Lohr

Künftig Tempo 20 auf alter Lohrer Mainbrücke?

Die Ampelkreuzung am Oberen Tor in Lohr ist einer der Punkte, die beim Verkehrsentwicklungsplan im Fokus stehen soll. Eine Szenario der Simulation ist beispielsweise, die Einfahrt von der aus Partenstein kommenden B 276 in die Ludwigstraße zu verbieten.
Foto: Johannes Ungemach | Die Ampelkreuzung am Oberen Tor in Lohr ist einer der Punkte, die beim Verkehrsentwicklungsplan im Fokus stehen soll.

Der Autoverkehr in der Lohrer Altstadt soll in Zukunft nicht viel anders fließen als bisher. Das ist der Wunsch einer knappen Mehrheit der Lohrer Stadträte. Sie erteilten in der Sitzung am Mittwochabend einer Simulation umfangreicher Eingriffe in die Verkehrsströme der Innenstadt eine Absage. Dahinter steht die Befürchtung, dass solche Eingriffe die Attraktivität Lohrs als Einkaufsstadt mindern könnten.

Das von der Stadt zur Erarbeitung eines Verkehrskonzepts zu Rate gezogene Stuttgarter Fachbüro BrennerPlan soll nun lediglich untersuchen, ob sich durch Veränderungen an verschiedenen Knotenpunkten rund um die Altstadt der Durchgangsverkehr aus der Innenstadt raushalten und der Tangentenring stärken lässt.

Tempo 20 auf alter Mainbrücke?

Außerdem soll die Folge einer deutlichen Tempobeschränkung auf 20 Stundenkilometer in Bereichen wie Alte Mainbrücke, Vorstadtstraße, Jahnstraße oder Haaggasse simuliert werden. Nicht untersucht wird nun hingegen, wie sich die Umkehr verschiedener Einbahnstraßen sowie geänderte Abbiegegebote an etlichen Stellen auswirken würden.

Bürgermeister Paul zeigte sich nach der Abstimmung enttäuscht. Es sei "sehr bedauerlich", dass eine Mehrheit der Räte "keine faktenbasierte Diskussion führen" wolle. Man habe bei der Suche nach einer zukunftsfähigen Umgestaltung der Lohrer Verkehrsflüsse eine "große Möglichkeit vertan", so Paul.

Er hatte offenbar geahnt, dass viele Räte gegen größere Veränderungen im Lohrer Verkehrsfluss sind. Auffallend lange warb er zu Beginn für eine umfangreiche Verkehrssimulation. Nur so erhalte man eine vielfältige Datenbasis, um "drängende Fragen verkehrlicher Art zumindest planerisch zu behandeln", so der Bürgermeister.

Auch Thomas Nischalke (SPD) plädierte für die Simulation vieler Szenarien. Nur so erfahre man, an welchen Stellschrauben man drehen müsse, um gesteckte Ziele wie die Stärkung des Fuß- und Radverkehrs zu erreichen. Die Entwicklung der Gemündener Innenstadt in den vergangenen 20 Jahren führte Nischalke als abschreckendes Beispiel dafür an, "was passiert, wenn nichts passiert".

Röder: Keine Denkverbote

Ulrike Röder (Grüne) warb dafür, auch "extrem erscheinende Eingriffe" simulieren zu lassen. Es dürfe keine Denkverbote geben. Röder sprach davon, dass es vor Jahrzehnten auch bei der Einführung der Lohrer Fußgängerzone Widerstand gegeben habe, weil sich manche den Nutzen nicht hätten vorstellen können.

Als jedoch Matthias Schneider (CSU) das Wort ergriff, war schnell klar, wie die Abstimmung ausgehen würde. Er sprach im Namen der Fraktionen von CSU, Freien Wählern, Bürgerverein und FDP und berief sich dabei auf eine Stellungnahme der Akademie Imakomm. Sie berät die Stadt seit einiger Zeit beim Thema Citymanagement. Tenor der Stellungnahme sei, so Schneider, dass die Erreichbarkeit der Innenstadt nicht beeinträchtigt werden dürfe. "Entschleunigung statt Sperrung" müsse daher die Devise lauten.

