Retzbach

BN lehnt Ausweisung des Baugebietes „Klinge“ in Retzbach ab

Hier soll das Baugebiet Klinge in Retzbach erschlossen werden.
Foto: Wolfgang Piepers | Hier soll das Baugebiet Klinge in Retzbach erschlossen werden.

Der Main-Spessart-Kreis zählt wie viele andere zu den Abwanderungsgebieten mit sinkender Bevölkerungszahl. In Retzbach sank die Einwohnerzahl in den letzten 15 Jahren um etwa 150 auf aktuell 2100 Einwohner. Der Bund Naturschutz verweist auf diese Entwicklung und erklärt in einer Stellungnahme seine Ablehnung des neuen Baugebiets "Klinge", zumal nach Ansicht der Ortsgruppe das Potential an Leerständen und unbebauten erschlossenen Grundstücken im Ort nicht annähernd ausgeschöpft sei.

Die BN-Ortsgruppe schreibt: "Die Größe des ursprünglichen Bauerwartungslandes an der Klinge wurde vom Gemeinderat bereits erheblich reduziert, es wurde nur noch ein 4,64 Hektar großes Baugebiet ausgewiesen. Dieser Bereich mit Brachflächen, Hecken, Mähwiesen und Streuobstbeständen war und ist Lebensraum für viele bedrohte und geschützte Arten. Es wurden Orchideen, gefährdete Heuschrecken und Schmetterlinge, Zauneidechsen, die Schlingnatter, der Hirschkäfer, die Haselmaus sowie zahlreiche Vogelarten und Fledermäuse in diesem strukturreichen Gebiet nachgewiesen. Leider sind bei der offiziellen Erfassung der Tier- und Pflanzenarten die Insekten nicht untersucht worden, obwohl in der näheren Umgebung des Baugebietes viele seltene Arten vorkommen. Im August 2020 wurden im Baugebiet selbst noch zwei Raupen vom Segelfalter gefunden."

Ausgleichsflächen viel zu niedrig angesetzt?

Das Gesetz verlange bei Ausweisung eines Baugebietes, den Verlust an Lebensräumen für streng geschützte Arten wie Zauneidechse, Schlingnatter, Haselmaus und Fledermäuse durch Ausgleichsflächen zu beheben, wobei deren Größe nach der Wertigkeit des Gebietes berechnet wird. Dies sei, so der BN, im Fall der „Klinge“ besonders hoch. Die Wertigkeit des Gebietes wurde aber nach Meinung des Bund Naturschutz viel zu niedrig angesetzt und damit der Ausgleichsbedarf viel zu niedrig berechnet.

"Vor Beginn der Rodungsmaßnahmen im Winter 2019/2020 wären bereits Schutz- und Ausgleichsmaßnahmen zur Rettung der streng geschützten Arten Zauneidechse, Schlingnatter, Haselmaus und Fledermäuse notwendig gewesen", heißt es in der Stellungnahme. Und weiter: "Da dies nicht oder nur völlig unzulänglich geschehen ist, wurde massiv gegen das Naturschutzgesetz verstoßen und muss von der zuständigen Aufsichtsbehörde geahndet werden. Viele dieser Fehler hätten verhindert werden können, hätte man der Bund Naturschutz frühzeitig in die Planung der Maßnahmen mit einbezogen."!

Dem Bund Naturschutz sei aus all diesen Gründen, die in der offiziellen Stellungnahme an die Gemeinde im Einzelnen detailliert beschrieben worden seien, "nichts anderes übrig, als die Ausweisung des Baugebietes Klinge abzulehnen".

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