KARLSTADT

Zwei starke Frauen und eine spannende Flucht

Zweiter Bürgermeister Theo Dittmaier (links hinten), würdigte die Autoren des Jahrbuch 2018/19 der Geschichtswerkstatt: (vorne, von links) Josef Riedmann, Gerhard Kralik, Klara Eckstein, Herbert Weidner, Armin Kraft und Claus Dürr sowie (hinten, von links neben Dittmeier) Martina Amkreutz-Götz, Heinz Scheid, Beatrix van Venrooy, Manfred Kleinwechter, Björn Kohlhepp, Karl-Heinz Stumpf, Hermann Schaub, Georg Büttner, Georg Schirmer, Willibald Niklaus und Edgar Manger. Foto: Barbara Wolf

Ein wissensreiches, spannendes und unterhaltsames Jahrbuch 2018/19 stellte Martina Amkreutz-Götz im Namen der Geschichtswerkstatt Karlstadt vor. 21 Autoren aus zehn Stadtteilen haben 20 Beiträge aus Geschichte und Gegenwart recherchiert und aufgeschrieben.

Das 16. Jahrbuch ist wie seine Vorgänger ein sprudelnder Quell ungetrübter Lesefreude, beschrieb Michael Kralik das Druckwerk. Das Themenspektrum reiche von „Mangelversorgung zwischen Hoffen und Bangen“ in der Titelgeschichte zum Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs bis zum erstaunlich aktuellen „Gebet eines bayerischen Pfarrers aus dem Jahre 1864“. Mit dem Motto des Männergesangvereins Laudenbach, dem im Buch ein ebenso spannender wie fundierter Artikel gewidmet ist, beschloss Kralik seine kleine Vorschau: „Dem Wahren, Guten, Schönen soll unser Lied ertönen!“

Die Präsentation wurde musikalisch von Schülern der städtischen Sing- und Musikschule Davide Infantone (15) am Klavier und Laura Moser (13) an der Querflöte umrahmt. Martina Amkreutz-Götz, Beatrix van Venrooy und Manfred Kleinwechter stellten die Autoren mit ihren Beiträgen vor.

Als viele Kinder ohne Väter aufwuchsen

Georg Büttner hat in vielen Dokumenten recherchiert über die Mangelversorgung im Ersten Weltkrieg. Notgeld, Kinder ohne Väter, Aufbruch nach dem Krieg und Danksagung der sächsischen Infanterie sind unter anderem seine Themen.

Aus Karlburg schrieb Heinz Scheid einen ausführlichen Bericht über 140 Jahre Feuerwehr. Zudem verfasste er die Geschichte von Gertrud und Immina – zwei starken Frauen in Karlburgs Geschichte. Werner Kübert berichtet allerhand aus Karlburg und listet auf 15 Seiten die wichtigsten Ereignisse dieses Jahres auf.

Entwicklung über die Stadtmauern hinaus

Alte Handwerkstraditionen in Karlstadt, wie die Wachszieher, Metsieder und Lebkuchenbäcker, beschreibt Claus Dürr. Sieben Postkarten ergänzen seinen interessanten 13-seitigen Beitrag. Den Bau eines Siedlungshauses, das drei Generationen gestalteten, erzählt Clara Eckstein. Detaillierte Fakten aus dem Bauamt zur Entwicklung der Stadt über die Stadtmauern hinaus recherchierte Martina Amkreutz-Götz. Über Anfang und Ende von 20 Jahre Partnerschaft mit Cuckfield im englischen West Sussex berichtet die bisherige Vorsitzende des Bürgerkomitees, Beatrix van Venrooy.

Über das THW Karlstadt, „65 Jahre im Ehrenamt – Technische Hilfe in allen Notlagen“ zeichnet Manfred Kleinwechter auf elf Seiten die Historie des Ortsverbandes Karlstadt nach. Er stellt interessante Einsätze vor und geht zudem auf die Anfänge der Jugendgruppen, die Ausrüstung und die Organisation ein.

Eine Zäsur: die Schließung des Krankenhauses

Der Jahresrückblick Karlstadt von Barbara Wolf umfasst 17 Seiten. Vorweg stehen Beiträge über die Schließung des Krankenhauses Karlstadt, das Für und Wider die B26n, 175 Jahre Sparkasse, Stadtverwaltung und Haushalt, Schülerzahlen und Beiträge zu 500 Jahre Reformation.

Über den Männergesangverein Laudenbach berichtet Georg Schirmer. Im März 1956 enden die Protokolle. Der Chronist Werner Neckermann hat in der Festschrift zum 110. Gründungsfest des Männergesangvereins eine kurze Historie verfasst. Der Gesangverein existiert heute noch. Die achtseitige Chronik über Laudenbach verfasste Karl-Heinz Stumpf.

Zweimal in französischer Gefangenschaft

Die spannende Flucht aus französischer Gefangenschaft, in die Josef Wilhelm Zübert aus Mühlbach im Ersten Weltkrieg geriet, beschreibt Martina Amkreutz-Götz. Dies war möglich, weil Zübert in einer Kladde seine Fluchterlebnisse niederschrieb. Er geriet auch im Zweiten Weltkrieg in französische Gefangenschaft. Amkreutz-Götz berichtet zudem über den Oberlehrer Johann Schönmann, der Ehrenbürger wurde und nach dem die Gemeinde eine Straße benannte. Sie schrieb auch die Ortschronik Mühlbachs über zehn Seiten.

Über den Rohrbacher Kriegerverein, dessen Fahne beim Schützenverein landete, berichtet Josef Riedmann. Ebenso über die Winzerscheune in der Dorfstraße und darüber, wie das originale Turmkreuz der Heilig-Kreuz-Kapelle gerettet wurde. Er beschreibt die Pflanzung und das Fällen der Dorflinde, die ein Dokument freigab, und die Chronik mit nochmals zehn Seiten.

Als der Strom nach Stetten kam

Wie der elektrische Strom vor 100 Jahren Stetten erreichte, beschreibt Adolf Amthor. Edgar Burkard berichtet über den Kinderbewahranstaltsverein, der mit großzügigen Unterstützungen aus Amerika 1922 einen Neubau für die Kinder bewerkstelligte. Die Ortschronik übernahm Günther Roth auf zehn Seiten.

Mit vielen Fotos dokumentiert Björn Kohlhepp den Besuch von Familie Stern in Wiesenfeld. Über 150 Jahre Feuerwehr Wiesenfeld berichtet Hermann Schaub. Er beleuchtete die Themen Kläranlage, Wasserversorgung und Ortsumgehung. In der Ortschronik mit 21 Seiten dokumentiert er das rege Dorfleben.

Einen interessanten Überblick verschaffen die Ortschroniken 2017 aus den Stadtteilen ohne zusätzliche Beiträge. Die Gambacher Ereignisse beschreibt auf neun Seiten Edgar Manger. Herbert Weidner hat alle wichtigen Punkte aus Heßlar zusammengetragen. Aus Stadelhofen berichtet Monika Kraft in der Ortschronik auf sechs Seiten.

Geschichte sei unwiderruflich, sagte Zweiter Bürgermeister Theo Dittmaier. Daher sei es zu würdigen, dass die 21 Autoren sich einem oder mehreren Themen gewidmet hätten und der Nachwelt somit Wertvolles erhalten bleibe.

Das Jahrbuch ist in einer Auflage von 500 Exemplaren bei Michael Kralik in Karlstadt gedruckt worden. Es ist für 17,80 Euro in der Bücher-Ecke Karlstadt, bei Familie Kralik und bei einigen Autoren erhältlich.

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