Gemünden

Zwei Bürgermeister überlegen Kandidatur noch

Bürgermeister Jürgen Lippert will die Osterferien zum Nachdenken nutzen, ob er sich bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 wieder in Gemünden zur Wahl stellen wird. »Die Tendenz ist gar nicht so schlecht«, sagte er kürzlich auf Nachfrage der Redaktion. Lippert hatte sich vor fünf Jahren für das Bündnis für Bürgernähe zur Wahl gestellt und in der Stichwahl gegen Inge Albert (Freie Wähler/Freie Bürger, SPD, Ökokreis) durchgesetzt.

»Mit Bürgermeister zufrieden«

Weitere Kandidaten sind bislang nicht in Sicht. Ferdinand Heilgenthal, Fraktionssprecher der SPD, sagt, es gebe keine konkreten Pläne, jemanden für die Bürgermeisterwahl aufzustellen. Die Zusammenarbeit des Stadtrats und der Verwaltung sei gut und sachlich. Das sei gut für die Stadt. Trotz geringer Mittel sei einiges erreicht worden. »Die Ergebnisse können sich sehen lassen«, sagt Heilgenthal. Monika Poracky, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins sagt, dass es im Moment nicht so aussehe, als ob jemand aus den Reihen der SPD für eine Kandidatur hervortrete.

Jürgen Stich von der CSU hatte 2014 gegen Lippert kandidiert und wird es dieses Mal »garantiert nicht« tun. »Ich bin mit meinem Bürgermeister hoch zufrieden. Er könne sich nicht vorstellen, dass sich jemand aus dem Stadtrat traut, sich aufstellen zu lassen, wenn Jürgen Lippert bereit ist, weiterzumachen.

Für Pintar kein Thema

Neuendorfs Bürgermeister Karlheinz Albert »weiß es schon«, ob er weitermacht oder nicht. Er habe sich entschieden, wolle sich am Freitag aber noch mit der Fraktion abstimmen und sich erst öffentlich äußern, wenn alle in der Fraktion Bescheid wissen. Marco Pintar, seit kurzem Kreisvorsitzender der Freien Wähler, werden gelegentlich Ambitionen auf politische Ämter nachgesagt. Er selbst sagt, dass der Bürgermeisterjob im Nebenamt keine Option sei. Er habe einen Beruf. Von anderen Interessenten im Ort habe er auch noch nichts gehört. Auch eine Landratskandidatur für 2020 sei für ihn kein Thema. »Wir haben einen guten Landrat, auch wenn das nicht alle, vor allem im Marktheidenfelder Raum, so sehen.«

Wer die Nachfolge von Edmund Wirzberger in Neuhütten antreten könnte, ist noch offen. Der Amtsinhaber geht nach 24 Jahren als Bürgermeister in den Ruhestand. Dem 2. Bürgermeister Edgar Karl ist nicht bekannt, dass jemand Ambitionen auf eine Kandidatur hat. Er werde dieses Jahr 62. Vor fünf Jahren habe er nicht gegen Wirzberger antreten wollen. Die Neuhüttener waren mit einer Einheitsliste in die Wahl gegangen. Auf die Frage, ob er sich überreden lassen würde, möchte er nicht antworten.

Amend kandidiert wieder

Stephan Amend, Bürgermeister in Partenstein, hat sich nach einem halben Ja am Jahresanfang nach der jüngsten Fraktionssitzung der Freien Wähler zu einem ganzen Ja vorgearbeitet und wird wieder antreten. Er habe sich aber schon gefragt: »Muss ich mir das antun?«, sagt er dieser Tage im Telefongespräch mit der Redaktion. Es gebe aber noch Baustellen, die er fertig bekommen möchte. Und »mit 56 muss ich noch ein paar Jahre machen«.

»Wir haben schon mal zusammengesessen«, sagt Günter Amend, 2. Bürgermeister und CSU-Mitglied. Bis jetzt hätten sie noch niemanden. »Es ist schwer, aber vielleicht haben wir ja noch Glück«, sagt er.

Die Partensteiner SPD wird sich am 5. Mai in einer Versammlung neu organisieren. Eine Bürgermeisterkandidatur werde eher weniger Thema sein, teilt der kommissarische Vorsitzende Marc Steigerwald mit. »Wir sind in der Sondierung.« Einen Zeitpunkt habe sich die SPD nicht gesetzt. Für das Aufstellen sei Zeit bis Herbst.

