Lohr

Bei den „Gauklern“ gerät eine Geburtstagsfeier aus dem Ruder

Als Kopfschmuck ungeeignet: Bei der Premiere des Stückes „Genug ist nicht genug“ der Lohrer „Gaukler“ konnten sich die Zuschauer am Pech der Darsteller laben.
Foto: Andreas Brauns | Als Kopfschmuck ungeeignet: Bei der Premiere des Stückes „Genug ist nicht genug“ der Lohrer „Gaukler“ konnten sich die Zuschauer am Pech der Darsteller laben.

Die Lohrer Gaukler feierten Freitagabend im Mehlingskeller die Premiere des Stückes „Genug ist nicht genug!“. Auf der gezeigten Geburtstagsfeier geht es alles andere als fröhlich und lustig zu. Zumindest für den Hauptdarsteller. Das Publikum aber hat seinen Spaß.

„„Happy! Happy! Happy!“ – das täuscht. Glücklich ist Erich gar nicht. Schlecht gelaunt kommt er aus seiner Firma nach Hause. „Was habe ich verbrochen, dass ich jedes Jahr Geburtstag haben muss?“. Da bekommt Ehefrau Helga ihr Päckchen ab, die die Party vorbereitet.

Das Geburtstagskind hat den Eindruck, dass es die Menschen nicht liebt. Und so viele Absagen wie am Abend vor und bei der Feier eintrudeln, scheint es, dass auch Erich nicht sehr geliebt wird. Es bleiben Schwägerin Evelyn und deren Mann Hagen übrig zum Feiern. Auf diesen schießt sich Erich ein, mit Gehässigkeiten. Denn Hagen bietet sich als Opfer an. Er hat oft kein Glück.

Schon vorm Eintreten zerstört er den Klingelknopf; Flaschen und Weingläser bringt er fast berührungslos zum Umkippen und als sein erstes Brillenglas zersplittert, ist der Bruch des zweiten fast zu berechnen.

Für Erich ist er ein kleiner Beamter beim Amtsgericht, der nichts als einen Abfallratgeber als literarischen Erfolg vorweisen kann. Aber einer, der „Insiderwissen“ beweist und das Selbstbewusstsein des „Monopoly-Managers“ ins Wanken bringt.

Dass der sich daraus ergebende – jugendfreie – Gewaltexzess auf der Bühne nicht das Ende des Stückes bedeutet, ist Hertha zu verdanken. Plötzlich steht sie da, mit vielen bunten Geburtstagspäckchen. Sie ist die Mutter der beiden Schwestern, ist mit deren neuem „Daddy“ aus Amerika angereist. Dass dafür nicht der Geburtstag des Schwiegersohns der Grund war, löst so einige bis dahin offene Fragen – und wirft neue auf.

Der „Erich“ scheint Herbert Lochner-Goßmann auf den Leib geschrieben. Er lästert und schimpft, wirft mit „Fäkalinjurien“ um sich und scheint einen weichen Kern zu verstecken, der entdeckt werden will. Petra Zakrzewski spielt schrill, farbig „Hetti“ mit bewegter, Männer verzehrender „68er“-Vergangenheit.

Inge Schwab und Swetlana Rausch geben ein gegensätzliches Schwesternpaar: Schwab, die verletzliche und verletzte Helga, während die Rolle der Evelyn eine eher kämpferisch, austeilende ist. Sie steht hinter ihrem Hagen. Jörg Engelhards Rolle gibt immer wieder den Auftakt zu witzigen Dialogen. Er spielt begeisternd die Tapsigkeiten seiner Figur, zeigt aber auch deren Stärken, gar Fähigkeit zur Poesie, auf.

Warum Hagen trotz heller Bühne wiederholt Dunkelheit beklagt, aber mindestens einmal im Leben Glück hat, wird nicht verraten. Auch dafür, herauszufinden, welche Bedeutung ein Kürbis und eine silberne Brotplatte für das Stück haben, ist ein Besuch bei den Gauklern Pflicht.

Der lohnt sich allein fürs Bühnenbild. Es gibt eine Anregung zum Bau des heimischen Barschrankes. Dass das Stück beim Publikum gut ankam, war beim Applaus zu hören.

Erste Vorstellung der anderen Besetzung am Freitag, 4. November, um 20 Uhr mit Gerhard Kolbert (Erich), Susanne Balzer-Endres (Helga), Rouven Remmel (Hagen), Rebecca Wack (Evelyn) und Ditte Remmel (Hertha).

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