Gemünden

Glosse: Leute, macht mehr Kinder

Noch ist nicht aller Tage Abend für Main-Spessarts Zukunft. Aber ein wenig mehr Einsatz dürfte schon sein. Vielleicht nach dem "Zelten" oder Besuch des Weihnachtsmarktes?
Gute Vorbilder: zwei Turteltauben.
Foto: Hermann Bader | Gute Vorbilder: zwei Turteltauben.

Es muss an dieser Stelle einmal eine Lanze für Corona gebrochen werden. Klingt übel, ist aber so. Also eigentlich keine Lanze für das 19-er Covid, sondern seine Begleiterscheinung, die Quarantäne. Seit Jahrzehnten waren die Hausgärten nicht mehr so gepflegt, die Speicher und Keller so aufgeräumt und die Buchgeschenke so geschätzt wie heuer. Aber nun ist bitte mal Schluss mit Gartenhacke und Lesebrille. Leute, nutzt die Quarantäne! Jetzt ist Kuscheln angesagt. Der Sinngrund ist entvölkert, bis die ersten merken, woran es fehlt: an Kindern. Und im Baumhof-Baugebiet in Marktheidenfeld zu klagen, der Kinderspielplatz käme zehn Jahre zu spät, der Nachwuchs sei schon groß, ist auch der falsche Ansatz. Müsste es nicht vielmehr heißen: Liebe Stadt, warte mal noch zwei, drei Jahre mit dem Spielplatz – wir geben uns alle Mühe.

Hier braucht es einfach einen Perspektiv-Wechsel. Offenbar schaffen den nicht alle. Der Marktheidenfelder Stadtrat Ludwig Keller scheint so in seinem Kampf ums Krankenhaus aufgegangen, dass er im Stadtentwicklungsausschuss sogar für den nächsten Weihnachtsmarkt das Motto "Ambulant statt stationär" verkündete. Das ist mal eine Ansage! Aber wie soll das gehen? Lebkuchenverkäufer und Krippenschnitzer, die ins Haus kommen und eine Erstversorgung sicherstellen? Mobile Stände, die mit beleuchtetem Christbaum oben drauf durch die Stadt rattern? Dabei muss doch zuallererst geklärt sein: Glühwein oder Kinderpunsch? Und so sind wir doch wieder bei Ludwig Keller, weil sich bei Glühwein hinterher zuweilen tatsächlich die Frage stellt: Ambulant oder stationär? 

Karlstadt: Eine Zeltstadt wie aus dem Mittelalter

Heute, da hier die Stunde der Fragen und Appelle schlägt, soll der neue Slogan aus der Kreisstadt nicht unter den Tresen gekehrt werden: In Karlstadt heißt es bald nicht mehr nur "Karscht hat's", sondern "Karscht zeltet". Corona treibt die Gastronomen vor die Tür, eine Zeltstadt wird errichtet, wie wir sie in Karlstadt vermutlich seit dem Mittelalter nicht mehr hatten. Das wird zweifellos eine tolle und farbenprächtige Sache, mindestens so bunt wie diese Zeitung heute. Das freilich war nicht immer so, wie uns ein Fund aus Gemünden zeigt.

Bei der Reparatur eines Wasserschadens hat ein Gemündener eine Main-Post-Ausgabe von 1965 unter dem Fußboden entdeckt. Klar, dass das der Redaktion gemeldet werden musste, nicht weil der Finder einen Bericht darüber in der Main-Post wollte, sondern weil er dachte, wir würden ihm diese antiquarische Zeitung für gutes Geld abkaufen. Aber da hat er Eulen nach Athen getragen. Wenn irgendwer noch alte Main-Post-Ausgaben besitzt und lagert, dann ist es die Main-Post. 

Eine Main-Post von 1965.
Foto: Markus Rill | Eine Main-Post von 1965.

Trotzdem haben wir natürlich mal hineingeblättert in jenen 8. Mai 1965. Da stand, die deutsch-sowjetischen Beziehungen seien auf einem Tiefpunkt (nichts Neues also), und dann wurde noch "das zweitägige Rätselraten um den unbekannten Freund der [damaligen] niederländischen Kronprinzessin Beatrix" aufgeklärt. Aus heutiger Sicht könnte man vermuten, es sei Hape Kerkeling gewesen, aber nein. "Ein 38 Jahre alter Bonner Diplomat" habe die Prinzessin auf "Schloss Drakesteyn" besucht. Ob es dabei zu Höhepunkten der deutsch-niederländischen Beziehungen kam, wissen wir nicht. Aber wenn die Sache ein Ansporn für die Main-Spessarter wäre (siehe oben), dann fänden wir das gut. 

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