Rieneck

Das Virus trifft auch Kloster Einsiedel: Altarweihe verschoben

Die für 24. Mai geplante Altarweihe in Einsiedel muss verschoben werden. Ingbert Roth kümmert sich weiter um die Pflege der historischen Anlage.
Die für 24. Mai geplante Altarweihe in Einsiedel muss verschoben werden. Ingbert Roth kümmert sich weiter um die Pflege der historischen Anlage. Foto: Klaus Fleckenstein

Ingbert Roth, der Ruppertshüttener Schreinermeister, ist oft an seinem Lieblingsplatz: Die von 2012 bis 2018 gelaufene Ausgrabung und Gestaltung von Kloster Einsiedel, auch Elisabethenzell genannt, geht auf seine Anstöße, sein Motivieren und Antreiben zurück. Jetzt steht der 81-Jährige nachdenklich vor dem Steinaltar mitten im restaurierten Gemäuer der Klosterkirche, deren Ursprung bis ins frühe 13. Jahrhundert reicht.

Gerne hätte der Geschichtsverein Ruppertshütten, der den Archäologischen Park weiterbetreut, im Mai hier die Altarweihe mit den vielen Helfern der Ausgrabung und der Bevölkerung aus den umliegenden Orten gefeiert. Pfarrer Sven Johannsen aus Lohr hatte für den Sonntag nach Christi Himmelfahrt, 24. Mai, zugesagt. Ein Gottesdienst und danach Führungen durch die 2500 Quadratmeter große Anlage waren geplant.

Die Vorbereitungen für die Feier liefen, als Corona dazwischenkam. "Abgesagt, alles nicht möglich", bedauert Roth vor allem aus Sicht der Gemeinschaft der Helfer. Und ob ein Ersatztermin im Frühherbst, wenn wieder öffentliche Versammlungen und Veranstaltungen möglich sein sollen, zustande kommt, steht noch in den Sternen. Nur wenige einzelne Wanderer oder Radfahrer kommen momentan vorbei auf dem Wanderweg Birkenhainer Straße, der als früher bedeutende Handelsstraße dem Prämonstratenser-Kloster seine Bedeutung als florierende Raststation gab – bis sich die Rienecker Grafen im 14. Jahrhundert mit den Hanauern anlegten.

Private Rundgänge möglich

Dabei böte sich die Waldlandschaft zwischen dem Gemündener Zollberg und der Bayerischen Schanz oder die Seitenwege aus Rieneck, Langenprozelten, Ruppertshütten doch in der Corona-Zeit geradezu an für einen meditativen Rundgang im kleinsten Kreis. Hier sind die Spuren der Spessarter Besiedlung, der wirtschaftlichen und geistlichen Entwicklung der Waldlandschaft im Mainviereck begreif- und begehbar.

Für Ingbert Roth ist die archäologische Freilegung der bis 2011 nur als zugewucherte Steinhalde erahnbaren baulichen Relikte und die Lösung des Rätsels um Kloster Elisabethenzell ein spätes Lebenswerk geworden. Seit 2002, als Ruppertshütten sein 500-jähriges Bestehen groß gefeiert hat, ist Roth als Vorsitzender des örtlichen Geschichtsvereins der Antreiber gewesen für das Projekt Einsiedel. Der Schreinermeister im Ruhestand hätte damals, als er 2006 die Fühler ausstreckte zur Erkundung von Einsiedel, nicht im Traum daran gedacht, welch große Anlage zum Vorschein kommt und welche Meisterleistung des Bürgerengagements die Ausgrabung wird.

Die Bayerischen Staatsforsten, genauer der Forstbetrieb Hammelburg, in dessen Ruppertshüttener Revier das Ruinengelände auf Rienecker Gemarkung liegt, hat dieses historisch-kulturelle Projekt ermöglicht und mit rund 200 000 Euro den größten Finanzierungsbeitrag zur Ausgrabung geleistet. Aus dem einstigen Steinhaufen unter der Wurzel einer zwiegespaltenen Buche wuchs Stein für Stein wieder die ehemalige Klosteranlage und spätere Einsiedelei, als mit dem Harald Rosmanitz vom Archäologischen Spessartprojekt die Ausgrabung und wissenschaftliche Erforschung lief.

Vom Forst gut gepflegt

"Rund 20 000 Arbeitsstunden stecken drin", sagt Roth bei seinem "Wartungs-Rundgang" in Begleitung des Reports. Er schaut nach dem Rechten, freut sich, dass die Staatsforsten zwei im Wintersturm gefallene Bäume am Lichtungsrand bereits weggeräumt haben. Auch auf die Steinmauern, die die einstigen Klostergebäude andeuten, wirft er einen Blick, ob nichts bröckelt, nachdem die Anlage im Herbst 2018 für die nächste kleine Ewigkeit übergeben wurde.

Wie gut die freiwilligen Maurer und ihre Handlanger beim Wiederaufbau gearbeitet haben, ist unverkennbar. In Handarbeit, ohne Maschineneinsatz, haben sie 214 Meter Mauerwerk aus den Unmengen von aus dem Waldboden gegrabenen Sandsteinen mit Mörtel wie ein gigantisches 3D-Puzzle zusammengefügt. Rund einen Meter hoch und wuchtige 70 Zentimeter stark – auch das ein Werk für die Geschichte.

Selbst wenn das Fest der Altarweihe erst mal ausfällt, eine Wanderung alleine oder zu zweit, eine Tour mit dem Mountain- oder E-Bike ist Einsiedel immer wert. Der Histopark kann gut auf eigene Faust erkundet werden: Die Mauern, die Bildtafeln und das Beton-Modell der Klosteranlagen lassen diese mittelalterliche Spessartwelt aufleben.

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