Zuviel für einen Nebenjob

In Rechtenbach geht der Trend zur Einheitsliste. Das bestätigt Bürgermeister Klaus Bartel, der sich 2020 nicht mehr zur Wahl stellt. »Von uns ist die Idee ja gekommen.« Wie SPD-Vorsitzender Wolfgang Rek mitteilt, steht auch die SPD hinter einer gemeinsamen Liste für die Gemeinderatswahl: »Wir sind ein kleines Dorf, wir müssen zusammenarbeiten.«

Stephanie Durchholz, Vorsitzende der Rechtenbacher CSU, sieht eine gemeinsame Liste positiv. Die Entscheidung des Ortsverbandes werde in der nächsten Versammlung fallen. Fürs Bürgermeisteramt werde sie nicht wie vor zwölf Jahren kandidieren.

Auch Wolfgang Rek wird nach seiner Aussage nicht zur Verfügung stehen. Er sei jetzt 54. Seiner Meinung nach soll jemand Bürgermeister werden, »der das Zeug dazu hat«, eine Perspektive auf zwei bis drei Amtsperioden und den alle unterstützen. In Rechtenbach stünden die Themen Kläranlage und die Dorferneuerung an.

»Das ist fast zuviel für einen Nebenjob. Das ist der Nachteil kleiner Gemeinden.« Dass junge Leute etwas bewegen können, sehe man bei der Feuerwehr in Rechtenbach, sagt Rek. Ob es in den Reihen der SPD noch einen Kandidaten geben werde, könne er momentan nicht beantworten. Abzuwarten sei als erstes, ob es tatsächlich zu einer Einheitsliste kommt. Bei der CSU gibt es laut Durchholz bislang keine Interessenten für die Bartel-Nachfolge.

Christian Lang überlegt noch

Christian Lang von den Freien Wählern wird seit einiger Zeit im Ort als möglicher Kandidat genannt. Der 3. Bürgermeister ist seit zwei Amtsperioden im Gemeinderat, bis 2012 für die CSU. Mit einer Entscheidung, ob er kandidieren möchte, will er noch ein paar Wochen warten.

In Wiesthal, wo Andreas Zuschlag schon lange angekündigt hat, dass nach 19 Jahren Schluss ist, sagt 3. Bürgermeister Karl-Heinz Hofmann (CSU), dass es schwer ist, jemanden zu finden, der das Ehrenamt übernimmt. »Alle sind berufstätig, das ist nicht einfach.«

Zuviel Bürokratie

2. Bürgermeister Gerd Bachmann (parteilos, über die Liste der Freien Wähler im Gemeinderat) sagt, dass es bei dem Bürokratismus, der Politikverdrossenheit und der generellen Stimmung keinen Spaß mehr mache. Für den bald 69-Jährigen ist »nach 50 Jahren für die Gemeinde Wiesthal und die VG Partenstein« am Ende der Amtsperiode Schluss.

SPD-Gemeinderat Harald Merz sieht auch keinen Kandidaten am Horizont. Für ihn komme eine Kandidatur aufgrund seines umfangreichen ehrenamtlichen Engagements nicht infrage.

Stefan Kunkel von der CSU und einer der jüngeren Gemeinderäte, wurde im Ort schon als möglicher Kandidat gehandelt. Die Gerüchte seien ihm bekannt, sagt er. »Kann sein, dass das manche gerne hätten.« Für den Gemeinderat stehe er zur Verfügung. Das Bürgermeisteramt komme für ihn aus beruflichen Gründen nicht infrage.

Bürgermeisterwahl
Nach dem bayerischen Gemeinde- und Landkreiswahlgesetz sind die Wahlvorschläge spätestens bis 18 Uhr des 52. Tags vor dem Wahltag einzureichen. Für die Wahl am 15. März 2020 ist das der 21. Januar. Wird kein oder nur ein Wahlvorschlag zugelassen, können die Wähler eine Person ihrer Wahl auf dem Stimmzettel eintragen. Stellt sich niemand zur Wahl, spricht man auch von einer »wilden Wahl«.

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