Massenbuch

Außergewöhnliche Karriere: Von Massenbuch nach Mumbai

Peter Kern analysiert im Auftrag der Bundesbank den indischen Markt. In Mumbai vermisst er das Grün und die Natur, die er von seiner Heimat kennt.
Peter Kern (links), Repräsentant der Bundesbank in Mumbai, referierte auf Einladung des SPD-Bundestagsabgeordneten Bernd Rützel über die Lage in Indien. 
Peter Kern (links), Repräsentant der Bundesbank in Mumbai, referierte auf Einladung des SPD-Bundestagsabgeordneten Bernd Rützel über die Lage in Indien.  Foto: Klaus Gimmler

Größer kann der Kontrast nicht sein. Aufgewachsen ist Peter Kern in dem beschaulichen Gemündener Stadtteil Massenbuch, der heutzutage zirka 200 Einwohner zählt. Jetzt ist er Bundesbank-Repräsentant im indischen Mumbai, einer mit 22 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Metropolen der Welt. Derzeit ist Kern auf Heimaturlaub. Auf Einladung vom SPD-Bundestagsabgeordneten Bernd Rützel berichtete er engagiert im Wintergarten des Gemündener Hotel Koppen über die Lage in Indien.

Der 56-jährige Volkswirt ist im Auftrag der Bundesbank seit drei Jahren in Mumbai, dem ehemaligen Bombay. Seine Aufgabe ist es unter anderem, dass Finanzsystem in Indien zu analysieren, um mögliche Finanzkrisen frühzeitig zu erkennen. Zuvor hatte er lange Zeit diese Funktion in Sao Paulo innegehabt und von dort den lateinamerikanischen Markt beobachtet.

Auch die Inder leiden schwer unter Corona, berichtet Kern. Es habe einen harten Lockdown gegeben. Man habe nur zum Einkaufen auf die Straße gedurft. Mittlerweile sind die Regeln wieder gelockert. Daraufhin seien die Ansteckungen aber wieder rapide nach oben gegangen.

Corona: Inder müssen arbeiten

Wer die Öffnungen kritisiert, muss bedenken, dass dies aus Not erfolgt, erklärte Kern und dies zeige das Dilemma, in dem sich Indien befindet. Die Hilfsmaßnahmen des Staates seien begrenzt und kämen auch nur einem geringen Teil der Bevölkerung zugute. Daher seien die Menschen gezwungen, wieder zu arbeiten, um die Familie zu ernähren.

Kern hofft, dass man die Krise nutzt, um Reformen in Gang zu bringen, die bislang das Wirtschaftswachstum bremsen. Unter anderem nannte er die Schaffung eines einheitlichen Mehrwertsteuersystems in ganz Indien, da das bisherige System wie eine Zollgrenze wirke. Wichtig ist für Kern auch eine Lösung des alles überlagernden Grenzkonflikts mit Pakistan. 

Plädoyer für Lieferkettengesetz

Zugeschaltet war zunächst per Video – später mit Telefon, da die Verbindung unterbrach – die SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler. Sie ist die Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe und warb für das Lieferkettengesetz, das von der Koalition auf den Weg gebracht worden ist. Damit soll sicher gestellt werden, dass Lieferanten im Ausland soziale und ökologische Mindeststandards einhalten, um die schlimmsten Auswüchse von Kinderarbeit und Ausbeutung zu verhindern. Beispielsweise gäbe es Wanderarbeiter, die nur ein Euro pro Tag verdienen, sagte Kofler. 

Rützel unterstützte sie. "Wer ein T-Shirt für 3,90 Euro kauft, dem muss klar sein, dass da jemand über den Tisch gezogen wurde", sagte er. Ein Lieferkettengesetz würde nicht gleich alles besser machen, sei aber ein wichtiger Schritt. Allerdings gebe es massiven Gegenwind. Da gelte es aufzupassen, dass das Gesetz nicht verwässert werde.

Kern wird in der zweiten Hälfte des Augusts wieder in Mumbai sein. Wie er dort hinkommt, weiß er noch nicht. Die Linienflüge sind noch eingestellt. Seine Mutter lebt noch in Massenbuch. Hier in der Heimat genießt er die Ruhe und Natur, die er in Mumbai nicht findet. Die Stadt sei "spannend" und "könnte schön sein", so Kern. Doch er erlebe, wie Grünflächen neuen Häusern weichen würden. Derzeit werde eine U-Bahn gebaut. Trotz der Hektik fühle er sich wohl, sagt er, da er über seine Arbeit viele Kontakte knüpfen könne.

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