Karlburg

Appell an Eltern: Karlburger Kindergarten bei Notbetreuung am Limit

Bis Mitte Februar müssen Kitas geschlossen bleiben – eigentlich. In Karlburg besuchen diese trotzdem täglich noch reichlich Kinder. Wie sieht es in anderen Kitas in Main-Spessart aus?
Der katholische Kindergarten in Karlburg: Trotz des Lockdowns besuchen diesen laut Kindergartenleitung derzeit rund 40 Prozent der Kinder.
Foto: Corbinian Wildmeister | Der katholische Kindergarten in Karlburg: Trotz des Lockdowns besuchen diesen laut Kindergartenleitung derzeit rund 40 Prozent der Kinder.

Die Eltern sollen bitte überdenken, ob sie die Notbetreuung des Kindergartens wirklich brauchen oder die Betreuung ihrer Kinder nicht doch über ihre Familie abdecken können. Diesen Appell richtete die Leiterin des Karlburger Kindergartens St. Johannes der Täufer, Karina Zethner, kürzlich in einer E-Mail an die Elternschaft. "Zum Schutz aller möchten wir die Gruppen nicht übermäßig voll machen", heißt es in der Nachricht außerdem. 

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Da Bund und Länder den Lockdown bis Mitte Februar verlängert haben und bis dahin auch Kitas geschlossen bleiben sollen, sendete Zethner an die Eltern eine Umfrage, ob und wann diese im Februar auf die Notbetreuung zurückgreifen müssen. Im Frühjahr vergangenen Jahres war diese Option lediglich Eltern vorbehalten, die in systemrelevanten Berufen arbeiten. Doch nun ist die Regelung lockerer. 

Es ist kein Nachweis für Notbetreuung erforderlich

Anspruch auf die Notbetreuung haben laut bayerischem Familienministerium alle Kinder, "deren Eltern die Betreuung nicht auf andere Weise sicherstellen können, insbesondere, wenn sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen müssen". Weitere Ausnahmen gelten, wenn das Jugendamt eine Betreuung angeordnet hat oder bei Kindern mit einer Behinderung. Nachweise dafür braucht es aktuell nicht.

Zu Beginn des zweiten Lockdowns im Dezember war die Situation recht entspannt im Karlburger Kindergarten. Von rund 100 Kindern hätten damals nur noch eine Handvoll die Einrichtung besucht. "Da dachten sich viele Eltern noch, dass sie ihre Kinder lieber zu Hause lassen, weil sie Weihnachten mit der Familie sicher verbringen wollten", mutmaßt Karina Zethner im Gespräch mit dieser Redaktion. Im Januar habe sich das geändert. Ungefähr 40 Prozent der Kinder kämen seitdem wieder. "Und ich glaube, dass die Zahl im Februar noch steigen wird."

Kindergarten nahe an "der oberen Grenze des Machbaren"

Im Schnitt sind in Bayern etwa 18 Prozent der Kinder in der Notbetreuung der Kitas, berichtete Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vergangene Woche. Das sei nicht wenig, aber noch vertretbar. In Karlburg liegt man also deutlich über dem Schnitt.

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Zethner zeigt großes Verständnis für die schwierige Lage der Eltern: "Es ist sehr schwer, wenn man im Home Office arbeitet und gleichzeitig Kinder betreuen muss. Das funktioniert auf Dauer nicht." Doch der Kindergarten befinde sich schon "nahe an der oberen Grenze des Machbaren". Denn trotz aller Hygienemaßnahmen besteht laut Zethner immer noch die Gefahr einer Ansteckung. 

Dass Kitas nicht vor Corona verschont bleiben, habe man bereits im Herbst gesehen. Dazu kommt, dass aktuell auch Mitarbeiterinnen im Kindergarten tätig sein müssen, die wegen ihres Alters oder wegen Vorerkrankungen zu Risikogruppen gehören. "Sonst könnten wir unsere Betreuung nicht aufrechterhalten", so Zethner. 

