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Babymord-Prozess: Alte Verletzungen des Säuglings bleiben ein Rätsel

Trotz Corona-Beschränkungen ist der Prozess um den Tod eines acht Monate alten Babys in Würzburg fortgesetzt worden. Zu Wort kam das Jugendamt und weitere Zeugen.
Wissen Justiz und Angehörige nach der Aussage des Gutachters am Freitag mehr? Trotz zahlreicher Zeugenaussagen konnte sich das Gericht am Donnerstag noch kein klares Bild zum Tod des Babys machen.
Foto: Thomas Obermeier | Wissen Justiz und Angehörige nach der Aussage des Gutachters am Freitag mehr? Trotz zahlreicher Zeugenaussagen konnte sich das Gericht am Donnerstag noch kein klares Bild zum Tod des Babys machen.

Trotz Corona-Beschränkungen treibt das Würzburger Landgericht um den Vorsitzenden Claus Barthel den Prozess um den mutmaßlichen Mord an einem acht Monate alten Baby aus dem Landkreis Main-Spessart energisch voran – teilweise mit achtstündigen Sitzungen bis in den Abend hinein. Bis Ende Januar sind Termine festgesetzt, am Donnerstag kamen weitere Zeugen zu Wort. Doch wann ein Urteil fällt, ist genauso offen wie die Frage: Lässt sich der Mordvorwurf gegen den 24-jährigen Freund der Mutter halten? 

Dessen Anwalt Hanjo Schrepfer weist den Mordvorwurf gegen seinen Mandanten zurück. Allerdings: Dass er versehentlich durch zu energisches Einwickeln den Tod des Säuglings verursachte, will der Angeklagte, der regelmäßig Drogen konsumiert hat, selbst nicht ausschließen.  

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Viele Zeugen und keine Klarheit

Der  24-Jährige soll, als ihn im Dezember 2019 das Schreien des Babys beim Fernsehen störte, in den Nebenraum gegangen sein. Danach schwieg das Kind. Als dessen Mutter eine Stunde später nach ihm sah, war das Baby blau angelaufen und atmete nicht mehr. Wiederbelebungsmaßnahmen blieben erfolglos. Ob der Freund der Mutter schon in den Wochen vorher grob mit dem Baby umging, ist nach widersprüchlichen Zeugenaussagen ungewiss.

Auch am Donnerstag schleppte sich die Beweisaufnahme mit einem halben Dutzend Zeugen zäh voran. Weder einer behandelnden Kinderärztin noch dem Notarzt und seinen Helfern am Tatort waren länger zurückliegende Verletzungen an dem Kind aufgefallen. Die Ärztin betonte auf Nachfrage, sie habe – entgegen der Aussage der Mutter – nie dazu geraten, den acht Monate alten Säugling zu "pucken" (Fachbegriff für: ganz eng in eine Decke wickeln), wenn er schrie. "Das war nie ein Thema", sagte sie. Dabei gilt zu intensives "Einpucken" als mögliche Ursache für den Tod des Babys.

Verletzungen an Schädel und Rippen

Rechtsmediziner Michael Bohnert fragte die Zeugen gezielt nach mehreren Rippenbrüchen und einem Schädelbruch am Hinterkopf des Babys. Sie wurden bei der Obduktion entdeckt und sollen Wochen vor dem Tod entstanden sein. Doch keiner der Zeugen konnte dazu konkrete Angaben machen.

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Mitarbeiter der Jugendämter des Landkreises Würzburg und Main-Spessart hatten die kleine Familie im Fokus: Eine Mitarbeiterin sagte im Zeugenstand, dass die Verhältnisse beim Angeklagten und der jungen Mutter des Säuglings eine "Gratwanderung" gewesen seien. Doch sie und ihre Kolleginnen nahmen der Mutter das Kind nicht weg, weil es weder Misshandlungsspuren, noch Hinweise auf Defizite in Ernährung oder Körperpflege gegeben habe.

Gutachten des Rechtsmediziners am Freitag

Nun blicken Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung gespannt dem Auftritt des Würzburger Rechtsmediziners am Freitag entgegen. Von seinem Gutachten versprechen sich die Beteiligten entscheidende Hinweise darauf, was dem acht Monate alten Säugling an jenem Mittag kurz vor Weihnachten 2019 passiert ist – und ob sich der Vorwurf des Mordes aufrecht erhalten lässt.

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