Gemünden

Andrea Geßner sammelt täglich Müll aus Liebe zur Natur

Vor etwa einem Jahr hat sich die 60-Jährige aus Langenprozelten eine Greifzange angeschafft. "Das schont den Rücken und geht schneller!" Was ihr so alles in die Tüte kommt.
Längst entwickelt Andrea Geßner sportlichen Ehrgeiz bei ihrer Leidenschaft.
Foto: Rosemarie Knechtel | Längst entwickelt Andrea Geßner sportlichen Ehrgeiz bei ihrer Leidenschaft.

Seit drei Jahren sammelt Andrea Geßner täglich Müll und bringt es immer auf zwei volle Tüten. Die Langenprozeltenerin macht dabei im wahrsten Sinne des Wortes leichte Beute, denn leere Zigarettenschachteln, Chipstüten oder Snackverpackungen wiegen fast nichts. Dennoch werden sie achtlos weggeworfen, anstatt sie zu Hause zu entsorgen.

Für die 60-Jährige beginnt Umweltbewusstsein schon bei der Entscheidung, zu Fuß zur Arbeit zu gehen. "Als mir eines Tages eine Isolierkanne aufgefallen ist, die einfach liegen blieb und nicht verrotten wollte, habe ich sie mitgenommen", erinnert sich Geßner an den Beginn ihrer Leidenschaft. Vor etwa einem Jahr hat sie eine Greifzange angeschafft. "Das schont den Rücken und geht schneller!"

Auf dem Weg nach Gemünden ins Büro wird die erste Tüte voll und landet im städtischen Mülleimer am Marktplatz. Weil sie abwechselnd verschiedene Wege läuft, wird auch auf dem Heimweg wieder eine Tüte voll. Manchmal nehmen ihr schon Anwohner vom Sandweg den Müll ab, oder sie nimmt ihn mit in die eigene schwarze Tonne.

"Ich mache das, weil ich hier wohne. In meiner Heimat habe ich es gerne sauber. Wer nur einmal einen Weg läuft, achtet vielleicht gar nicht darauf, oder registriert höchstens 'ach da liegt Müll'. Aber wenn man immer wieder daran vorbeigeht, denkt man irgendwann 'wenn ich den jetzt nicht wegräume, bleibt der ewig liegen'."

Neuerdings jede Menge Mund-Nasen-Masken

Viele Passanten signalisieren ihre Zustimmung durch "Daumen hoch", nur wenige abfällige Bemerkungen bekommt die Sammlerin zu hören, die sich davon nicht beirren lässt. "Es geht ja von alleine nicht weg und um so mehr irgendwo liegt, wird noch mehr dazu geschmissen. Das Frühjahr beginnt mit To-go-Bechern, im Sommer ist viel Glas dabei, wenn im Grünen gefeiert wird. Ganzjährig finden sich Unmengen von Taschentüchern und neuerdings Mund-Nasen-Masken."

Wie spannend es sein kann, vom Abfall auf den möglichen Verursacher zu schließen, beschreibt Geßner anhand einer nie enden wollenden Serie von Chantré Flachmännern, die Tag für Tag entlang ihrer Strecke in den Büschen liegen. Einmal wurde sie von zwei kleinen Mädchen gefragt, was sie machen würde und prompt hatte sie begeisterte Helfer. Ein anderes Mal hätte sie sogar eine Familie mit drei Kindern gesehen, die sich einen Spaß daraus machten, selbst kleinste Bonbonpapiere aufzusammeln und sich darüber freuten wie an Ostern beim Eiersuchen.

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