Waldkindergarten Marktheidenfeld hat "Vorteil der frischen Luft"

Sehen sich andere Kitas in Main-Spessart mit ähnlichen Problemen konfrontiert? Die Meinungen und bisherigen Erfahrungen sind recht unterschiedlich. Was die Kapazitäten betrifft, sei die Notbetreuung aktuell gut machbar, sagt Beatrice Gottier, pädagogische Leitung des Waldkindergartens Marktheidenfeld. Von normalerweise 29 Kindern besuche derzeit ein Drittel die Kita. Die Ansteckungsgefahr sei im Waldkindergarten zudem deutlich geringer, meint sie. "Wir haben den Vorteil der frischen Luft. Draußen ist unser Ding." Durch den Wald habe man auch genug Platz zur Verfügung, damit die Mitarbeiter untereinander Abstand halten können. Mit den Kindern sei man aber natürlich trotzdem in Kontakt, räumt Gottier ein. 

Auch Stefanie Harth, Leiterin des Kindergartens St. Franziskus im Lohrer Stadtteil Wombach, sieht aktuell keinen Anlass zu großer Sorge: "Unsere Eltern sind sehr verständnisvoll. Sie nutzen die Notbetreuung tatsächlich nur an den Tagen, wenn sie diese wirklich brauchen." Momentan lasse sich das noch gut stemmen. Falls der Lockdown aber noch länger dauern und der Bedarf der Eltern zunehmen sollte, müsse man weitersehen.

Die Sicherheit von Familien und Kindern stehe auf dem Spiel

Größere Bedenken hat Gertrud Herrmann, Vorsitzende des St. Anna-Vereins, der den Kindergarten in Rieneck unterhält. Ungefähr ein Viertel der Kinder, also rund 15, seien dort aktuell täglich anwesend.  "Vom Gesetzgeber war das anders gedacht", sagt Herrmann. Sie treibt die Angst vor einem Corona-Ausbruch in der Kita um.

In mehreren Elternbriefen habe sie schon betont, dass die Kinder bitte nur dann gebracht werden sollen, wenn es nicht anders geht. Es stehe schließlich auch die Sicherheit der Kinder und ihrer Familien auf dem Spiel, sagt Herrmann. Wenn nur ein Kind das Virus in die Kita mitbringe, seien andere Familien auch gleich betroffen. "Ich habe einfach den Eindruck, dass die Leute das nicht mehr so ernst nehmen wie letztes Jahr im Frühjahr."

Aus Sicht der Eltern: Betreuung durch Familie nicht immer so einfach

Auf die Frage, wie er die derzeitige Regelung zur Notbetreuung aus Elternsicht wahrnimmt, sagt Jan Wiedemann, Vorsitzender des Elternbeirats des Kindergartens St. Jakobus der Ältere in Lengfurt: "Im Vergleich zum ersten Lockdown entspannter." Sehr gut sei, dass nicht nur Eltern, die in systemkritischen Berufen tätig sind, ihre Kinder in die Notbetreuung bringen dürfen. Seine Frau und er können zwar im Home Office arbeiten. Während der Arbeit gleichzeitig auf die gemeinsamen Töchter aufzupassen, ginge aber überhaupt nicht. "Das ist Käse!"

Auch die Betreuung durch Familienangehörige sieht Wiedemann zwiegespalten: "Das ist nicht immer so einfach. Meine Eltern sind zum Beispiel über 70. Denen kann ich nicht die ganze Zeit die Kinder aufs Auge drücken." Und natürlich tue den Kindern der Kontakt zu ihren Freunden in der Kita auch gut. Jedoch versuche man die Notbetreuung nur dann in Anspruch zu nehmen, wenn es nötig ist. "Wir müssen schauen, dass wir das System nicht überlasten." 

In Lengfurt klappe das ganz gut, meint Wiedemann. Die Nachfrage schätzt er als "sehr moderat" ein. Dabei sind dort nach seiner Aussage "30 bis 40 Prozent" der insgesamt 55 Kinder in der Notbetreuung – prozentual also ähnlich viele wie in Karlburg. Was bei der Auslastung der Kitas vertretbar ist und was nicht mehr: Das ist derzeit offenbar eine Frage der Perspektive.

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