Marktheidenfeld

Analysierender Beobachter menschlicher Befindlichkeit

Großes Format und ungewöhnliche Darstellungen prägen die Menschbilder von Erhard Löblein, die gegenwärtig  im Marktheidenfelder Franck-Haus zu sehen sind.
Großes Format und ungewöhnliche Darstellungen prägen die Menschbilder von Erhard Löblein, die gegenwärtig im Marktheidenfelder Franck-Haus zu sehen sind. Foto: Martin Harth

Aufatmen und Begegnung mit Menschen – Marktheidenfelds Fachfrau aus der Stadtverwaltung fürs Kulturelle, Inge Albert, brachte es am Freitagabend auf den Punkt. Nach einer als quälend empfundenen Zeit konnte im Marktheidenfelder Franck-Haus endlich wieder eine Kunstausstellung mit einer Vernissage eröffnet werden. Die war etwas anders als bislang gewohnt – ohne Umtrunk und zum Abstandhalten "Open-Air" im Westentaschenpark hinter dem städtischen Kulturzentrum. Nach den Reden lud schließlich der Hausherr Franz Valentin Franck von einem Eintritts-Taler grinsend zum geordneten und zahlenmäßig eingeschränkten Rundgang nach und nach in die vorderen Galerieräume neben dem Festsaal ein.

Im Mittelpunkt des Abends stand der Künstler und Literat Erhard Löblein aus Zell bei Würzburg mit seiner gegenwärtigen Ausstellung "MenschenBild". Mit Bravour meisterte der neue Dritte Bürgermeister Dirk Hartwig sein Debüt als Begrüßungsredner. Er lud ein zum Dialog mit den Gemälden und Plastiken. Die gegenwärtige Krise biete Anlass zur Reflektion und zu einer neu zu erfahrenden Begegnung mit den Menschen, die für die Bildwelt Löbleins entscheidend sind.

Hartwig dankte allen, die zur Verwirklichung dieser Ausstellung unter besonderen Umständen beitrugen. Gemeinsam mit dem Ersten Bürgermeister Thomas Stamm, der sich auch unter den rund 40 Gästen befand, überreichte er dem Künstler und seiner Laudatorin je eine Flasche Franck-Haus-Sekt als kleines Präsent.

Neugierig und experimentierfreudig

Es war Sophie Brandes aus Veitshöchheim, deren künstlerische Arbeiten schon mehrfach im Franck-Haus zu bewundern waren, die in die Arbeit des heute 88-jährigen Erhard Löblein einführen sollte. Sie bemühte Antworten aus der Philosophie, die die menschliche Existenz zu begreifen suchten und bald an ihre Grenzen dabei stießen. Der Künstler habe als junger Mensch in der NS-Zeit die schlimmen Folgen eines rassistischen Menschheitsbildes miterlebt und Brandes sah dies als Begründung, warum Löblein den Menschen in seinem Abbild aus sich selbst begreifbar machen wolle.

So geht es auch: Vernissage im Westentaschenpark am Franck-Haus zur Ausstellung 'MenschenBild' von Erhard Löblein (am E-Piano).
So geht es auch: Vernissage im Westentaschenpark am Franck-Haus zur Ausstellung "MenschenBild" von Erhard Löblein (am E-Piano). Foto: Martin Harth

Der gebürtige Marktbreiter war lange Jahre nach seiner Ausbildung in Nürnberg und Stuttgart als Grafiker in der Werbebranche tätig. Dabei hatte ihn sein Weg schon früher gelegentlich beruflich nach Marktheidenfeld geführt, wie der Künstler bei seinen späteren Dankesworten bekannte.

Brandes charakterisierte Löblein als neugierig und experimentierfreudig, was ihn als kreativem Kopf neben der Malerei auch autodidaktisch zur Bildhauerei und zur Schriftstellerei geführt habe. Selten male er reine Portraits. Bekannte, seine Tochter oder er selbst seien unter den Darstellungen in stilistischer Vielfalt dennoch wahrzunehmen.

Im Franck-Haus sind auch Plastiken von Erhard Löblein ausgestellt.
Im Franck-Haus sind auch Plastiken von Erhard Löblein ausgestellt. Foto: Martin Harth

Durch eine übersteigerte Körperlichkeit, die durch die beengten Raumverhältnisse der Franck-Haus-Galerie für den Betrachter in der Wirkung freilich etwas überstrapaziert scheint, hinterfrage er ein humanistisches Menschenbild. Er habe sich dafür das große Format erobert.

Überdimensionierte Hände

Die Darstellung oft überdimensionierter Hände stehe für Schutz und Abwehr sowie zugleich für Energie und gestalterischen Willen. Der Künstler erweise sich als ein analysierender Beobachter menschlicher Befindlichkeiten. Das Wahre, so hob Sophie Brandes stehe wohl am Ende, bis dahin befrage man sich wohl immer wieder selbst.

Erhard Löblein umrahmte seine Vernissage als Beleg einer weiteren Facette seiner Künstlerpersönlichkeit mit zarten Variationsklängen auf dem E-Piano. Er ließ sich dabei auch nicht davon beeindrucken, dass im benachbarten Fitness-Studio akustisch die pralle Popkultur ausgelebt wurde.

Die Ausstellung "MenschenBild" mit Malerei und Plastik von Erhard Löblein aus Zell bei Würzburg ist bis zum 30. August im vorderen Galeriebereich des Franck-Hauses (Untertorstraße 6, 1. Stock) zu sehen. Der Künstler ist an den beiden Sonntagen 19. Juli und 2. August von 14 bis 18 Uhr in seiner Ausstellung zu Gesprächen mit den Gästen anwesend.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag von 14 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Infos im Internet: www.marktheidenfeld.de und www.erhardloeblein.de

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