssen, die überschaubar sind. Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Diözese Würzburg erhält 3500 Euro, das Schulverweigerungsprojekt "ROVEN" der Don-Bosco-Berufsschule Würzburg bekommt 14 000 Euro und das Projekt "Gute Zeiten – schlechte Zeiten" des evangelischen Beratungszentrums Würzburg für Kinder psychisch kranker Eltern 1600 Euro.

Der Jugendhilfeausschuss stimmte dem Teilhaushalt des Jugendamtes zu und empfahl das auch dem Kreistag.

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