LAUDENBACH

Alter der Synagoge ist unbekannt

Die Skizze zeigt eine Rekonstruktion von Oswald Heppel der 1736 renovierten Synagoge in Laudenbach. Im Bild zu erkennen sind die Gewölbedecke, der Kronleuchter sowie die Frauenempore in Hufeisenform.
Foto: Armin Marschall | Die Skizze zeigt eine Rekonstruktion von Oswald Heppel der 1736 renovierten Synagoge in Laudenbach. Im Bild zu erkennen sind die Gewölbedecke, der Kronleuchter sowie die Frauenempore in Hufeisenform.

Mit so vielen Zuhörern hatte kaum einer gerechnet. Der Saal des alten Rathauses in Laudenbach war bis auf den letzten Platz besetzt, als Pfarrer Hans Schlumberger bei einer Benefizveranstaltung des Förderkreises „ehemalige Synagoge Laudenbach“ von seinen Forschungsergebnissen über die Laudenbacher Synagoge berichtete.

Aus einer im Staatsarchiv Würzburg gefundenen Bittschrift der Laudenbacher jüdischen Gemeinde vom Frühjahr 1736 an die fürstbischöfliche Kammer geht hervor, dass ein Baugesuch für die Renovierung der Synagoge gestellt wurde. Diese Bittschrift schildert, wie marode und baufällig die seit „unvordenklichen Jahren“ bestehende alte Synagoge sei. Das genaue Alter der Laudenbacher Synagoge ist nicht bekannt.

Seit den Funden von Hans Schlumberger weiß man jedoch sicher, dass sie lange vor dem bisher angenommenen Baudatum am gleichen Ort bestanden haben muss und im Jahr 1736 nicht erbaut, sondern renoviert und erweitert wurde. Das ursprüngliche Baudatum reicht wahrscheinlich in das 17. Jahrhundert hinein.

Das Hochstift Würzburg antwortete rasch auf das Baugesuch der jüdischen Gemeinde zu Laudenbach und bat den damaligen katholischen Pfarrer J. Georg Matthes Ganß um eine Prüfung, ob die Erneuerung wirklich zwingend notwendig sei. Der Pfarrer bestätigte den schlechten Zustand des Gebäudes. So renovierten die damals acht jüdischen Haushalte in Laudenbach ihre Synagoge an gleicher Stelle.

Der Bach im Ort war damals zweigeteilt: Ein Teil des Baches floss nur wenige Meter an der Synagoge in der Bandwörthstraße vorbei. Eine alte Mikwe muss sich in unmittelbarer Umgebung der Synagoge befunden haben. Schlumberger geht davon aus, dass sie als Kellermikwe direkt unter den Fußboden der Synagoge gebaut und später zugeschüttet wurde, als ein Neubau der Mikwe auf dem Grundstück Mühlecke notwendig geworden war.

Sehr ungewöhnlich an der Synagoge Laudenbach ist der Tahara-Raum. Dort wurden die Verstorbenen rituell gereinigt und auf die Beerdigung vorbereitet. Ein Tahara-Haus steht zwar auch auf dem Friedhof, jedoch musste das dafür benötigte „lebendige Wasser“ erst mühsam auf den Berg gebracht werden.

Über den Flur im ersten Stock der Synagoge konnte man über einen schmalen Durchgang die Frauenempore betreten, die hufeisenförmig im Gebäude integriert war. Auch ein Schulraum zur Unterrichtung der jüdischen Schüler befand sich im gleichen Haus.

In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde die Inneneinrichtung restlos zerstört und wertvolle Gegenstände gestohlen. Die späteren Besitzer nutzten das Gebäude bis vor kurzem als Lagerraum für landwirtschaftliche Maschinen.

Das Nutzungskonzept steht auf vier Säulen: Der im Januar gegründete Förderkreis hat sich die Aufgabe gestellt, die ehemalige Synagoge zu erhalten und sie der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Das Nutzungskonzept des Vereins leitet sich dabei aus den wichtigsten Funktionen einer Synagoge in der jüdischen Kultur ab: Sie soll wieder zu einem Haus der Versammlung und zu einem Haus des Lernens für die Jugendarbeit werden. Darüber hinaus soll sie ein Haus der Erinnerung und ein Haus der Kultur sein.

Da alle sakralen Gegenstände bis auf wenige Einzelstücke vernichtet wurden, wird die ehemalige Laudenbacher Synagoge keine religiöse Gedenkstätte mehr sein können. Vorsitzender Georg Schirmer ist sich jedoch sicher, dass das Gebäude für öffentliche und private Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen, für Familienfeiern oder Begegnungen zwischen Jung und Alt genutzt werden kann.

Karlstadts Bürgermeister Paul Kruck bestätigte, dass das Gebäude in seiner Substanz gesichert werden muss. Die derzeitige Besitzerin möchte das Haus verkaufen, und die Stadt hat ihr Interesse an einem Ankauf angemeldet. Kruck ist sich aber jetzt schon sicher, dass dies nicht von heute auf morgen passieren wird und noch einige Gespräche stattfinden müssen.

Zu Schluss bedankte sich Georg Schirmer bei den über 70 Besuchern für das Interesse. Hans Schlumberger fügte hinzu: „Wir dürfen nur eines nicht tun, was die Nationalsozialisten wollten: Vergessen.“

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