Gemünden

Bei Streiterei in Lohr Bekannte für halbe Stunde eingesperrt

Amtsgericht in Gemünden verurteilt Frau wegen Freiheitsberaubung zu Geldstrafe von 900 Euro.
Das Amtsgericht in Gemünden.
Foto: Michael Mahr | Das Amtsgericht in Gemünden.

Weil sie eine Bekannte während eines Streits für rund eine halbe Stunde in ihrer Wohnung eingeschlossen hat, wurde eine 50-jährige Lohrerin am Donnerstag vor dem Amtsgericht in Gemünden wegen Freiheitsberaubung zu einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilt.

Die Vorgeschichte stellte sich in der Gerichtsverhandlung, in der neben der Angeklagten und der Geschädigten auch drei Zeugen gehört wurden, in etwa so dar: An einem Sonntagvormittag im Dezember 2019 kam es in der Wohnung der Angeklagten zwischen ihr und ihrem Mitbewohner zu einem Streit, woraufhin dieser die Wohnung verließ und zu Bekannten ging, einer 36-jährigen Frau und einem 37-jährigen Mann.

Im Laufe des Tages schickte die 36-Jährige der Angeklagten eine Anfrage per Sprachnachricht, ob sie mit ihr reden könne. Nachdem die Angeklagte nichts dagegen hatte, kam sie am Abend zu ihr in ihre Wohnung. Dort muss es zwischen den beiden Frauen dann zu einem verbalen Streit gekommen sein. Im Zuge dieses Streits soll die Angeklagte ihre Besucherin mehrfach aufgefordert haben, die Wohnung zu verlassen. Da die 36-Jährige jedoch im Auftrag des damaligen Mitbewohners der 50-Jährigen für diesen noch einige Sachen aus der Wohnung mitnehmen wollte, wurde sie von der Angeklagten schließlich in der Wohnung eingeschlossen.

Eigentlich habe sie aufgrund dieser Entwicklung die Polizei verständigen wollen, sagte die 36-Jährige in der Verhandlung, allerdings sei sie so fertig gewesen, dass sie dies nicht geschafft habe. Zum Glück habe die 50-Jährige dann selbst die Polizei gerufen. Diese traf nach Aussage eines Polizeibeamten etwa eine Viertelstunde nach Eingang des Notrufs an der Wohnung ein.

Strafbefehl erschien letztlich allen zu hart

Nach Abschluss der Zeugenbefragungen kam Richterin Laura Pacesny zu dem Schluss, dass die gehörten Schilderungen in vielen Teilen deckungsgleich seien. Alles in allem betrachtet sei die im Strafbefehl erhobene Geldstrafe von 3200 Euro (80 Tagessaätze à 40 Euro) zu hoch gegriffen, eine Korrektur nach unten sei erforderlich.

Dies sah auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft so, die eine Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro (60 Tagessätze à 30 Euro) für angebracht hielt. Dem Rechtsanwalt der Angeklagten war dies allerdings immer noch zu viel. Vor dem Hintergrund, dass sich seine Mandantin damals in einer psychischen Ausnahmesituation befunden habe und mittlerweile arbeitslos sei schlug er 600 Euro (30 Tagessätze à 20) vor.

Richterin Pacesny blieb mit 45 Tagessätzen à 20 Euro dazwischen. Zum einen habe das Eingesperrtsein für die 36-Jährige eine erhebliche Belastungssituation dargestellt, zum anderen dürfe man aber auch nicht unterschätzen, in welcher Ausnahmesituation sich die Angeklagte befunden habe, sagte sie.

Themen & Autoren
Gemünden
Wolfgang Dehm
Angeklagte
Geldstrafen
Gerichtsverhandlungen
Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte
Richter (Beruf)
Staatsanwaltschaft
Zeugen
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)