KARLSTADT

Blechwände schimmern wie Champagner

Das Pförtnerhaus: Unterschiedlich breit wie bei einem Strichcode sind die einzelnen Edelstahlpaneele am Pförtnerhaus im neuen Hauptquartier von Thyssen-Krupp in Essen. Die Deckschalung ist matt geschliffen, die Unterschalung glänzend poliert.
Foto: LUMMEL | Das Pförtnerhaus: Unterschiedlich breit wie bei einem Strichcode sind die einzelnen Edelstahlpaneele am Pförtnerhaus im neuen Hauptquartier von Thyssen-Krupp in Essen.

Die Karlstadter Spenglerfirma Lummel GmbH & Co. KG ist bekannt dafür, dass sie die ungewöhnlichen Ideen internationaler Stararchitekten umsetzt. Ging es dabei bisher oft um technisch komplizierte Lösungen für edle und zum Teil unregelmäßig gestaltete Blechfassaden oder -dächer, so stand diesmal beim Bau des neuen Hauptquartiers von Thyssen-Krupp in Essen die Koordination von vier verschiedenen Firmen im Vordergrund – und das unter enormem Zeitdruck.

Krupp verlegt seinen Sitz von Düsseldorf zurück an seinen Ursprungsort Essen. Dort entstehen gerade auf einer Fläche so groß wie 50 Fußballfelder zehn Gebäude nach dem Vorbild eines Uni-Campus, entworfen vom Architekturbüro Chaix & Morel (Paris). Zum Teil sind sie bereits fertig.

In der Mitte thront das würfelförmige Kongresszentrum, 50 Meter breit, 50 Meter lang und 50 Meter hoch. Transparenz lautet das Motto für dieses Gebäude. Innen befindet sich ein lichtdurchflutetes, wiederum etwa würfelförmiges Atrium mit riesigen Fensterflächen. Außen herum gruppiert sind die Büros.

Und jetzt kommt der Part der Firma Lummel: Die Karlstadter haben die Decken und Wände in diesem Atrium mit champagnerfarben-schimmerndem Blech verkleidet. Dieses setzt sich an den – sozusagen – Fensterlaibungen in den Außenbereich fort.

4500 Quadratmeter beschichtetes Stahlblech, zirka 2,4 Millionen Auftragssumme, das sind die nackten Zahlen. Obwohl es sich um plane Flächen handelt, war mit dem Auftrag ein enormer Planungsaufwand verbunden. Denn gefordert war einerseits höchste Maßgenauigkeit, andererseits waren zum Beispiel auch Türen und viele weitere Elemente in diesem Blech auszuführen oder Stahlbetonsäulen zu verkleiden.

Im Juli 2008 kam der Auftrag. Neun Monate bis zum Mai 2009 wurde im hauseigenen Büro bei Lummel geplant. Dann kamen die Bleche in Form von Tafelware nach Karlstadt. Bis zu 14 Mann arbeiteten teilweise in zwei Schichten, um das Material zu konfektionieren. Bis zu 16 Mann waren auf der Baustelle tätig, um das Werk bis jetzt im Juni zu vollenden.

Die Firma Lummel entwickelte auch für diesen Auftrag ein eigenes Einhängesystem zur Befestigung der Bleche. Jedes Feinblech muss sich einzeln herausnehmen lassen, falls ein Schaden auftritt.

„Besonders schwierig war die Koordinationspflicht von vier Firmen“, berichtet Geschäftsführer Georg Lummel, der für den handwerklichen Teil verantwortlich ist, während sein Bruder Stefan Geschäftsführer für den kaufmännischen Part ist.

Drei Fassadenbauer und eine Firma, die die Glasflächen montierte, mussten unter Zeitdruck Hand in Hand arbeiten. Die Zeit war von ständigen Koordinationsgesprächen geprägt. Lummel: „Teilweise treffen sich im Gebäude vier unterschiedliche Fassadentypen an einer Stelle. Das bedeutet: Die beteiligten Fassadenbauer müssen gleich gut und genau arbeiten, damit sich alle mit einer Abweichung von maximal zehn Millimetern am festgelegten Ort treffen.“

Doch das Engagement hat sich gelohnt. Während des Baus erhielt Lummel einen Anschlussauftrag über rund 1,2 Millionen Euro für: • das sogenannte Forum mit Vorstandssitzungssälen, Konferenzräumen, Restaurant und Cafeteria, • den Raum der Stille, • das Pförtnerhaus.

Pförtnerhaus klingt banal, doch das Pförtnerhaus war handwerklich anspruchsvoller als das Kongresszentrum. Wie bei einem Strichcode wurde die Fassade mit unterschiedlich breiten Edelstahlpaneele verkleidet. Der Clou: Die Deckschalung ist geschliffen, also eher matt; dazwischen glänzen die polierten Paneele der Unterschalung. Die unterschiedlichen Breiten waren vom Planer genau vorgegeben.

Witzig: Als die Projektanten bei einer Besprechung in Karlstadt das von Lummel eigentlich für Dächer auf den Seychellen entwickelte Grasschindelsystem sahen, orderten sie dieses als Wandverkleidung für den Raum der Stille.

Im Forum galt es schließlich, 2400 Quadratmeter Wand- und Deckenverkleidung zu erstellen – wieder aus demselben champagnerfarbenen Stahlblech wie im Kongresszentrum.

Größten Wert legte Thyssen-Krupp darauf, dass sämtliches Metall aus dem eigenen Haus kam. Schließlich dienen die Bauten dazu, sich als Stahlkonzern zu präsentieren.

Lummel hat bereits vielerlei spektakuläre Fassaden erstellt, darunter die Bauten von Frank O. Gehry im Düsseldorfer Neuen Zollhof oder im Eingangsbereich des neuen Porsche-Museums in Stuttgart.

ONLINE-TIPP

Georg Lummel repräsentiert auf der Internetseite von Thyssen-Krupp die Handwerker. Man klicke auf „Menschen“ unter der Adresse www.thyssenkrupp.com/quartier/

Das Konferenzgebäude: Am Bau dieses zentralen Gebäudes war die Firma Lummel maßgeblich beteiligt. Im Innern schimmern die Wände champagnerfarben. Das setzt sich über die Laibungen nach außen fort. Foto: LUMMEL
| Das Konferenzgebäude: Am Bau dieses zentralen Gebäudes war die Firma Lummel maßgeblich beteiligt. Im Innern schimmern die Wände champagnerfarben. Das setzt sich über die Laibungen nach außen fort. Foto: LUMMEL
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