MÜHLBACH

Aus der Perspektive eines Pferdes

Albert und Joey: Szene aus dem Film „Gefährten“.
Foto: Walt Disney | Albert und Joey: Szene aus dem Film „Gefährten“.

Die Burg-Lichtspiele Karlstadt-Mühlbach zeigen in der Auslese den Spielberg-Streifen Gefährte.

Rund zehn Millionen Pferde sollen im Ersten Weltkrieg gestorben oder zwecks Verpflegung geschlachtet worden sein. 1982 nahm der britische Autor Michael Morpurgo diese wenig bekannte Fußnote der Geschichte als Aufhänger für ein Kinderbuch über den Ersten Weltkrieg. 2007 wurde daraus ein Bühnenstück, das in Großbritannien großen Erfolg feierte. Jetzt hat Steven Spielberg daraus einen berührenden Film geschaffen, in dem er opulentes Kino und die mitreißende Erzählung von der unzerstörbaren Treue eines außergewöhnlichen Pferdes namens Joey zu einem Jungen miteinander verbindet. Das allegorische Kriegsdrama über den Ersten Weltkrieg wurde für sechs Oscars nominiert.

Wir schreiben das Jahr 1914. Die Narracotts schuften hart, um auf ihrer Farm ein Auskommen zu haben. Eines Tages kauft Vater Ted, bar jeder Vernunft, ein rassiges Pferd, das sein Sohn Albert, der es zähmen und zureiten will, Joey nennt. Doch zunächst muss Joey schwere Feldarbeit verrichten, damit die Schulden bezahlt werden können.

Als Joey und Albert durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs getrennt werden, folgt der Film der gefährlichen Reise des Pferdes auf seinem Weg durch den Krieg und zeigt, wie es die Leben zahlreicher Menschen inspiriert und verändert: Joey dient britischen Kavalleristen, gerät in die Hände der Deutschen und in den Besitz einer französischen Bauernfamilie, bevor die Geschichte auf den grauenvollen Schlachtfeldern im Stellungskrieg an der Somme ihren bewegenden Höhepunkt findet. Albert hat sich nämlich, obwohl er für den Dienst an der Waffe zu jung ist, auf eigene Faust nach Frankreich aufgemacht, um seinen Freund zu retten.

Aus der Perspektive eines Pferdes erzählt der zweifache Oscarpreisträger Spielberg episodenhaft, wie man sich auch in dieser dunklen Zeit einen Hauch von Humanität bewahren kann. Allerdings birgt der Stoff auch einige Fallstricke für einen Regisseur wie Spielberg, der jener von Hollywood perfektionierten Mischung aus Pathos und Kitsch nicht gerade abgeneigt ist, mit der er teilweise recht heftig auf die Tränendrüsen drückt.

Gewisse märchenhafte Übertreibungen, der eine oder andere simple dramaturgische Kniff und die scherenschnittartige Verknappung mancher Charaktere sind da deutlich an den Rezeptionsmöglichkeiten jugendlicher Zuschauer orientiert – durchaus legitim.

Herausragende handwerkliche Leistungen bieten Cutter Michael Kahn und Kameramann Janusz Kaminski. Der perfekte Schnitt des Ersteren trägt wesentlich zu der Wirkung sowohl der Actionszenen als auch der intimeren Momente bei, und die oft grandiosen Bildsequenzen Kaminskis wirken wie Reminiszenzen an das klassische Hollywoodkino eines John Ford oder David O. Selznick und lassen Spielbergs Ambitionen als Erzähler großer, emotionaler Kinomomente erkennen.

Burg-Lichtspiele Karlstadt-Mühlbach, Freitag 20 Uhr, Sonntag 11.15 Uhr, Montag und Dienstag 20 Uhr; freigegeben ab 12 Jahre, 146 Minuten.

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