Karlstadt

Außer Sued-Link könnte noch eine Stromtrasse durch MSP verlaufen

Der Sinngrund und der Raum Zellingen würden davon berührt. Vorgesehen ist eine Verkabelung nur teilweise.
Abendstimmung an der Südseite des Kernkraftwerks Grafenreinfeld. Das nahe gelegene Umspannwerk gilt als deutschlandweit bedeutsamer Netzknoten.
Foto: Helge Krüger | Abendstimmung an der Südseite des Kernkraftwerks Grafenreinfeld. Das nahe gelegene Umspannwerk gilt als deutschlandweit bedeutsamer Netzknoten.

Für die Hochspannungs-Gleichstromleitung "Sued-Link" steht der grundsätzliche Trassenverlauf innerhalb des Landkreises fest. Noch genauer wird er beim anstehenden Planfeststellungsverfahren festgelegt. Doch der Landkreis könnte auch von einer weiteren Überlandleitung betroffen sein: Der Untersuchungsraum für die 380-Kilovolt-Wechselstromleitung "Fulda-Main-Leitung" (P43) reicht in den südöstlichen Landkreis hinein. Gegen dieses Projekt gab es zuletzt auch in der Rhön massive Proteste.

Im Ausschuss für Landkreisentwicklung und Digitalisierung gab Sebastian Kühl, der neue Leiter des Sachgebiets Kreisentwicklung und Wirtschaftsförderung, einen informellen Überblick zu den Stromtrassen-Projekten. Sued-Link soll bekanntlich eine Art "Windstromautobahn" von Nord nach Süd zwischen Brunsbüttel und Bergrheinfeld sein. Dort gilt das Umspannwerk am ehemaligen Atomkraftwerk als deutschlandweit bedeutsamer Netzknoten.

Verlauf parallel zur B 26

Der von der Bundesnetzagentur kürzlich festgelegte Planungskorridor für die Leitung, die in Erdverkabelung gebaut wird, erreicht zwischen Altbessingen und Schwebenried den Landkreis, verläuft dann von Arnstein bis Binsfeld in etwa parallel zur Bundesstraße 26 und schwenkt dort nach Südosten ab. In Retzstadt gibt es einen Knick nach Südwesten. Zwischen Retzbach und Thüngersheim wird der Main gequert, ehe der Korridor Main-Spessart zwischen Zellingen und Leinach verlässt. Gegenüber der Empfehlung des Übertragnungsnetzbetreibers Transnet BW legte die Bundesnetzagentur bei Büchold nur eine südliche Verschiebung eines 2,5 Kilometer langen Teilstücks fest für mehr Abstand zu bestehenden Gebäuden.

Auch beim folgenden Planfeststellungsverfahren werden die Gemeinden und Städte als Träger öffentlicher Belange sowie die Bürger beteiligt. Allerdings hieß es im Ausschuss, dort wollten die Netzbetreiber weniger Diskussion zulassen als bei der abgeschlossenen Bundesfachplanung. "Wachsam sein", appellierte Landrätin Sabine Sitter.

Bergrheinfeld ist ein bedeutsamer Netzknoten 

Auch für die Fulda-Main-Leitung wird Grafenrheinfeld ein Endpunkt sein, sie soll eine Verbindung nach Norden mit den Umspannwerken Mecklar und Dopperz in Hessen sein. Ab Grafenrheinfeld-West würde dann eine bestehende 380-kV-Leitung in Ost-West-Richtung genutzt, insbesondere nach Hessen.

Laut dem Netzbetreiber Tennet soll das die Stromversorgung an den Wirtschaftsstandorten Osthessen und Unterfranken sichern sowie Kapazitätsüberleistungen im bestehenden Dreieck Mecklar/Dipperz-Großkotzenburg-Bergrheinfeld beseitigen. Das Vorhaben P43 war schon im Bundesbedarfsplan 2013 enthalten und wurde von der Bundesnetzagentur im Dezember 2019 in den Netzentwicklungsplan 2030 aufgenommen. Eine Inbetriebnahme wird ab 2027 angestrebt.

Es soll noch in diesen Jahr über den Bundestag im Bundesbedarfsplangesetz verankert werden, sodass 2021 die Bundesfachplanung erfolgen kann. Wie bei Sued-Link würden dann auch hier innerhalb eines Untersuchungsraums Verlaufskorridore mit 1000 Metern Breite gesucht werden, die sich möglichst an bestehenden Infrastrukturen wie Autobahnen und Bahnlinien orientieren.

Maximal sechs Kilometer Erdkabel

Der Landkreis Main-Spessart scheint auf dem ersten Blick nicht betroffen, doch der Untersuchungsraum reicht im Westen bis in den Sinngrund und im Süden bis in den Raum Zellingen, was mit einer Bündelungsoption mit der ICE-Strecke Hannover-Fulda-Würzburg und der Gashochdruckleitung Sannerz-Rimpar begründet wird. Bei einer Informationsveranstaltung vom Juli 2020 im Karlstadter Rathaus sollen Vertreter des Netzbetreibers Tennet gesagt haben, weder Mehrkosten noch Umwege spielten eine wesentliche Rolle.

Geplant ist der Bau als Freileitung mit Teil-Erdverkabelung. Dabei sind nur drei bis sechs Kilometer Erdverkabelung am Stück möglich, für die Übergangsbauwerke muss jeweils relativ viel Fläche versiegelt werden.

Das Projekt P43 wird von den betroffenen unterfränkischen Landkreisen (Bad Kissingen, Main-Spessart, Rhön-Grabfeld und Schweinfurt) kritisiert. Zu den fünf Kritikpunkten gehört, dass die Region mit Sued-Link durch die sich aufteilende Stammstrecke schon doppelt belastet ist und die Fulda-Main-Leitung eher das Rhein-Main-Gebiet versorgen würde als den Süden. Der Süden könne durch Sued-Link und Sued-Ost-Link sicher versorgt werden. Die direkte Verbindung ins Rhein-Main-Gebiet (P43 mod) wurde jedoch von der hessischen Landesregierung verworfen, alle Interventionen, diese Alternative vor Verabschiedung des Bundesbedarfsplangesetzes einer nochmaligen Prüfung zu unterziehen, waren bislang erfolglos.

Warum nicht bei Fulda auskoppeln? 

In der kurzen Diskussion brachte Arnsteins Bürgermeister Franz-Josef Sauer ein, er sei verwundert, dass nicht einfach eine zusätzliche Ein-/Auskoppelung in Sued-Link bei Fulda gebaut werde. Kreisrat Herbert Schneider regte an, zur angemessenen Zeit einen Vertreter von Tennet in den Kreistag einzuladen.

Der Landkreis will sich mit Hilfe schon etablierter Strukturen gegen die Umsetzung von P43 positionieren. Das sind insbesondere das "Bündnis Hamelner Erklärung", wo bereits ein Ausschuss P43 besteht, und der Verein "MSP-Link" mit 25 Kommunen.

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