Neuendorf

Beton-Spechte klopfen Brücke ab

Waghalsiges Erscheinungsbild, doch rundum abgesichert: die Prüfung der Eisenbahnbrücke der 'Nantenbacher Kurve' mit dem Brückenuntersichtgerät.
Foto: Martina Imhof | Waghalsiges Erscheinungsbild, doch rundum abgesichert: die Prüfung der Eisenbahnbrücke der "Nantenbacher Kurve" mit dem Brückenuntersichtgerät.

Für Aufsehen und neugierige Blicke sorgen seit Ende Februar Arbeiten an der Eisenbahnbrücke der Nantenbacher Kurve unterhalb der Ruine Schönrain: eine mobile, rund zehn Meter tiefe Hängekonstruktion ist hier beidseitig im Einsatz, gesteuert von Arbeitern der Deutschen Bahn.

Doch was hat es damit auf sich? Warum werden diese waghalsig wirkenden Tätigkeiten ausgeführt? "Wir prüfen die Stabilität der Brücke, das Untersichtgerät ist aufgrund der Höhe und Lage für die Zustandsfeststellung notwendig", informiert Christopher Sohns, der seit fünf Jahren bei Brückenprüfungen der DB-Netz AG als Teamleiter tätig ist.

Die Maßnahme soll durch Feststellung des Ist-Zustandes des 25 Jahre alten Brückenbauwerks die Standsicherheit und die verkehrssichere Nutzung garantieren. An Bord der beiden Inspektionsgeräte, die parallel an den beiden Seiten montiert sind, hantieren je zwei mit Sicherheitsgurten ausgestattete Arbeiter auf dem Gerätesteg.

695 Meter im Schneckentempo

Ein weiterer Kollege befindet sich im Maschinenwagen, der am Kopfteil des 14 Tonnen schweren Fahrzeugs am Brückenrand aufsitzt. Von hier erfolgt die Steuerung des hydraulisch betätigten Brückenuntersichtgeräts, das mit einem Druck von bis zu 150 Bar an der Brücke gehalten wird. Mit einer Geschwindigkeit von zwei Kilometern pro Stunde fahren sie gemeinsam die Unterseite der 695 Meter langen Brücke unterhalb der Ruine Schönrain Stück für Stück ab. In der Regel genügen Sichtprüfungen, die den erfahrenen Brückenprüfern ausreichende Informationen geben, doch manchmal kommt auch der "Beton-Specht" zum Einsatz – ein kleiner Hammer, der zur Ausstattung der Arbeiter dazugehört, erklärt Sohns weiter.

Die Beschaffenheit des Betons, Risse und Abplatzungen durch Frost und klimabedingte Entwicklungen werden erkannt, an Ort und Stelle markiert und dokumentiert. Und je nach Größe des Schadens im Anschluss der Prüfung sofort behoben.

Das Team der DB-Netz AG betreut stets zwei Baustellen zeitgleich. Zwölf Mitarbeiter mit vier Inspektionsgeräten als Inventar sind deutschlandweit für Brückenprüfungen im Einsatz.

"Es ist eine Routinemaßnahme, eine Art Sicherheitsbegehung", ergänzt Simon Bahn, Mitarbeiter der Firma Railing, der als Bauüberwacher täglich vor Ort ist. Railing unterstützt im Raum Würzburg und Nürnberg Projekte der Bahn-Netz AG, koordiniert und überwacht diese alle sechs Jahre durchzuführende Maßnahme. Und ist zuständig für die Sicherheit der Arbeiter vor Ort.

Die Einhaltung von Regelungen bei Gleisüberquerungen, Kontrolle von Schutzabständen und erforderliche Sperrungen gehören zum Aufgabenbereich. Ebenso der Kontakt mit dem Fahrdienst der rund 50 Schnellzüge, die die Strecke der Nantenbacher Kurve täglich nutzen: die übliche Geschwindigkeit von 200 Kilometer pro Stunde muss während des zweiwöchigen Zeitraums der Prüfung auf 160 Stundenkilometer gedrosselt werden, um eine mögliche Gefährdung durch die Sogwirkung der Züge auszuschließen.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Main-Spessart und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren / Autorinnen
Neuendorf
Martina Imhof
Baustellen
Beton
Brücken
DB Netz AG
Deutsche Bahn AG
Eisenbahnbrücken
Gefahren
Schutz
Schäden und Verluste
Sicherheitsgurte
Züge
Überwachung und Kontrolle
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!