LOHR

Das Leben auf den Punkt gebracht

Das macht den „Gauklern“ so schnell keiner nach: Am Ende ihrer Premierenvorstellung am Freitagabend trat Regisseur Matthias Hahn auf die Bühne im Kulturkeller des Weinhauses Mehling und applaudierte seinem Ensemble. Hahn, der Profi im Theatergeschäft, lobte sein Team: „Es ist mir eine Ehre, mit Euch zu arbeiten“, sagte er. Gleich darauf honorierte ein nahezu ausverkauftes Haus die Klasseleistung der Darsteller mit einem ohrenbetäubenden Beifall.
Sie gaben eine Bravourleistung bei der Premiere ihrer  Boulevardkomödie „Außer Kontrolle“ ab: die Schauspielgruppe „die Gaukler“ (von  links): Ditte Remmel, Mirta Dantlgraber, Georgia Viola-Richartz, „Leiche“ Anette Waigand und Maik Neuer.Rita Gress
Foto: FOTO | Sie gaben eine Bravourleistung bei der Premiere ihrer Boulevardkomödie „Außer Kontrolle“ ab: die Schauspielgruppe „die Gaukler“ (von links): Ditte Remmel, Mirta Dantlgraber, Georgia ...

Nach zwei Stunden Spielzeit sprudelte Hauptdarstellerin Angela Morkley alias Georgia Viola-Richartz: „Jawohl, die Stimme geht noch.“ Sie hatte den umfangreichsten Part in dem Zweiakter, musste einen Sprechmarathon bewältigen. Sie mimte die perfekte Macherin. Jeder Ton, jede Bewegung und Geste sitzt. Ihre Mimik haute die Zuschauer um. Nicht anders verhielt es sich bei den übrigen Ensemble-Mitgliedern. Sie brachten es auf den Punkt. Da agierte ein Team, das dem Laienstatus längst entwachsen ist.

Stück als Lachmuskelmassage

Ein Wort zum „Körper“: Er musste den wohl schwierigsten Part meistern, musste erstummen, erbleichen, taumeln, leblos umfallen und danach zum blühenden Leben erwachen. Anette Waigand füllte die Rolle mit Bravour aus. Die „Gaukler“ hatten vorab angekündigt, in der Boulevardkomödie herrsche das totale Chaos. Des Weiteren: Das Stück sei von dem englischen Autor Ray Cooney als Lachmuskelmassage angelegt worden. Stattgegeben in beiden Punkten.

Was sich da in Suite Nummer 648 des Londoner Nobelhotels „Westminster“ anzubahnen drohte, war das pralle Leben. Die Hormone von Staatsministerin Angela Morkley sind außer Rand und Band. Es dürstet sie nach dem Leib von Staatssekretär George Washington (Maik Neuer). Doch Vorsicht, er ist knackig, doch verheiratet; seine Frau leidet unter krankhafter Eifersucht. Und: Er gehört der Opposition an.

Leiche sorgt für Aufregung

Als hätte Morkleys jungfräuliche Sekretärin Betty Pigden (Ditte Remmel) ihre Chefin nicht schon hundertmal vor den Folgen ihrer Libido gewarnt. Ihrem Gemahl Patrick (Gerhard Kolbert), dem „Engelchen-Bärchen-Liebling“, tischt die Spitzenpolitikerin indes auf, sie befinde sich im British Museum-Lesesaal, wahlweise bei einer Sitzung im House of Commons.

Das oberste Gebot bei einer Liaison lautet schließlich „Diskretion“. Just bevor man im Hotel „Westminster“ zur amourösen Tat schreiten will, kracht die „Guillotine“ hernieder. Das Zimmerfenster hat eine weibliche Leiche unter sich begraben.

Ob des Knalls mutmaßt die findige Hotelmanagerin (Susanne Balzer-Endres) einen Einbrecher; es müsse die Polizei her. In dem Fall stünde die Zukunft der Regierung auf dem Spiel. Das so argwöhnische wie geschäfttüchtige Zimmermädchen Wilma Stuart (Mirta Dantlgraber) bringt die Politikerin an den Rand der Beherrschung.

Morkley: „Bei der nächsten Debatte über Sterbehilfe stimme ich zu.“ Derweil die Leiche seelenruhig am Haken im Schlafzimmerschrank von Suite 648 baumelt und nur im ungünstigsten Fall „erscheint“, geraten die Dinge Tür an Tür außer Kontrolle. Mann in Unterhosen gibt Halbnackten im Negligé die Klinke in die Hand. Des Staatsministers betrogene Ehefrau Rosi (Inge Schwab) erscheint. Sie sinnt per Pistole auf Rache. „Ich bin nicht gut im Bett“, stammelt sie unter Tränen. Die keusche Sekretärin Betty hingegen wandelt sich zur Femme Fatale, sie fällt über den noch keuscheren Patrick Morkley (Gerhard Kolbert) her. Der sagt: „Ich mache es nur mit Hut.“

Also entscheidet sich Betty für Richard Foster (Thomas Herrmann). Er ist willig und sie stöhnt: „Was habe ich nur all die Jahre mit meinem Talent gemacht!“ Die Hotelmanagerin indes räumt mit Politikerin Morkley auf: „Ich würde es sehr begrüßen, wenn sie bei weiterem Aufenthalt in unserem Haus nur von ihrem Gatten begattet würden.“ Hoppla, die Leiche kehrt ins Leben zurück. Sie hat ihr Gedächtnis wieder und macht sich aus dem Staub. Doch sie wird wiederkehren. Nach zwei Stunden Debüt walzen die „Gaukler“ ausgelassen über die Bühne. Die Premiere ist geschafft! Ein ungemein sympathisches Team hat einmal mehr gepunktet.

Weitere Vorstellungen im Mehlingskeller sind am 14., 15., 21., 22., 28. und 29. November. 2009: am 16., 17., 23., 24., 30. und 31. Januar sowie am 6., 7., 13., 14. und 20. Februar. Die Benefizvorstellung zugunsten des Hospizvereins Würzburg ist am 21. Februar 2009. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Sämtliche Veranstaltungen sind nahezu ausverkauft. Restkarten gibt es noch im Weinhaus Mehling und an der Abendkasse.

Namen & Daten

In „Außer Kontrolle“ spielen mit: Hauptdarstellerin Georgia Viola-Richartz, Ditte Remmel , Maik Neuer, Susanne Balzer-Endres, Inge Schwab, Gerhard Kolbert und Mirta Dantlgraber. Den „Körper“ geben abwechselnd Anette Waigand und Steffi Staub. Ebenso abwechselnd spielen Jörg Engelhard und Thomas Herrmann den Richard Foster. Regie: Matthias Hahn, Bühnenbild: Maik Neuer. Kostüme: Hanni Herrmann, Technik: Maximilian Endres und Simon Reuter. „Eisenmann“-Hausmeister: Uwe Trapp. Frau für alle Fälle vor und hinter der Bühne: Silke Hartmann. Internetauftritt: Matthias Hartmann, Organisation, Plakate, Programmheft: Georgia Viola-Richartz.

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