Auch die Lohrer Werbegemeinschaft hatte sich im Vorfeld per Stellungnahme gegen große Eingriffe in den Verkehrsfluss ausgesprochen. Eine "gesperrte Straße ist ein falscher Willkommens-Gruß", hieß es dabei. Überhaupt habe das Büro BrennerPlan in seiner Analyse des Ist-Zustands festgestellt, dass Lohr eigentlich kein großes Verkehrsproblem habe, so die Werbegemeinschaft. Der Lohrer Verkehr sei "kein Experimentierfeld zu Ungunsten der Existenz vieler Händler".

Appell der Werbegemeinschaft

Auch diese Aussagen der Werbegemeinschaft dürften dazu geführt haben, dass am Ende 14 Räte gegen eine umfangreiche Simulation verschiedenster Eingriffe votierten, nur zehn dafür. Einstimmig beschloss der Stadtrat hingegen, dass im weiteren Verlauf erste Ergebnisse der Simulation nicht in einem internen und als Videokonferenz durchgeführten Workshop diskutiert werden.

Stattdessen soll es eine öffentliche Stadtratssitzung geben. In dieser Sitzung sollen die Sprecher der in den Prozess eingebundenen bürgerschaftlichen Arbeitskreise Rederecht erhalten. Mit dem Zusammenstreichen des Umfangs der Verkehrssimulation spart sich die Stadt rund 8000 Euro.

Bürgermeister Paul kündigte abschließend jedoch an, dass er bei der Regierung von Unterfranken erfahren werde, ob das nun deutlich reduzierte Programm dazu führen könnte, dass die Stadt staatliche Zuschüsse verliert, die ihr für das Verkehrskonzept zugesagt sind.

Dieses Szenario wird durchgespielt

Auf dem Weg zu einem Verkehrskonzept für Lohr war ursprünglich die Simulation von sieben Szenarien vorgesehen. Für jedes hätte das Büro BrennerPlan theoretisch durchspielen sollen, wie sich die darin enthaltenen Veränderungen auf den Verkehrsfluss auswirken. Das einzige Szenario, das der Stadtrat nun beschlossen hat, umfasst als Einzelmaßnahme beispielsweise Tempo-20-Zonen auf der alten Mainbrücke, in der Vorstadtstraße oder in der Jahnstraße.
Ziel ist es, dort den Verkehr zu reduzieren und ihn auf den Tangentenring zu verlagern. Simuliert werden soll auch die Sperrung der Einfahrt in die Ludwigstraße für Fahrzeuge, die aus Richtung Partenstein und Rechtenbach an der Kreuzung am Oberen Tor ankommen. Außerdem soll eine Unterbrechung der Durchfahrt in Jahnstraße und Rodenbacher Straße simuliert werden.
Planerisch durchgespielt werden soll dieses Szenario für zwei verschiedene Annahmen. Die erste ist, dass die B 26n bis Karlstadt fertig gebaut ist. Die zweite Annahme ist, dass auch die in der Diskussion befindliche MSP-Spange mit Zubringer nach Lohr und dritter Mainbrücke fertig ist. Bürgermeister Mario Paul sprach in der Sitzung davon, dass man davon ausgehen könne, dass die B 26n bis 2030 bis Karlstadt fertig sei. Das lasse die Einstufung des Projekts im aktuellen Bundesverkehrswegeplan erwarten.
Torsten Ruf (ÖDP) hingegen hat die Hoffnung, dass sich die B 26n noch verhindern lässt. Die Stadt müsse hier Widerstand leisten. Andere Gemeinden im Umland hätten dies "längst kapiert", sagte Ruf. Er forderte, dass der künftige Verkehrsfluss in Lohr auch unter der Prämisse simuliert werden solle, dass die B 26n entweder gar nicht oder nur bis Müdesheim gebaut wird. Dafür fand sich im Rat jedoch keine Mehrheit.
Quelle: joun
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